
Zwei Marvel-Helden, zwei völlig unterschiedliche und unvereinbare Auffassungen von Recht und Gesetz: Der eine bekämpft Schurken, tötet aber nicht. Sein Ziel: Gerechtigkeit walten zu lassen und das Gesetz achten, die Schurken der Justiz zuzuführen, damit diese abgeurteilt werden können. Der andere nimmt das Gesetz nicht nur selbst in die Hand, er tötet auch gnadenlos die Schurken, bzw. jene, die er für welche hält.
Der eine ist Daredevil, im privaten Leben der Anwalt Matt Murdock, der andere ist Frank Castle, der Punisher. Obwohl das Ziel – nämlich Gangster zur Strecke zu bringen – das Gleiche ist, sehen sich beide aufgrund ihrer gegensätzlichen Philosophien als Gegner. Ein stets schwelender Konflikt, der sich durch den kompletten Band zieht und dessen Würze ausmacht.
Wie der Marvel Knights Punisher, der kürzlich bei Panini erschien und der ebenfalls von Jimmy Palmiotti geschrieben wurde, spielt auch diese Story mit Daredevil und dem Punisher, die zu Beginn alles anderes als Team-Up ist, in der Vergangenheit. Der Bestrafer ist gerade dabei, der Mafia-Familie Gnucci, allen voran Ma Gnucci, den Garaus zu machen (damals von Garth Ennis und Steve Dillon geschrieben und gezeichnet, und heute schon ein moderner Klassiker).
Das drohende Machtvakuum, das dadurch über kurz oder lang der Unterwelt entstehen wird, wollen sich andere zunutze machen. Vier Gangster wittern ihre Chance und wollen gemeinsame Sache machen: Big Toni Rizzoli, Rancid Randy, Patty Quinn und allen voran Gina Russo, die eigentlich noch geraume Zeit hinter Gittern verbringen müsste, seltsamerweise aber bereits auf freiem Fuß ist.
Die vier, die bald zum Trio werden, gelangen schnell in den Fokus des Punishers und von Daredevil, wobei Letzterer bald vermutet, dass hinter den Dreien noch ein Unbekannter stehen muss, der alle Fäden in der Hand hält. Weshalb die beiden Kontrahenten eine Art Pakt schließen müssen, der allerdings auf tönernen Füßen steht. Wobei das von Misty Knight eingefädelte, neutrale Treffen von Daredevil und Frank am Tisch tatsächlich an die legendäre Begegnung zwischen De Niro und Pacino in „Heat“ erinnert.
Der Band vereint alle fünf Kapitel bzw. Einzelhefte der Miniserie, die im Original „The Devil’s Trigger“ heißt. Und in jedem Kapitel werden auch die Freunde gepflegter, deftiger Action bestens bedient – die furiose Klopperei in der U-Bahn sticht hier hervor. Fazit: Spannend und schlüssig erzählt, mit diversen Überraschungen versehen und realistisch gezeichnet. Als Dreingabe bietet der Band, der diesmal nicht zusätzlich in einer limitierten Ausgabe erscheint, eine zweiseitige Mini Marvels Story sowie die übliche Cover- bzw. Variant-Cover-Galerie. (bw)
Daredevil & Punisher: Im Visier des Teufels
Text & Story: Jimmy Palmiotti
Bilder: Tommaso Bianchi
128 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
16 Euro
ISBN: 978-3-7416-5035-2