
Nach gut zwei Jahren ein neuer Hellboy Band, da sind wir doch gerne wieder mit an Bord: Die fünf unterschiedlich langen Geschichten dieser Ausgabe laufen mehr oder weniger wieder nach dem gleichen bekannten Muster ab: Hellboy kommt in eine übernatürliche Situation, die dann bald zügig eskaliert, was eine massiven Klopperei gegen monströse Kreaturen zur Folge hat. Und dennoch machen die Geschichten Laune. Was natürlich viel mit Hellboys Coolness und seinem locker flockigen, unerschrockenen Wesen zu tun hat. Und den unterschiedlichsten Gegebenheiten, die dieses stets gleiche Muster ausfüllen. Außerdem: Nachdem der Spuk sprichwörtlich vorbei ist, bleiben die Storys gerne einiges an Erklärungen schuldig – und das im positiven Sinne. So weht immer mindestens ein Hauch Mysteriöses oder Übernatürliches durch die Handlung und über das Ende hinaus.
Hier bei der Fortsetzung von „Der Krumme“ (in der die titelgebende Effie Kolb erst einmal nur eine Nebenrolle begleitet) lässt sich die Story – da aus zwei Teilen bestehend – mehr Zeit. Ereignisse aus der Vorgeschichte (in Hellboy #11 bei Cross Cult veröffentlicht) werden noch einmal zitiert und Hellboy bekommt mit der jungen, als Hexe verstoßenen Sara May Blackburn einen Schützling zur Seite gestellt, der eine gewisse seherische Gabe hat: etwas Böses sei auf dem Weg. Was dann natürlich wieder ein Fall für Hellboy bedeutet. Wurde der Vorgänger, der 1958 spielt, vom großen Richard Corben gezeichnet, findet dieser in Zach Howard nun einen würdigen Nachfolger, dessen Stil dem von Corben nicht unähnlich ist: Opulent, voller Details, auch oder gerade wenn es zum unausweichlichen dramatischen Finale kommt.
Ruhiger – zumindest vorerst – wird es im winterlichen Russland am Goloski Bahnhof – die Geschichte spielt wie „Die Rückkehr von Effie Kolb“ ebenfalls 1967. Mitten im Nirgendwo soll Hellboy Prof. Onchukov treffen. Stattdessen wartet ein mysteriöser Fremder namens Yad Tovich auf ihn, mit dem Kopf des Professors im Gepäck… Etwas sparsamer von Matt Smith gezeichnet, v.a. was die Hintergründe betrifft, lebt die Story in erster Linie durch den geheimnisvollen Yad Tovich, der so einiges in petto hat („Lange Nacht am Goloski Bahnhof“). „Ihre Unglücksstunde“ beginnt im B.U.A.P. Hauptquartier in Fairfield, Connecticut, und spielt 1979. Der träumende Hellboy landet per Magie unversehens in Frankreich. Dort wartet Nadya auf ihn, die Tochter von Violca (siehe „Die Bestie von Vargu“, Band 20), die einen Gefallen einfordert. Der kantige Zeichenstil von Tiernen Trevallion erinnert dabei angenehm an den von Hellboy-Schöpfer Mike Mignola.
Trevallion zeichnet auch die nur acht Seiten lange Story „Der Sendingar“, die 1991 in England spielt und in der Hellboys Freund, der Geister-erfahrene Harry Middleton allen die Show stiehlt. Die abschließende Geschichte, „Der Club der sieben Frauen“, wurde von Adam Hughes gezeichnet, den man von zahlreichen Covern kennt und der auch bereits Hellboy in Szene setzte („Krampusnacht“ erschien als Einzelheft bei Cross Cult). Hughes zeichnet sehr sanft und atmosphärisch – nicht nur hier würden die Zeichnungen in einem größeren Format besser zur Geltung kommen. Hellboy ist einem alten Verbrechen auf der Spur, dem sieben Frauen zum Opfer fielen, inklusive feurigem Finale. Ein Sketchbuch mit diversen Skizzen und Entwürfen, dazu einige Cover-Abbildungen (u.a. von Mignola selbst) runden die gelungene wie kurzweilige Reise in das mystische Monsterland ab. Bis zum nächsten Mal. (bw)
Hellboy und die B.U.A.P., Band 22: Die Rückkehr von Effie Kolb
Text: Mike Mignola
Bilder: Zach Howard, Matt Smith, Tiernen Trevallion,
Adam Hughes, Dave Stewart (Farben)
152 Seiten in Farbe, Hardcover, Kleinformat
Cross Cult
25 Euro
ISBN: 978-3-98666-584-5