
Jacques, 20 Jahre alt und Soldat, beschließt aus einer Notlage heraus, eine Prostituierte aufzusuchen, was zumindest für ihn unbefriedigend verläuft. Dafür endet eine Fahrt mit einer Unbekannten wesentlich erfreulicher als erwartet („Militärdienst“). Cléa wartet auf ihren Lover, einen Manager, der sie nur unregelmäßig besucht, und vertreibt sich die Zeit bis zu seinem (vermeintlichen?) Eintreffen („Der Faltenrock“). Gwen macht Urlaub in Palermo, erkundet die Stadt und trifft dabei auf einen Priester. Kann der ihren eindeutigen Avancen widerstehen („Palermos Verlockungen“)? Françoise schwelgt in Erinnerungen und blickt dabei auch auf ein höchst erfüllendes Abenteuer in ihren Ferien zurück („Inmitten der Landschaft ein Fluss“).
Ein Paar feiert in einem Restaurant den Valentinstag – mit einem sehr pikanten Geschenk, das auch gleich zum Einsatz kommt („Valentine’s Day“). Emilie findet beim Aufräumen ein Halsband mit Stacheln und folgt daraus: Ihr Partner steht auf eine bestimmte Art von Vergnügen, weshalb sie eine Domina um Rat fragt („Das Halsband“). Science Fiction: In einer bizarren Zukunft, die im Design einmal mehr an Blade Runner erinnert, will Aurora unbedingt die neuen X-Lover Roboter austesten („Sensually Yours“). Kein Mann vermag es bisher, Linh zu befriedigen, weshalb sie die Sache schon seit langem selbst in die Hand nimmt. Und das gerne und andauernd („Serienwichserin“). Im Schneetreiben wird ein Mann von einer Frau in ihren Bann gezogen. Wird sie zu seinem Verderben (“Königin der Nacht“)?
Neun Kurzgeschichten beinhaltet dieser Einzeltitel, der sich innerhalb des inoffiziellen Splitternackt-Labels im Splitter Verlag einordnet. Was natürlich auch bedeutet, dass der Titel für Erwachsene gemacht und gedacht ist. Die Storys, die trotz gleicher Thematik völlig unterschiedlich gehalten sind, haben gemein, dass sie alle aus der Feder der Autorin Octavie Delvaux stammen, von der in Frankreich auch bereits diverse erotische Bücher erschienen sind. Die Comic-Adaptionen stammen dabei größtenteils von Frauen, wobei der prominenteste Name ein Mann ist: Luigi Critone, der die erste Geschichte beisteuert, kennen wir als Nachfolger von Enrico Marini beim Dauerbrenner „Der Skorpion“, eine Reihe, die bei Carlsen erscheint.
Bei Kurzgeschichten besteht die Gefahr, dass ein gewisser Tiefgang fehlt, dafür bekommen wir hier nicht nur Abwechslung, sondern auch die erotische Komponente, die gerne explizit ausfällt. Höhepunkte gibt es in dem Band damit genug, wobei eindeutige Hochglanz-Erotik wie die eines Manara hier keinen Platz findet. So trudeln manche Episoden aus, andere finden ein Happy End oder enden mit einer kleinen Überraschung. Ein Pfund sind die unterschiedlichen Zeichenstile. Von Realismus, skizzenartigem Stil, Science Fiction, die entfernt an Druillet erinnert, setzen die Geschichten unterschiedliche optische Akzente. Auch was die Farbgebung betrifft, die von weichem zu hartem Schwarz-Weiß reicht, oder von kräftigen Farben gar zu Rosa-Tönen. Der Band wurde 2025 mit dem Prix Sade in der Sparte Comics ausgezeichnet. (bw)
Fever
Text & Story: Octavie Delvaux
Bilder: Urbinno, Luigi Critone, Apollonia Saintclair,
Chéri, Inès Allahverdian, Janevsky, Michelle Reviglio,
Chloé Cavalier, Raven
128 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
29,80 Euro
ISBN: 978-3-68950-165-5