
Professor, bekannter wie angesehener Wissenschaftler und furchtloser, draufgängerischer Abenteurer: Paul Foran ist ein echter Allrounder. In „Gefahr aus dem Weltall“, der ersten von drei albumlangen Episoden in diesem Band, nimmt er an einem Wissenschaftskongress im Schwarzwald teil, wo man sich u.a. mit außerirdischem Leben beschäftigt. Passend dazu erlebt Foran sogleich eine Begegnung der dritten Art: Sein Wissenschafts-Kollege Dr. Radesky entpuppt sich nämlich als menschlicher Roboter. Dann taucht noch ein Raumschiff auf und fordert die „Rückgabe“ dieses Geschöpfes an einem entlegenen Ort im fernen Tibet. Sofort macht sich Foran mit zwei Kollegen und dem „inaktiven“ Radesky dorthin auf. Eine gefährliche Reise beginnt.
„Die Mumie“: Zwei Archäologen entdecken das vermeintliche Grab von Thanor, dem Verbannten, um den sich wilde Legenden ranken, und bergen seine Mumie. Einer der beiden, John Cosgrave, kommt dabei ums Leben. Cosgrave war ein Freund Paul Forans. Der will die genauen Umstände von dessen Tod klären und macht sich auf nach Schottland. Dort lebt Cosgraves Partner Farrel, der auch die besagte Mumie auf seinem Landsitz aufbewahrt. Farrel ist nicht gerade angesehen und genießt bei seinen Kollegen einen zweifelhaften Ruf. Nach einem Brand in Farrels Haus verbreiten sich im Ort Gerüchte über eine Mumie, die die Gegend durchstreift. Natürlich ist es an Foran, der Sache auf den Grund zu gehen.

Ortswechsel: Paul Forans Kumpel Nick erbt unversehens eine einsam gelegene Mühle im fernen Quebec in Kanada. In dem Gehöft seines verstorbenen Onkels soll es angeblich spuken. Und: Nick erhält Drohbriefe von Unbekannt, dass er das Erbe keinesfalls annehmen soll und bittet daher Foran, ihn nach Quebec zu begleiten. Anfangs noch unerschrocken, bemerken die beiden in der Mühle schnell seltsame Geräusche, werden anschließend von Wölfen angegriffen und entdecken riesige Krötenspuren. Lebt hier etwa ein Flussmonster? Bald erhalten die beiden unerwartete Hilfe und einmal mehr liegt es an Foran, „Das Geheimnis der Mühle“ zu enträtseln…
„Paul Foran“ erschien ab 1968 im Spirou Magazin, wurde von Autor José Larraz ins Leben gerufen und anfangs von Jesus Blasco unter dem Pseudonym Montero gezeichnet. Nach drei Abenteuern übernahm Jordi Bernet die Gestaltung der Serie. Die Gesamtausgabe, die hier im All Verlag in zwei Bänden erscheint, beschränkt sich auf die Alben, die Bernet gezeichnet hat (der damals nur unter seinem Vornamen „firmierte“) und ist damit ein Frühwerk des spanischen Zeichners, der dann spätestens mit Serien wie „Torpedo“ (ebenfalls im All Verlag erschienen) durchstarten sollte. Französische Quellen listen insgesamt zehn Paul Foran Alben auf, wobei interessanterweise bei der ersten Geschichte in diesem Band („Gefahr aus dem Weltall“) Jesus „Montero“ Blasco als Zeichner genannt wird. Was angesichts des einheitlichen Zeichenstils in diesem Band offenbar nicht korrekt ist.
Bei den drei Geschichten handelt es sich um klassische Abenteuer, wobei die erste als lupenreine Science Fiction heraussticht. Die Aliens sind zwar nicht zu sehen, aber echt und mächtig (sie erschaffen eine künstliche Sonnenfinsternis, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen) und die Geschehnisse wie auch die spannungsgeladene Atmosphäre erinnern an eine klassische Quatermass Episode. Wobei sich Foran bei seiner Reise nach Tibet auch mit weltlichen Problemen, wie Banditen, herumschlagen muss. Bei den folgenden Alben sind Mumie und Flussmonster eher „bodenständiger“ Natur. Und dass die Mumie im düsteren Schottland umgeht, statt im heimatlichen Ägypten, ist dabei ein origineller Einfall. Wobei das Auftreten der Mohawk Indianer in der letzten Story etwas aus der Zeit gefallen wirkt.

Mit „Paul Foran“ erscheint eine weitere klassische Serie aus den Magazinen Spirou oder Tintin mit einem Helden aus der vermeintlichen „zweiten Reihe“ (siehe auch „Brice Bolt“ oder die Titel in Zack Spezial) und damit verbunden mit einem gewissen nostalgischen Flair. Jordi Bernet setzt das Geschehen in einem realistischen Strich in Szene, wobei sein späterer markanter Zeichenstil hier noch kaum erkennbar ist – ein Frühwerk eben. Die Geschichten sind durchweg spannend und abwechslungsreich angelegt und variieren originell bekannte Schauer- oder SF-Motive. Ein erläuternder Sekundärpart wäre wünschenswert, fehlt aber leider, wie übrigens auch die Seite 27 im letzten Abenteuer, die aus nicht genannten Gründen in diesem Band unterschlagen wurde. Wer es exklusiver haben will: Der Verlag bietet auch eine auf 111 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe mit Schutzumschlag und signiertem Druck. Der abschließende Band 2 kommt, ist aber noch nicht terminiert. (bw)
Paul Foran, Band 1: Die Mumie
Text: José Ramón Larraz
Bilder: Jordi Bernet
152 Seiten in Farbe, Hardcover
All Verlag
29,80 Euro
ISBN: 978-3-96804-371-5