
Inzwischen sind wir in der zehnbändigen „Sammy & Jack“ Gesamtausgabe bei den Jahren 1986 bis 1988 angelangt und damit bei den Alben Nr. 21 bis 24, die in diesem sechsten Band enthalten sind. Zwei davon wurden bereits in späten Fix & Foxi Heften abgedruckt, zwei sind deutsche Erstveröffentlichungen. Los geht’s gleich mit einem Highlight. Denn in „Miss Kay“ soll Jack Attaway endlich die gleichnamige, geheimnisvolle Gangsterbraut dingfest machen, die unterstützt von zwei Senioren-Sidekicks Alkoholschmuggel in großem Stil betreibt (wir befinden uns ja bekanntlich im Chicago der 1930er Jahre und damit in der Zeit der Prohibition). Und die damit auch dem organisierten Verbrechen längst ein Dorn im Auge ist.
Die Sache hat nur einen gewaltigen Haken, den nur Jacks Partner Sammy kennt – zu seinem eigenen Verdruß: Hinter Miss Kay verbirgt sich Jacks Mutter, die als resolut rüstige Rentnerin die Unterwelt aufmischt – zum finanziellen Wohle ihre Sohnes, der davon freilich keine Ahnung hat. Dieses für Sammy unauflösbare Dilemma speist dann auch etliche Gags in der Story, die zudem von zwei historischen Persönlichkeiten bereichert wird, die auf den entgegengesetzten Seiten von Recht und Gesetz stehen: Eliot Ness, der gut ein Jahr nach dem Erscheinen dieser Geschichte im Kino in „Die Unbestechlichen“ von Kevin Coster verkörpert wird, und Gangsterboss Al Capone (im gleichen Film charismatisch böse von Robert De Niro verkörpert).

Die Folge-Story, „Der Mann aus dem Jenseits“, ist dann völlig anders geartet, mit einem phantastischen Touch versehen und zeugt damit auch von der Originalität und Vielseitigkeit, die Autor Raoul Cauvin auszeichnete: Ein gewisser Samuel Ranson beauftragt unsere beiden „Gorillas“ Sammy und Jack, altes Unrecht wiedergutzumachen. Das Problem dabei: Ranson ist bereits 1796 verstorben und nun als ständig klapperndes Gerippe aus dem Grab gestiegen, um anfangs vermummt (und an den Unsichtbaren erinnernd) und dann Schrecken verbreitend mit Sammy und Jack als „Meinungsverstärker“ aufzutreten. Was die Besatzung einer geheimen Militärbasis aus erster Hand und mit viel actionreichem Geballer zu spüren bekommt.
Auch das dritte Album in dieser Integral-Ausgabe beinhaltet eine Geschichte mit einem zentralen Motiv. In „Die Diva“ (hier erstmals auf Deutsch) engagiert die berühmte und attraktive Sängerin Sandra Harvey Sammy und Jack als Bodyguards, um die überaus lästige Presse und unerwünschte Verehrer fernzuhalten. Was so ganz und gar nicht funktionieren will: Sensations-hungrige Reporter lauern in jedem möglichen (und unmöglichen) Winkel, Heiratsanträge stapeln sich, bis auch Sammy und Jack der Diva zu verfallen drohen, woraufhin diese eine drastische Maßnahme ergreift. Im Prinzip besteht die Story aus nur dem einen Gag, den Cauvin ständig virtuos variiert, in dem Sandra Harvey ohne Unterlass aufgelauert wird. Bis sie schließlich alle überrascht.

Die letzte Geschichte des Integral-Bandes – auch eine Deutsche Erstveröffentlichung – heißt „Rififi in den Wolken“. Gangster sabotieren auf Geheiß eines Mr. Reagan den Bau eines Wolkenkratzers, schießen immer wieder auf die Arbeiter. Deren Chef sucht deshalb Hilfe bei Sammy und Jack. Die sollen getarnt als normale Arbeiter den Baufortschritt sichern. Dabei stellt sich gleich ein Problem. Man baut aktuell die 42. Etage und Jack ist nicht schwindelfrei, weshalb er kurzerhand und vorübergehend Sammy zum Chef erklärt. Doch auch Reagan lässt sich nicht lumpen und bedroht die beiden massiv. Auch hier gibt es Action in luftiger Höhe, die Sammy halbwegs souverän meistert und diverse Running Gags (die „Amtsübernahme“ von Sammy, der stets hüstelnde Reagan).
Stammzeichner der Reihe ist Arthur Berckmans, der sich Berck nannte und der 2020 verstorben ist (Cauvin überlebte ihn nur acht Monate). Er gestaltet Sammy und Jack im Funny-Stil, wunderbar elegant, ohne Ecken und Kanten, wobei der Inhalt trotz Gags und Klamauk auch erwachsenere Töne präsentiert. Berck arbeitet historisch äußerst akkurat und füllt seine Panels immer wieder opulent aus. Ansichten des im Bau befindlichen Wolkenkratzers oder die Theater-Szenen mit der Diva stecken so voller Details. Furiose Baller-Orgien gehören ebenso zu den Geschichten wie die optisch umgesetzten Running Gags von Cauvin (Sammy mit seinen Beruhigungspillen und seine wunderbare Mimik dabei!), wobei die Story bei den abwechslungsreichen Settings und Motiven stets im Blick bleibt.

Zu jeder Geschichte werden diverse Erläuterungen vorangestellt, inklusive Werbung für die Serie und passende, zeitgenössische Cover des Spirou Magazins (bzw. Robbedoes auf Flämisch). Dazu gibt es wieder zusätzliche Comicseiten und einen gewohnt umfangreichen Sekundärpart, der sich erneut dem Werk von Berck widmet, mit etlichen Abbildungen – insgesamt über 40 Seiten! Wie gehabt stellt der Verlag für Sammler auch eine auf nur 99 Stück limitierte Vorzugsausgabe mit alternativem Cover und Exlibris zur Verfügung (siehe links). Auch Band 6 präsentiert sich somit als würdiger Teil dieser mustergültigen Gesamtausgabe, die wirklich keine Wünsche offen lässt. (bw)
Sammy & Jack, Integral Band 6
Text & Story: Raoul Cauvin
Bilder: Berck
272 Seiten in Farbe, Hardcover
Kult Comics
39 Euro
ISBN: 978-3-96430-256-4