
Herrscherdynastien haben so ihre Tücken: nachdem Odin sich eher als Wanderer versteht und Thor das Zeitliche gesegnet hat, schaut man bei den Asen in Richtung Thors Sohn Magni. Vor allem seine Mutter Amora, besser bekannt als Enchantress, möchte den Sprössling allzu gerne auf dem Thron sehen, nicht zuletzt um ihre Ränkespiele besser spinnen zu können. Magni hat mit dem seligen Herrn Vater allerdings recht wenig am Hut und lehnt die Macht des Donnergottes ab. Ganz anders Lord Ulik, der Chef der Höhlentrolle, der tief unter Asgards Hallen haust und in Gestalt von Tanarus schon einmal kurzzeitig den Donnerhammer schwang. Enchantress wittert eine Chance, verwandelt Ulik wieder in seine göttliche Form und setzt einen listigen Hilferuf in Richtung Magni ab. Die große Konfrontation geht allerdings gänzlich anders aus, als die verschlagene Dame sich das vorstellt…
Zurück auf der Erde sitzt Sigurd Jarlson in Haft – immerhin ist er eher ruppig gegen die Angreifer vorgegangen, die ihm im Dienste der Sons of the Serpent ans Leder wollten. Da taucht ein gewitzter Anwalt auf, der dem Schweden kurzerhand aus der Patsche hilft und in eine Limo bugsiert, wo der Auftraggeber wartet: niemand anders als Don Blake, mittlerweile böses Alter Ego des Donnergotts, hat seine ganz eigenen Pläne für Herrn Jarlson. Der staunt nicht schlecht, als er nach kurzer Bewusstlosigkeit in einem Terrarium erwacht, in dem der alte Kontrahent King Cobra über ihn herfällt und ihm eine Wahl stellt: entweder er kann den angeketteten Wärter vor dem Kroppzeug retten oder gegen Cobra antreten. Aber Sigurd wäre nicht Sigurd, wenn er sich nicht auch hier handgreiflich durchsetzt…
Weiter geht’s im furiosen Donnergott-Reboot aus der Feder von Al Ewing, in der die Menschen nicht mehr wissen, dass die Götter real sind, Asgard in Ruinen liegt, Thor tot ist und ein schwedischer Hüne namens Sigurd einen Hammer aus dem Baumarkt an einem Gummiband schwingt. Die erste Episode wirkt dabei eher eingestreut und verlangt dem Leser einiges an Kenntnis der Donnerhistorie ab: Thors Sohn Magni stammt aus einer Storyline einer alternativen Zukunft, in der Dan Jurgens 2003 Thor zum Tyrann über die Erde gemacht hatte, was sein Sohnemann ihm sichtlich nachträgt. Dass Magni am Ende Frieden mit den Trollen schließt und wahre Größe zeigt, schmeckt seiner Frau Mama natürlich gar nicht, steht aber in bester Thor-Manier.

Origineller sind dann schon wieder die weiteren Windungen des Schicksals von Sigurd Jarlson, der unter den wachsamen, aber natürlich unbemerkten Augen von Odin und Loki erst mit dem fiesen Don Blake aneinander rasselt (die gute Inkarnation kennen wir noch aus dem klassischen ersten Auftritt in Journey into Mystery 83 aus dem Jahr 1962) und dann noch mit dem alten Widersacher King Cobra, dem Holländer Klaus Vorhees, der ebenfalls in Journey Into Mystery schon 1963 debutierte und in Folge oft gegen den Donnergott antrat – das allerdings gerne mit seinem Kumpan Mr. Hyde, der sich ganz am Ende dieser Sammlung denn auch die Ehre gibt. So liefern auch die hier zusammengefügten vier Hefte der US-Serie Mortal Thor wieder beste Unterhaltung, die vor allem für Kenner des Donner-Universums geeignet ist, auch wenn der geniale Dreh in den Auftaktepisoden gezielter ausgespielt wurde. Zur vorliegenden Ausgabe gab es in Erlangen 2026 (und noch im Online-Shop) wieder ein Variant zu haben – Band 3 erscheint Ende September. (hb)
Der sterbliche Thor, Band 2
Text & Story: Al Ewing
Bilder: Juann Cabal, Pasqual Ferry
72 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
9,99 Euro
ISBN: 978-3-7416-4680-5