Batman: Gotham by Gaslight (Panini) | Comicleser

Batman: Gotham by Gaslight (Panini)

Juli 24, 2026
Batman: Gotham by Gaslight – Eine Liga für Gerechtigkeit (Panini Comics)

Zustände wie im Wilden Westen: irgendwann Ende des 18. Jahrhunderts fühlen sich illustre Figuren wie Batman, Wonder Woman, Green Lantern und Martian Manhunter magisch zu einem verschlafenen Nest namens Smallville gezogen, offenbar angelockt von der Macht eines Meteors, der ein seltsames grünes Gestein mitgebracht hat. Vor Ort nimmt sie ein Kumpel des trotteligen Sheriffs Clark Kent in Empfang, der sich als kugelsicher und flugfähig herausstellt und aus dem untergegangenen Reiche Krypton zu stammen scheint. Zuerst einmal schlägt man eine Lumpenbande um Harley Quinn und Killer Croc in die Flucht, die für ihren Auftraggeber, den industriellen Lex Luthor, ihrerseits den Meteor stehlen soll.

Dann aber gibt es ordentlich Ärger in den eigenen Reihen: der aufgebrachte Marsianer beschuldigt den Helden mit dem „S“, sein Volk ausgelöscht zu haben, was wohl tatsächlich stimmt: die wissenschaftlich fortschrittlichen Kryptonier zerstörten ihren Planeten, als sie aus überzogenem Wissensdurst die Paralleldimension Netherworld öffneten. Um neuen Lebensraum zu erschließen, verfiel man auf den Mars, der in einem gewaltigen Genozid entvölkert wurde. Kal-El zeigt sich entsetzt, versichert aber glaubhaft, von diesen Vorgängen nichts zu wissen. Gerade noch rechtzeitig schließt man Waffenstillstand, als Lex Luthor in einem gewaltigen Zug anrückt, der sich in einen Kampfroboter verwandelt und auch die mittlerweile angereiste Reporterin Lois Lane bedroht.

Batman reißt sich im Getümmel den Tresor mit dem Meteor unter den Nagel, der sich als strahlendes Kryptonit herausstellt, während eine gewaltige Explosion Luthor mitsamt Roboter zu vernichten scheint – wobei er allerdings lediglich in die Wüste teleportiert wird, wo die Liga der Schatten von Ra’s al Ghul entsetzt feststellt, dass der Schläfer, den sie Jahrhunderte in Gefangenschaft halten konnten, erwacht: der letzte Überblende von Krypton erhebt sich, und das ist niemand anders als Kal-Els Nemesis Zod…

Mit „Gotham by Gaslight“ (aus der Feder von Mike Mignola und geschrieben von Brian Augustyn) fiel 1989 den Startschuss für das DC Elseworlds Label, in dem getreu dem Motto What If…? alternative Storylines und Konstellationen jenseits des etablierten Kanons ausgebreitet werden konnten. Batman agierte da in einem viktorianischen Setting als eine Art handgreiflicher Sherlock Holmes, ein Grundkonzept, das Andy Diggle und Leandro Fernandez hier in ein Steampunk-getränktes Western-Szenario verlagern. Lex Luthors Hatz nach Kryptonit und der Auftritt von Supermans Erzfeind Zod atmet dabei den Geist der wagnerhaften Zakk Snyder-DCU-Filme, wobei die Grundidee, dass die Kryptonier eigentlich gar keine netten Gesellen waren, auch im letzten Leinwand-Abenteuer von James Gunn durchscheint.

Dabei ruft Diggle mehr oder weniger nicht nur die Justice League, sondern auch die Bat-Family auf: Huntress, Cyborg, Catwoman und Talia al Ghul sind ebenso am Start wie die Golden Age-Ausgaben von Flash (Jay Garrick, den Luthor gefangen hält und an ihm herumexperimentiert, was zu seinen Kräften führt) und Grüne Laterne Alan Scott, die den Ring von Jong Li übernommen hat, der vom gar nicht so angenehmen Martian Manhunter getötet wurde. Dazu wirft Diggle eine Myriade von literarischen und intermedialen Anspielungen: da stellt Batman knurrig fest „Der Detektiv aus der Baker Street hat mich vor Ihnen gewarnt“, der Martian Manhunter dringt in den Gedankenpalast Luthors ein (den ja auch ein gewisser Sherlock Holmes pflegte), und Jay Garrick merkt an „Ich meine, die Chance, dass etwas Mars kommt… nun, ich kann zwar keine Prozente nennen, aber das ist sehr unwahrscheinlich!“ – ein direkter Verweis auf H.G. Wells „War of the Worlds“, wo ein Wissenschaftler froh behauptet „The chances of anything coming from Mars are a million to one“.

Mythisch-apokalyptisch wird es dann mit der düstern Warnung über die angeblich toten Kryptonier, „Das ist nicht tot was ewig liegt“ – was das legendäre H.P. Lovecraft-Zitat „That is not dead which can eternal lie, yet with strange aeons even death may die“ erinnert, das jeder ordentliche Mensch vom Cover des epochalen Iron Maiden-Albums „Live After Death“ kennt. Die Idee, dass sich eine Rasse von Wissenschaftlern vor lauter Forscherdrang selbst in den Abgrund stürzt, die wurde uns schon im Schicksal der Krell in „Forbidden Planet“ vorgeführt und ist heute angesichts einer immer kecker werdenden KI brandaktuell. So geht das auf jeder Seite dahin, Lois probiert diverse Namen für den Kryptonier aus („Superlativ Man!“), so dass auch ein wenig Spaß am Start ist (wie auch in Luthors Transformers-artigem Zug).

All diese inhaltliche Vielschichtigkeit soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der wahre Star die Zeichnungen von Leandro Fernandez sind. Purer Steampunk (ein dampfgetriebenes Luftschiff als Batwing!) trifft dynamische Action, bedrohliche Ansichten („kneel before Zod!“, möchte man ausrufen) und wunderbare optisch kongeniale Neuinterpretationen der Golden Age-Charaktere. Somit ein rundum gelungenes Elseworlds-Abenteuer, das im Original die ersten 6 Hefte der Reihe „A League for Justice“ umfasst. Für Sammler gibt es eine auf 222 Exemplare limitierte Hardcover-Ausgabe (mit einem Brian Bolland Cover, links oben) und eine auf 150 Exemplare limitierte Variant-Ausgabe, die es beim Comic Salon Erlangen zu haben gab (rechts). Beides ist noch im Panini Shop erhältlich. (hb)

Batman: Gotham by Gaslight – Eine Liga für Gerechtigkeit
Text: Andy Diggle
Bilder: Leandro Fernandez
344 Seiten in Farbe, Hardcover
Panini Comics
49 Euro

ISBN: 978-3-7416-4878-6

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