Sein Geruch nach dem Regen (Splitter) | Comicleser

Sein Geruch nach dem Regen (Splitter)

Juli 6, 2026
Sein Geruch nach dem Regen (Splitter Verlag)

Cédric ist Junggeselle und Sportlehrer, der seinen Unterricht gerne unkonventionell leitet. Er lebt in der Stadt in einer Mietwohnung. Und er liebt Bergsteigen. Einer Eingebung und einer Zeitungsanzeige folgend kauft er einen Vierbeiner-Welpen, einen Berner Sennenhund. Er nennt den Hund Ubac, nach dem Nordhang eines Berges, der meist im Schatten bleibt (lustige Namensfindung, u.a. mit Verweis auf Blake und Mortimer). Nach und nach krempelt der (noch) kleine Hund Cédrics Leben um. Er verliert seine Wohnung (keine Haustiere erlaubt), eckt im Job an (Hund im Unterricht – nein danke) und lernt Mathilde kennen (die neben Cédric auch Hunde mag). Die beiden werden ein Paar, kaufen sich eine marode Berghütte und genießen das einfache (Hunde-)Leben. Doch auch das ist nicht immer leicht…

Bei seinem Comic-Schaffen beweist José-Luis Munuera immer wieder Vielseitigkeit, indem er zwischen franko-belgischen Klassikern wie Spirou (zuletzt das Zyklotrop Spin-Off in bisher drei Bänden, das bei Carlsen in der Reihe „Spirou präsentiert“ erscheint) und Adaptionen von Literatur-Klassikern pendelt, wie Herman Melvilles „Bartleby der Schreiber“ oder „Der Mann, der Wunder vollbringen konnte“ nach H.G. Wells. Hier adaptiert er nun den gleichnamigen zeitgenössischen Roman von Cédric Sapin-Defour, der – man erkennt es an der Namensgleichheit des Helden mit dem Autor – autobiografisch geprägt ist. Daneben ist der Roman, der im letzten Jahr auch auf Deutsch im Insel Verlag erschienen ist, international erfolgreich.

Sapin-Defour wie auch Munuera beschreiben darin das einzigartige Verhältnis zwischen Mensch und Hund. Wärme, Liebe aber auch Vergänglichkeit (Berner Sennenhunde werden im Schnitt nicht einmal acht Jahre alt) und wie ein einfaches kleines Tierchen den Blick auf die Welt fundamental zu ändern vermag. Dabei lässt Cédric Ubac einfach nur Hund sein und genießt mit ihm, und später auch mit Mathilde die Natur und gibt sich auch mit einfachen oder unvollkommenen Dingen zufrieden – so dauert es gefühlt ewig bis man sich einen Heizkessel leisten kann. Dass es nicht bei einem Hund bleibt ist beinahe selbstverständlich, und dass auch Dramen und traurige Momente dazugehören, ebenso (zwei unterschiedliche Todesfälle, die mit den gleichen Worten betrauert werden).

In seiner Adaption setzt Munuera voll auf Atmosphäre. Immer wieder unterbrechen ganz- oder doppelseitige licht- oder nebeldurchflutete Landschafts-Ansichten das Geschehen und lassen den Protagonisten wie auch den Leser innehalten. Auch wechselt er die Erzählperspektive. So erleben wir ein Kapitel aus Sicht von Ubac (samt originell visualisiertem Geruchssinn) und eines aus der Sicht von Mathilde. Langsam wandelt sich Cédric zum Schriftsteller. Um seine Trauer zu bewältigen, schreibt er ein Buch und nennt es „Sein Geruch nach dem Regen“… Die Graphic Novel ist natürlich bestens geeignet für Hundebesitzer, die sich bestätigt fühlen werden, für alle die sich ernsthaft mit dem Abenteuer Hund beschäftigen, oder die einfach nur ein schöne, herzerwärmende Geschichte aus dem Leben lesen möchten. (bw)

Sein Geruch nach dem Regen
Text & Story: José-Luis Munuera, nach Cédric Sapin-Defour
Bilder: José-Luis Munuera, Sedyas (Farben)
136 Seiten in Farbe, Hardcover
Splitter Verlag
25 Euro

ISBN: 978-3-98721-447-9

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