Phantom – Die Heiner Bade Collection 1 (Comics & Mehr) | Comicleser

Phantom – Die Heiner Bade Collection 1 (Comics & Mehr)

Juni 29, 2026
Phantom – Die Heiner Bade Collection, Band 1 (Edition Comics & Mehr)

Erstaunlich sind manchmal die Geschicke, die eine populäre Figur nimmt – so auch der allseits beliebte wandelnde Geist, der bekanntlich aus der Feder von Lee Falk stammt, der die Abenteuer des maskierten Dschungel-Helden bis 1999 inszenierte. Hierzulande nahezu unbekannt blieb nämlich der nicht unerhebliche Beitrag, den der deutsche Zeichner Heiner Bade zum Phantom-Universum leistete: sage und schreibe 91 Geschichten um den wandelnden Geist zeichnete Bade, der sich 1970 aus Hamburg nach Schweden abgesetzt hatte, um dem Wehrdient zu entgehen. In Schweden fasste Bade als Zeichner rasch Fuß und konnte für das Magazin Fantomen ab 1975 in Zusammenarbeit mit verschiedenen Autoren regelmäßig seine Version des Geistes liefern, da das Magazin die Zeitungsstrips von Falk zu schnell veröffentlichte und daher eigenes, lizenziertes Material benötigte.

Diese optisch oft spektakulären Werke wurden zwar in diverse Sprachen übersetzt, fanden ihren Weg aber niemals in die deutschen Hefte des Bastei-Verlags. So ist es mehr als lobenswert, dass in der Edition Comics & Mehr nun eine ganze Kollektion von Bades Werken erscheint, die die Figur – erstmals unzensiert – in einem modernen, fulminanten Licht erscheinen lassen. Den Auftakt machen die beiden Storys „Der weiße Elefant“ von 2008 und „Der Geisterpirat“ von 1987, die jeweils durchaus andere Facetten aufrufen. Die Elefant-Story aus der Feder von Claes Reimerthi liefert eine deutliche Hommage an einen Klassiker der Weltliteratur: der Großwildjäger Melville wird nach 10 Jahren aus der Haft entlassen, die er sich für Wilderei und sonstige Misstaten eingehandelt hat. Sein einziger Gedanke: er will den großen weißen Elefanten, wegen dem er sein Bein verloren hat, zur Strecke bringen.

In Bengalla nimmt er mit einer bunten Truppe von Glücksrittern die Spur auf, aber natürlich stellt sich Phantom in den Weg der Wilderer. Als die Lumpensöhne auch noch die Tochter eines Stammeshäuptlings der Butu entführen und auch Phantom gefangen nehmen, tritt tatsächlich der legendäre „Alte Weiße“ die Dschungelszene… Dass bei dieser Erzählung Moby Dick Pate stand, das sollte wenig überraschen, spannend ist insbesondere die Charakterisierung von Melville, der nicht als eindimensionaler Schurke daherkommt, sondern als Getriebener, der einen gewissen Ehrenkodex hat und die wütende Ballerei seiner Truppe ablehnt. Mit dem Motiv eines versteckten Elefantenfriedhofs schauen auch die hübschen Johnny Weissmüller-Tarzans vorbei.

Star sind aber natürlich die Zeichnungen, Bade brilliert hier in dynamischen, atemberaubenden Szenen der angreifenden Tiere, Phantoms Angriffen und vor allem auch der durchaus freizügigen Darstellungen der Damenwelt – seine Arbeit bei den St. Pauli-Nachrichten vor der Flucht aus Deutschland scheint in der unzensierten Version eben doch ein wenig durch. Im „Geisterpirat“ aus der Feder des Briten Donne Avenell bekommt es Phantom dann mit einem handfesten Fluch zu tun: als er moderne Piraten stoppen will, die rücksichtslos vergrabene Schätze suchen, erscheint ihm ein ausgewachsenes Geisterschiff. Die Recherche in der Totenkopfhöhle enthüllt, dass das sechste Phantom im Jahr 1664 einen Piratenkapitän namens Bones aufgrund dessen schrecklicher Verbrechen verfluchte, wie der fliegende Holländer mit seinem Schiff Spectre für immer die sieben Weltmeere heimzusuchen.

Als Phantom wieder auf die modernen Piraten trifft, greift der Geist von Bones wieder ins Geschehen ein… Diese Story atmet in jeder Sekunde den Geist (sic) der Horror-Comics vom Schlage House of Mystery, in denen auch Batman in den 70ern weiter weg vom Spaß-Image der 60er gerückt wurde und diverse Unheimliche Fälle erlebte. Standesgemäß löst Phantom am Ende den Fluch, immerhin zeigt sich auch Bones als nicht gänzlich böse, sondern reuig ob seiner Taten, was unseren Helden fragend zurücklässt: „Habe ich jetzt alles nur geträumt wegen des Schlages auf meinen Kopf? Oder war dieser Geist real? Die volle Wahrheit werde ich wohl nie erfahren.“ Seltsam, aber so steht es geschrieben, möchte man ausrufen, irgendwie hätte das ganze eben doch bestens in den Bastei-Verlag gepasst. Zeichnerisch beeindruckt Bade auch hier wieder, von den James-Bond-Hommagen in den Tauchszenen bis hin zu den furchteinflößenden Ansichten des Geisterschiffs, das nur Phantom sehen kann.

Auch im Gesamtpaket kommt der Freund des wandelnden Geistes voll auf seine Kosten, von Pferd Hero und Hund Devil bis hin zum legendären Totenkopf-Ring, der Gegnern im wahrsten Sinne Phantoms Stempel aufdrückt, ist alles geboten – sogar als Dreingabe eine Risszeichnung der Totenkopf-Höhle, so etwas kennen wir ja noch aus den Postern der Bat-Höhle, die es im Supie-Shop für die Sammelmarken gab. Der vorliegende Band erscheint bei Edition Comics & Mehr als hochwertiges Hardcover mit einem informativen Vorwort auf 72 Seiten. Eine ebenfalls produzierte Vorzugsausgabe (siehe Cover links) ist bereits verlagsvergriffen. Freuen dürfen wir uns schon auf weitere fünf Alben, die ebenfalls jeweils zwei Stories in neu erstellten digitalen Vorlagen komplett in Farbe bringen werden, darunter dem Vernehmen nach auch die legendäre „Ku Klux Klan“-Geschichte. Wir sind gespannt. (bw)

Phantom – Die Heiner Bade Collection, Band 1
Text: Claes Reimerthi, Donne Avenell
Bilder: Heiner Bade
72 Seiten in Farbe, Hardcover
Edition Comics & Mehr
22 Euro

ISBN: 978-3-912447-01-9

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