Gilles McCabe (MarGravio) | Comicleser

Gilles McCabe (MarGravio)

April 8, 2026
Gilles McCabe und die kaltblütigen Mordfälle (MarGravio Verlag)

Kann es wirklich sein? Geht er wieder um? Zehn Jahre nach der berühmt berüchtigten Mordserie im Londoner Stadtteil Whitechapel geschehen dort wieder Morde an Prostituierten, die an jene erinnern, für die seinerzeit ein gewisser Jack the Ripper verantwortlich war. Der bekanntlich nie gefasst und dessen Identität nie geklärt wurde. Auch jetzt werden die Opfer grausam verstümmelt gefunden. Organe fehlen.

Schnell stellen Inspektor Gilles McCabe und seine Sidekick, Wachtmeister Jack O’Leary, die in dem Fall ermitteln, fest, dass die Opfer schwanger waren, weshalb sie bald einen Arzt ins Visier nehmen, der Abtreibungen bei den Prostituierten des Viertels vornimmt. Aber noch fehlen die Beweise gegen ihn. Und außerdem scheint es möglich, dass der Arzt nicht alleine vorgeht und Komplizen hat. Weshalb man den Verdächtigen beschatten lässt…

Jack the Ripper taugt ja immer. Und da man bis heute nur Vermutungen anstellen kann, wer er war, lassen er und seine Untaten sich gerne in diversen Varianten „benutzen“, so auch im Comic – siehe beispielsweise „Die 1000 Gesichter von Jack the Ripper“, erschienen im All Verlag oder kurios als „Van Helsing vs. Jack the Ripper“ (im Splitter Verlag). Die intensivste Beschäftigung mit Jack the Ripper und dessen Identität lieferten dabei zweifellos Alan Moore und Eddie Campbell in ihrem Epos „From Hell“ ab.

Auch hier in „Gilles McCabe“ deutet vieles auf die Rückkehr der berüchtigten Killers hin, bis dem Inspektor und seinem Wachtmeister Details auffallen, die nicht zur Vorgehensweise des Rippers passen. Weshalb sie sich den übrigens namenlosen Doktor vornehmen, wobei schnell klar wird, dass dieser tatsächlich Dreck am Stecken hat. Nur welcher Art, das ist noch unklar. Dann macht die von Daniel Gizicki verfasste Story unversehens eine steile wie auch mutige Kehrtwende und mischt sich mit einem ganz anderen Genre. Nur so viel: Motive aus der Phantastik nehmen Einzug und verdichten sich.

Der Band, übrigens gleichzeitig die Diplomarbeit von Zeichnerin Barbara Okrasa, ist optisch in einem gänzlich ungewöhnlichen Stil gehalten. Die Zeichnungen kommen stilisiert, skizzenhaft und gerne unvollkommen daher, wobei sie sich auf die Darstellung der Personen und deren Gesichter konzentrieren. Interieurs werden oft nur angedeutet und erscheinen im falschen Winkel, was dem Geschehen einen expressionistischen Touch gibt (passend dazu die eckig-kantigen Sprechblasen). In die gleiche Kerbe schlagen auch die Farben. Der Band ist weitgehend monochrom gestaltet in einem gelb-grün-braunen Farbton, wobei Rot (natürlich auch durch Blut) einen markanten Akzent setzt. Ob sich Gilles McCabe noch einem weiteren Fall widmet, wie im Schluss angedeutet, werden wir sehen. (bw)

Gilles McCabe und die kaltblütigen Mordfälle
Text & Story: Daniel Gizicki
Bilder: Barbara Okrasa
112 Seiten in Farbe, Softcover
MarGravio Verlag
20 Euro

ISBN: 978-3-910932-32-6

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