H.P. Lovecrafts „Das Unsagbare“ (Carlsen) | Comicleser

H.P. Lovecrafts „Das Unsagbare“ (Carlsen)

März 16, 2026
H.P. Lovecrafts „Das Unsagbare“ und andere Geschichten (Carlsen Manga)

Neue Lovecraft-Adaptionen von Gou Tanabe, diesmal wieder in Form von Kurzgeschichten, deren Kernthema das Träumen ist, die in den Traumlanden spielen oder auch dem Lovecraft’schen Traumzyklus zuzuordnen sind. So wähnt sich der Träumer in „Polaris“ (ein Frühwerk, 1918 entstanden) in der Stadt Olathoë und versagt bei deren Verteidigung gegen die Horden der Inutos. „Der schreckliche alte Mann“, 1920 entstanden, ist ein Einsiedler, den niemand wirklich kennt und den vermeintlich auch niemand vermissen wird. Denken sich drei Gauner und überfallen den Alten in seinem Haus. Ein schrecklicher Fehler. Apropos Haus: Markant und scheinbar unerreichbar ragt „Das seltsame Haus hoch oben im Nebel“ (1926 verfasst) am äußersten Rand einer Klippe. Niemand weiß, wann es gebaut wurde oder wer dort wohnt. Thomas Olney versucht das Geheimnis zu lösen und gerät in einen Alptraum.

Die folgenden drei bzw. vier Geschichten bauen auch aufeinander auf, nicht nur weil sie mit Randolph Carter denselben Protagonisten präsentieren. „Die Aussage des Randolph Carter“ ist eine Rückblende. Carters Freund Harley Warren will das Unsagbare erforschen und erkundet deshalb die Gänge unterhalb eines Grabes. Jetzt folgt „Das Unsagbare“, die titelgebende Story, die Lovecraft 1923 schrieb: ein Friedhof in Arkham. Hier philosophieren Carter und sein Freund Joel Manton über das Unsagbare – garniert mit Schauergeschichten – nur um ihm dann zu begegnen. In dem Zweiteiler „Der silberne Schlüssel“ von 1926 ist Carter dann scheinbar spurlos verschwunden. Hat er seine Träume wiedergefunden und ist darin aufgegangen? Eingerahmt wird der Band von zwei kurzen, farbigen Alpträumen: „An einen Träumer“, das zu Beginn steht und das Fragment „Azathoth“, 1922 begonnen, das den Band dann beschließt.

In detailreichen Wimmelbildern, in denen man versucht, monströse Strukturen zu erkennen, verpackt und verschleiert Gou Tanabe erfolgreich das „Unsagbare“, das nicht endgültig definiert wird. Es bleibt diffus, unbeschreibbar, unbegreiflich und nicht körperlich, manifestiert sich dann aber doch ab und an in unserer Welt. Mit teilweise fatalen oder zumindest einschneidenden Folgen für die Menschen, die nach ihm suchen oder ihm begegnen. In alten Spukhäusern, in Gräbern lauert es, uralte Schriften verweisen darauf. Gou Tanabe setzt die Geschichten in dem Band gewohnt in Szene: spannend und gruselig, v.a. in „Die Aussage des Randolph Carter“. Dann ist es oft finster, die Vegetation scheint zu pulsieren und schlängelt sich wie Tentakel über Gräber. Randoph Carter als Figur ist schwer zu fassen, bis er ganz verschwindet und mit ihm vielleicht auch das Geheimnis um das Unsagbare. (bw)

H.P. Lovecrafts „Das Unsagbare“
Text & Bilder: Gou Tanabe
276 Seiten in Schwarz-Weiß & Farbe, Softcover
Carlsen Verlag
20 Euro

ISBN: 978-3-551-80761-8

Tags: , , , , , , , , ,

Comments are closed.