Das Mädchen mit den blauen Augen (Splitter)

August 5, 2022
Das Mädchen mit den blauen Augen (Splitter Verlag)

Dezember 1980, einen Tag vor Heiligabend. Über dem französischen Juragebirge stürzt eine Passagiermaschine der Turkish Airlines ab. Es scheint keine Überlebende zu geben. Dann das Wunder: im Schnee, nahe des Wracks wird ein Baby gefunden, ein Mädchen. Als einzige Überlebende des Unglücks. Bald wird klar: Das Kind ist die Enkeltochter von Léonce de Carville, einem reichen und mächtigen Industriemagnaten. Bis sich die Familie Vitral meldet, Frittenverkäufer aus Dieppe, die das Kind ebenfalls als deren Enkelin identifizieren. Nun beginnt ein medial ausgebreiteter Streit um das Baby, der in einem Gerichtsurteil sein vorläufiges Ende findet. Doch die unterlegene Seite gibt nicht auf und engagiert den Privatdetektiv Crédule Grand-Duc, der den Fall erneut aufrollt, der schließlich geschlagene 18 Jahre ermittelt und der auch durch seine Hartnäckigkeit immer wieder Erstaunliches zu Tage fördern wird…

So linear, wie man bei der obigen Zusammenfassung glauben mag, wird die Geschichte nicht erzählt. Sie beginnt mit dem Absturz und wird zur Volljährigkeit des Mädchens, das die Presse damals als „Libelle“ benannte, fortgesetzt. Wir sehen den offenbar desillusionierten Privatdetektiv, der Selbstmord begehen will und dabei eine überraschende Entdeckung macht. In der Folge wechseln sich Rückblenden ab, die das Geschehen und den Streit um das Kind schildern, begleitet von den Aufzeichnungen des Detektivs, die dieser an das volljährige Mädchen geschickt hat. Unterbrochen werden die Rückblenden von dem aktuellen Geschehen, das sich nicht minder spektakulär entwickelt. Mit vielen Wendungen, Überraschungen, Perspektiv-Wechseln und neuen Zusammenhängen, die die Aufzeichnungen des Detektivs nach und nach enthüllen und die in der Gegenwart in den richtigen Kontext gesetzt werden.

Ihr merkt, wir wollen hier nichts verraten, was den Lesespaß und v.a. die Spannung auch nur annähernd beeinträchtigen könnte. Daher keine Spoiler und wenig Zusammenhänge. Nur eins: lest selbst. Der Band wurde von Fred Duval geschrieben, von dem Splitter bereits einige Titel und Reihen veröffentlicht, u.a. „Nevada“ mit Colin Wilson. Duval adaptiert hier einen Roman des Schriftstellers Michel Bussi (im Original „Un avion sans elle“). Nicht zum ersten Mal. Schon bei „Schwarze Seerosen“ hatte Duval ein feines Gespür für eine schwierige Adaption, die er meisterlich mit einem wunderbaren Twist präsentierte. Hier ist es ähnlich. Ständig neue Details und der Bericht des Detektivs halten Leser und Leserinnen dauerhaft auf Trab. Eingebettet in eine interessante gesellschaftliche Konstellation zweier Familien. Die eine reich, die kein Nein akzeptieren mag, die andere weniger gut betucht, bei der Leidenschaft das Geld ersetzt. Hier eine hinterbliebene Tochter, dort ein hinterbliebener Bruder. Mit den Zeichnungen des gebürtigen Brasilianers Nicolaï Pinheiro, die sich gerne auf die starken Charaktere konzentrieren, entfaltet sich so ein wahrer Pageturner, der Leser und Leserinnen von der ersten Seite an in seinen Bann zieht. (bw)

Das Mädchen mit den blauen Augen
Text: Fred Duval, nach dem Roman von Michel Bussi
Zeichnungen: Nicolaï Pinheiro
176 Seiten, Hardcover
Splitter Verlag
35 Euro

ISBN: 978-3-96792-299-8

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