Doktor Radar, Band 3 (Zack Edition) | Comicleser

Doktor Radar, Band 3 (Zack Edition)

Oktober 30, 2026
Doktor Radar, Band 3: Tod in Venedig (Zack Edition)

Nach Rom, Mailand und Turin im letzten Band sind Detektiv Ferdinand Straub, sein Helfer Pascin, ein Maler und Lebemann, der auch für heitere Momente sorgt, und natürlich auch Erzschurke Doktor Radar in Venedig angelangt. Radar ist noch immer scharf auf die wissenschaftlichen Aufzeichnungen von Professor Bene, um den Weltraum zu erobern und damit auch die Erde zu beherrschen. Um an die Papiere zu kommen, lässt er die Lagunenstadt wahllos von einem Doppeldecker aus beschießen und Diplomaten ermorden. Eine große Katastrophe kann Straub gerade noch vermeiden, doch bald erfahren er und seine Mitstreiter, dass Doktor Radar viel näher an der Verwirklichung seiner Allmachtsphantasien ist als gedacht…

Ganz klar: wer sich für Filmgeschichte interessiert oder alte Filme mag, richtig alte Filme – nämlich die aus der Stummfilmzeit – bekommt hier von Autor Noël Simsolo und Zeichner Frédéric Bézian einen echten Mehrwert kredenzt. Denn die Verweise und Vorbilder dieser dreiteiligen Reihe sind klar verortet, wie auch deren Optik. Zuerst die Hauptakteure: Ferdinand Straub ist ein bekannter Gentleman-Detektiv. Der Star dieses Berufszweigs ist zwar Sherlock Holmes, die Vorbilder finden sich aber auch in den zeitlich passenden deutschen Filmreihen (die Story spielt 1920) um die Detektive Stuart Webbs oder Joe Deebs, beide in den 1910er Jahren von Regisseur Joe May erdacht. Wird es spektakulär, erinnern das Geschehen und die Stunts an Sensationsfilme von und mit Harry Piel und an die Tradition der Kino-Serials.

Straubs Antagonist ist der titelgebende Doktor Radar, ein nicht greifbarer Erzbösewicht mit Weltmachtphantasien, der aufgrund seiner unheimlichen und bestimmten Auftritte, anfangs gerne in Verkleidung und Maske, natürlich an die beiden Verbrecherkönige Fantomas und Doktor Mabuse erinnert. Fantomas bekam sein erstes Serial bereits 1913 spendiert, während die beiden stummen Mabuse Filme von Fritz Lang 1922 entstanden (wobei die Verfolgungsjagd gegen Ende von Band 1, die Allee entlang, direkt das Finale des Mabuse Tonfilms von 1933 zitiert). Doktor Radar reist zuerst mit einem Zirkus, ähnlich einem anderen berühmten deutschen Stummfilmdoktor, der als fahrender Schausteller einen Somnambulen präsentierte und daneben sein Unwesen trieb. Und den mörderischen Orang-Utan in Band 2 kennen wir aus Poes „Murders in the Rue Morgue“ (auch dort ermittelt ein Gentleman-Detektiv) – Iron Maiden können ein Lied davon singen…

Für den wunderbaren wie außergewöhnlichen Look der Reihe sorgt Zeichner Frédéric Bézian, von dem bei uns lange nichts erschien und der älteren Comiclesern noch durch seine drei Adam Sarlech Bände ein Begriff sein mag, die bei Carlsen und bei Feest veröffentlicht wurden. Was auch schon über dreißig Jahre her ist – damals war Bézian sogar zu Gast auf dem Comicsalon in Erlangen. Der „Doktor Radar“ Dreiteiler ist ebenfalls nicht neu, entstand aber immerhin erst zwischen 2014 und 2021. Bézian legt seine Zeichnungen im expressionistischen Stil an, der ab 1920 auch im Deutschen Film Einzug fand. Schon die Gesichter seiner Figuren sind überzeichnet und erinnern immer wieder grimassenhaft an Caligari, Nosferatu & Co. Das komplette Dekor – Gebäude, Straßenszenen und Räume – ist expressionistisch angelegt. Dazu gesellt sich ein cleverer Einsatz von Lichteffekten und viragierte Szenen, wie man sie aus Stummfilmen kennt. All das gibt ein wunderbares Gesamtbild, das Bézian mit seinem fein-nervösen und dynamischen Strich über die drei Alben erschafft.

In abschließenden Band werden die Sensationen noch größer und spektakulärer. Doktor Radar, der ganz Schurken-like über schier unerschöpfliche (Geld)Mittel zu verfügen scheint, nimmt ganz Venedig in seinen Würgegriff, geht dabei natürlich wieder über Leichen und verschwindet per U-Boot, das durch die Kanäle der Stadt taucht. Dann, als es Richtung großes Finale geht und das stets spannende Katz- und Mausspiel auf seinen Höhepunkt zusteuert, kredenzen uns Simsolo und Bézian noch Science-Fiction Elemente. Fritz Lang hätte seine helle Freude daran. Eingebunden ist die Story des letzten Bandes in eine historische Kuriosität – den kurzlebigen Freistaat Fiume im heutigen Kroatien – und selbst Mussolini hat einen Auftritt. Wie auch seine Vorgänger ist auch dieser Band in einer auf nur 99 Exemplare limitierten Vorzugsausgabe (siehe Cover rechts) mit alternativem Cover und signiertem Druck erhältlich. (bw)

Doktor Radar, Band 3: Tod in Venedig
Text & Story: Noël Simsolo
Bilder: Frédéric Bézian
64 Seiten in Farbe, Hardcover
Blattgold GmbH / Zack Edition
22 Euro

ISBN: 978-3-949987-20-5

Tags: , , , , , , , , ,

Comments are closed.