Mimi’s Tales of Terror (Carlsen) | Comicleser

Mimi’s Tales of Terror (Carlsen)

September 28, 2026
Mimi’s Tales of Terror – Der Horror nebenan (Carlsen Manga)

Eine alte Frau, die gespenstisch und mitten im Regen auf einem Strommast balanciert. Eine seltsame Nachbarin, die stets schweigt und ganz in schwarz gekleidet ist – nicht ohne Grund. Eine Erhängte im Wald, aus der „Dinge“ fallen, die man hört, aber nicht sieht. Grabsteine, die nachts von einem halbnackt posierenden Bodybuilder (!) verdreht werden – als sein morbides Publikum. All das klingt schräg und abseitig und damit natürlich nach einem neuen Band von Horror-Chefmangaka Junji Ito.

Der kredenzt uns einmal mehr diverse Kurzgeschichten, manche davon sehr kurz – eher Horror-Augenblicke –, andere dafür umso länger. Die Episoden sind freie Adaptionen von Geschichten aus dem in Japan beliebten Buch „Shin Mimibukuro“, in dem Geister-bzw. Gespenster-Geschichten und moderne Legenden gesammelt sind. Dessen Autoren bzw. Herausgeber Hirokatsu Kihara und Ichiro Nakayama werden dann entsprechend auch auf dem Cover genannt.

Neun Storys beinhaltet der Band, dazu ein in Comic-Form verfasstes Nachwort von Junji Ito. Das Besondere: Die Protagonistin der Geschichten ist (bis auf die letzte) immer die gleiche, nämlich die namensgebende junge Mimi, die hier offenbar stets leidensfähig von einem Horror in den nächsten tappt. So durchlebt sie nach der Bodybuilder/Grabstein Episode mit ihren Freunden eine gruselige Begegnung an einem Badestrand, wonach einer davon ein seltsames Benehmen zeigt („Der Strand“, 34 Seiten). Mimi ist zu Besuch bei ihrer Familie. Die hat vorübergehen ein Mädchen aufgenommen, das nicht allein sein will. Aus Gründen, die anschließend höchst gruselig erklärt und nicht minder gelungen visualisiert werden, inklusive eskalierender Austreibung („Zweisam“, 34 Seiten).

„Der rote Kreis“ (30 Seiten): Misa, eine Freundin Mimis, führt sie zu einem verborgenen Raum, an dessen Wand ein roter Kreis ist. Der wird mit dem Verschwinden von Menschen immer kräftiger. Und auch größer, was Mimi bald schmerzlich selbst erfahren muss. Wie bereits erwähnt kommt nur die abschließende Episode „Die Geisterpuppe“ ohne Mimi aus (was Ito in einem zweiten Nachwort erklärt): Sakurai ist neu in der Event-Agentur, die sich auf Gruseliges spezialisiert hat.

Für ein Projekt in einem Themenpark hat sie eine Idee, die auf einer tatsächlichen Begegnung in ihrer Kindheit basiert. Die Idee wird tatsächlich umgesetzt, allerdings gerät das Horror-Gimmick realistischer als beabsichtigt… Ein schöner Abschluss, der natürlich einmal mehr Interpretations-Spielraum bietet. Inklusive zweier prachtvoll kolorierter Farbseiten. „Mimi’s Tales of Terror“ ist bereits der 21. Band in der Junji Ito Deluxe-Edition, die gewohnheitsmäßig im Hardcover-Format daherkommt. (bw)

Mimi’s Tales of Terror – Der Horror nebenan
Text & Bilder: Junji Ito
230 Seiten in Schwarz-Weiß, Hardcover
Carlsen Verlag
18 Euro

ISBN: 978-3-551-80943-8

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