
Mysteriöses geschieht in London und in der Nordsee. Doch während dies in der britischen Metropole im Geheimen vor sich geht, beschäftigen die unerklärlichen Ereignisse in der Nordsee ganz Europa. Fischkutter, deren Besatzungen tot auf Deck gefunden werden, Massenfischsterben, leuchtende Objekte, die ins Meer gestürzt sein sollen. Und ein Tsunami. Womit wir zu Mortimer kommen. Der forscht gerade an der Ostküste Schottlands, als der Tsumani den Küstenort verwüstet und er gerade noch so davon kommt. Um die seltsamen wie gefährlichen Vorgänge aufzuklären, reisen er und sein Freund, Captain Francis Blake, Chef der britischen Spionageabwehr, zum vermuteten Zentrum der Vorkommnisse in der Nordsee. Dort entdecken sie zuerst das Forschungsschiff von Doktor Großgrabenstein und dann noch etwas, das ihnen den Atem verschlägt.
Und das ist kein Geheimnis, siehe den Titel des aktuellen Blake und Mortimer Bandes mit der Nummer 28. Die Geschichte nimmt damit direkten Bezug auf einen Klassiker der Serie, geschrieben und gezeichnet von ihrem Schöpfer Edgar P. Jacobs. „Das Geheimnis von Atlantis“ erschien 1957 und entführt unsere beiden Helden in die verborgene, weil unterirdische Welt jenes Reiches, das Platon einst beschrieb. Hier nun entdecken Blake und Mortimer in den Tiefen der Nordsee eine riesige Maschine, die im Design eindeutig den Atlantern zuzuordnen ist. Aber wie ist das möglich, haben die Atlanter doch die Erde am Ende des klassischen Abenteuers verlassen? Schnell wissen die beiden mehr – und damit auch wir, ahnen dabei aber noch nicht, dass von ihrem Handeln bald das Leben von unzähligen Menschen abhängt…
Die Altanter sind also wieder da. Und damit auch die Figuren, die „Das Geheimnis von Atlantis“ erfolgreich bestritten. Die Antagonisten sind die gleichen und deren Vorhaben und Motive ebenso. Was den Band zu einer Mischung macht, einerseits zur Fortsetzung des Klassikers und zur veritablen Hommage (der als Band Band 7 der Softcover-Reihe bei Carlsen erhältlich ist), andererseits mit Zügen eines Remakes, da Motive und Schauplätze sich mitunter ähneln oder ausgetauscht sind (die Dschungel-Episode, die unterirdische Stadt, die hier eine auf einer fernen Welt weicht). Auch zu lesen gibt es genug, ganz nach Jacobs-Art: Lang und breit erklären die Figuren wie und warum sie überlebt haben (bei Olrik ist das nicht nötig, der überlebt ja immer irgendwie) und wie es ihnen inzwischen erging.
Der Grund für die erneute Anwesenheit der Atlanter auf der Erde und ihr Tun in der Nordsee wird dabei schlüssig erklärt, das Motiv Magons für sein erneutes Streben nach der Macht bleibt aber eher vage. Der erste Teil des Albums ist spannend erzählt, von den mysteriösen Vorkommnissen bis zum Tsunami (Autor Yves Sente verwendet hier außerdem einige Motive aus dem Freddy Lombard Abenteuer „Der Komet von Karthago“, von Yves Chaland). Danach wird die Story endgültig zur lupenreinen Science Fiction, inkl. einem riskanten Spiel mit der Zeit, das entscheidende Bedeutung hat. Man eilt von Sensation zu Sensation, was die Geschichte auch überfrachtet erscheinen lässt. Zeichner Peter van Dongen, der zuletzt Band 25 („Der letzte Tigerhai“) gestaltete, setzt das Geschehen wieder mit gewohnt klarer Linie und detailliert in Szene. Darauf einen Sherry! (bw)
Die Abenteuer von Blake und Mortimer, Band 28: Die Atlantische Bedrohung
Text & Story: Yves Sente
Bilder: Peter van Dongen
64 Seiten in Farbe, Softcover
Carlsen Verlag
12 Euro
ISBN: 978-3-551-80916-2