
Princetown University, im Kriegsjahr 1943. Hier hält Albert Einstein Vorlesungen und auch Pankratius, Professor und Graf von Rummelsdorf, ist hier tätig. Allerdings in einer anderen, nicht sonderlich ehrenhaften Mission: Er soll für FBI-Chef Hoover nachweisen, dass Einstein mit den Kommunisten sympathisiert und paktiert. Dabei fällt Rummelsdorf auf, dass immer mehr Professoren verschwinden, scheinbar in Richtung New Mexico. Bald wird auch er „Opfer“ dieser unfreiwilligen Versetzung und landet in einem Ort namens Los Alamos, wo in einem streng abgeschirmten Areal etliche bedeutende Wissenschaftler unter der Leitung von Robert Oppenheimer eine neue Waffe entwickeln, die den Krieg schlagartige beenden soll…
Rummelsdorfs Job beim Manhattan-Projekt startet für ihn anders als erhofft. Er forscht vorerst nicht, vielmehr soll er auch hier einen Kollegen bespitzeln: Den Physiker Richard Feynman, der kodierte und damit verdächtige Briefe an seine Frau verschickt. Apropos: Obwohl Blair, die große Liebe des Grafen, im letzten Band tragisch verstarb, spielt sie hier weiter eine wichtige Rolle – als imaginäre (Gesprächs-) Partnerin und Taktgeberin ist sie überall dabei, wobei Rummeldorf noch trauert, stets in sich gekehrt erscheint und ihren Tod scheinbar nie verwinden kann, worauf der Titel des Bandes verweist. Ungefilterte Lebenslust entdeckt er ausgerechnet bei Feynman, obwohl dessen Frau an einer seltenen Form von Tuberkulose unheilbar erkrankt ist.
Die Geschichte des Vierten Bandes baut auch auf historische Persönlichkeiten in Nebenrollen (J. Edgar Hoover, Robert Oppenheimer) und den Physiker und späteren Nobelpreisträger Richard Feynman als Hauptfigur. Feynman ist unangepasst, scherzt gerne und ist immer für Späße zu haben – und wird auch deshalb im Camp kritisch beäugt (sein Talent für das Safeknacken und für das Trommeln ist verbürgt). Die Entwicklung der Bombe steht hier nicht im Vordergrund, vielmehr beschäftigt sich die Story mit Pankratius und seinem schweren Verlust. Und dennoch ist Blair allgegenwärtig, was den Grafen, der inzwischen ergraut ist und damit vertrauter wirkt, nach außen verschroben aussehen lässt, wenn er mit seiner nun imaginären Liebe spricht. Und am Ende fasst Pankratius einen folgenschweren Entschluss, doch der Lauf der Geschichte ist eben nicht vorhersehbar.
Der Band fügt sich nahtlos in die Reihe seiner Vorgänger ein. Es gibt wieder eine kleine wissenschaftliche Abhandlung, diesmal über Uran und dessen Anreicherung und Pankratius wird wieder (Augen-)zeuge einer historischen Begebenheit (natürlich wird der Explosion der ersten Bombe brachial dargestellt, was das Cover bereits erahnen lässt). Zeichnerisch präsentiert David Etien („Die Vier von der Baker Street“, bei Splitter erschienen) wieder seinen semi-realistischen, klaren Stil, bei dem die historischen Personen akkurat getroffen sind. „Die dunklen Jahre“ ist bereits der vierte Rummelsdorf-Band in der Reihe „Spirou präsentiert“. Die ersten drei waren Zyklotrop, dem Erzfeind des Grafen und von Spirou, gewidmet und mit Band 8, der im Dezember erscheint, bekommt auch Steffani ein Solo-Abenteuer spendiert. (bw)
Spirou präsentiert, Band 7: Rummelsdorf (4): Die dunklen Jahre
Text: Béka
Bilder: David Etien
56 Seiten in Farbe, Softcover
Carlsen Verlag
12 Euro
ISBN: 978-3-551-80750-2