
Irgendwo in North Dakota, im Herbst 1801. Noch halten sich die Weißen zurück, was die Besiedlung der nördlichen Great Plains angeht, die ortsansässigen Stämme blieben unter sich, auch wenn man sich mitunter spinnefeind ist, wie die Sioux-Lakota und die Pawnee. Der junge Tokae vom Volk der Lakota geht mit seinem Vater Schneller Hirsch auf die Jagd, als sie beide von einem Rudel Wölfe angegriffen werden. Während der Vater sich der Gefahr stellt, flieht Tokae mit einem Sprung in den kalten Fluss. Später findet er seinen Vater tot wieder und schwört Rache an den Wölfen… Inzwischen sind Prärie und Berge schneebedeckt. Tomaky, der Pawnee-Häuptling, sucht eine neue Frau. Fündig wird er ausgerechnet bei den verfeindeten Lakota. Er entführt Silbermond aus der neuen Ziehfamilie Tokaes. Der macht sich ohne groß nachzudenken auf, die junge Dame zu befreien und begibt nicht nur sich dadurch in größte Gefahr…
Der junge Tokae steht hier im Mittelpunkt der Geschichte(n). Er ist unbeschwert, impulsiv, zwar mutig, aber auch und natürlich von jugendlichem Leichtsinn getrieben – was mitunter eine explosive Mischung ist, handelt Tokae doch gerne auf eigene Faust, ohne Rücksicht auf mögliche Konsequenzen für sich und seine Leute. Natürlich will er sich beweisen und stürzt sich dabei kopfüber und ohne groß die Folgen seines Tuns für sich und andere zu bedenken in gefährliche Situationen. Autor und Zeichner Beniamino Delvecchio, der auch schon an den italienischen Kult-Reihen „Diabolik“ und „Tex“ arbeitete, inzwischen aber auch für den franko-belgischen Markt zeichnet, erzählt die Geschichte um den Jungen in Episoden, die aufeinander aufbauen und in denen Tokae diverse Lektionen für sein Leben lernt oder lernen muss.
Dabei arbeitet der 1969 in Mailand geborene Delvecchio weniger gängige (Indianer-) Klischees ab, sondern streift immer wieder die Kultur und den Alltag der beiden indigenen Völker (die Weißen „eroberten“ und besiedelten North Dakota in großem Maße erst Jahrzehnte später mit dem Bau der Eisenbahn), so verfolgen wir ein Lacrosse Spiel – wieder mit einer Lektion für Tokae – oder die bedachte Entscheidungsfindung des Häuptlings, in die ein Schamane involviert ist. Gegen Ende wird es noch einmal dramatisch, da die Pawnee natürlich auf Rache aus sind und Tokae in ein ungleiches Duell einwilligt. Beniamino Delvecchio gestaltet die Episoden rund um Tokae, die bereits 2004 entstanden sind, in Aquarellfarben – es wird also eher gemalt als gezeichnet. So entstehen opulente, atmosphärische Bilder in einer zumeist winterlichen Landschaft, auch wenn der Druck die Panels etwas verwässert erscheinen lässt. (bw)
Tokae – Der Ruf der Prärie
Text & Bilder: Beniamino Delvecchio
74 Seiten in Farbe, Softcover
MarGravio Verlag
14 Euro
ISBN: 978-3-910932-37-1