
Frank Castle, der Punisher, ist zurück in New York. Und er sucht nach Microchip, einem ehemaligen Mitstreiter, der inzwischen von den Toten zurück ins Leben gebracht wurde und die Seite gewechselt hat. Bei der Suche ist Frank auf sich alleine gestellt, da Henry, ein Hacker und sein junger Helfer, nicht mehr für und mit ihm arbeiten will. Was Frank weiß: Henry ist der Sohn von Jigsaw, alias Billy Russo, einem alten Feind, der indirekt verantwortlich ist für die Ermordung von Franks Familie, wodurch Frank zum Punisher wurde. Was Frank nicht weiß: Auch Jigsaw ist wieder in der Stadt. Er hat sich mit dem ebenfalls entstellten Stuart Clarke, einem Technik-Genie, zusammengetan. Ihr Ziel: Rache am Punisher, und das auf möglichst perfide Art und Weise…
Der Band hat einen Haken, der klar wird, sobald man das Vorwort und dann die ersten Seiten liest: Die Handlung, im Original „In the Blood“ (fünf Hefte) spielt unmittelbar nach dem „Schurken an die Macht“ Event Dark Reign und hat inzwischen 15 Jahre auf dem Buckel. Viele Details – Geschehnisse und Personen, wie deren Werdegang während des Events – müssen erklärt werden, bzw. dürfte nicht mehr jede Leserin und jeder Leser parat haben. Man wird also in eine recht komplexe Vorgeschichte hineingeworfen und muss sich erst zurechtfinden, bzw. orientieren. Gleich zu Beginn erinnern der Punisher mit seinem Flug-Gadget und Henry vor der Monitorwand noch an Batman und Robin. Was sich nach dem ersten Massaker aber schnell einnordet.

Denn dann zieht Frank auf der Suche nach Microchip eine blutige Spur durch die Stadt, nicht ahnend, dass er manipuliert, beobachtet und sogar erwartet wird. Inzwischen sind Vater Jigsaw und Sohn Henry vereint, wenn auch trügerisch. Wieder spielt Autor Rick Remender (längst bekannt für Serien wie „Black Science“, „Deadly Class“, „Low“ und jüngst „Grommets“), der die Story ansonsten hart und humorfrei gestaltet (anders als beispielsweise Garth Ennis in seinem epischen Punisher-Run), in einem Motiv mit der tragischen Familiengeschichte Franks. Dann kommt es natürlich zu einem erwarteten Showdown – feurig explosiv, intensiv und heftig. Mit einem Henry zwischen den Fronten.
Vier der fünf Kapitel des Bandes, der übrigens 2011 bereits einmal innerhalb einer Punisher-Reihe von Panini veröffentlicht wurde, stammen von dem Zeichner Roland Boschi – ein Franzose, der für den US-Markt arbeitet („Ghost Rider“, „X-Men“ u.v.a), das hat man auch nicht oft (Kapitel 3 zeichnete Michele Bertilorenzi). Boschis Stil ist hier sehr realistisch, sein Strich angenehm fein und transportiert die Kampf- und Action-Szenen sehr intensiv. Und die abgestuften Farben von Dan Brown (nicht DER Dan Brown) kommen stimmig daher. Der Band ist wahlweise auch in einer limitierten Hardcover-Fassung (s. rechts) mit Variant-Cover erhältlich. (bw)
Punisher: Blutsverwandt
Text & Story: Rick Remender
Bilder: Roland Boschi, Michele Bertilorenzi, Dan Brown (Farben)
128 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
17 Euro
ISBN: 978-3-7416-4703-1