Dept. H, Band 2 (Skinless Crow) | Comicleser

Dept. H, Band 2 (Skinless Crow)

März 31, 2026
Dept. H, Omnibus 2 (Verlag Skinless Crow)

Rekapitulieren wir kurz Band 1: Dr. Hari Hardy, prominenter Abenteurer und Wissenschaftler, wurde ermordet. In seiner futuristischen Unterwasser-Forschungsstation, in 11.000 Metern Tiefe. Und ausgerechnet seine Tochter Mia, die sich von ihm lossagte und eigentlich als Forensikerin bei Scotland Yard arbeitet, soll und will den Mord aufklären. Der Kreis der Verdächtigen ist klein, nämlich die Besatzung der Station – sechs Männer und eine Frau. Darunter Mias Bruder Raj und Haris bester Freund Roger. Doch ehe Mia vernünftig ermitteln und Beweise sichern kann, erschüttern Explosionen die Station, ganz offenbar Sabotage-Akte. Die das eigene und das Überleben des Teams in den Vordergrund stellen. Weiterer Hintergrund: man forscht fieberhaft nach einem Heilmittel, einen Impfstoff gegen das tödliche, grassierende H-Virus.

Was uns nun zum abschließenden Band 2 bringt: Die Besatzung ist gezwungen, die kollabierende Station zu verlassen, darf aber nicht an die Oberfläche. Man sei einer noch gefährlicheren Variante des H-Virus ausgesetzt worden. So bleibt nur eines übrig: Flucht in das gigantische Höhlensystem, das Hari einst entdeckte und in dem man Luft atmen kann. Doch auch hier lauern Gefahren. Gigantische Gefahren… Dabei schwingt für Mia stets belastend mit, dass jemand aus dem Team ein Mörder oder eine Mörderin sein muss. Immerhin weiß sie inzwischen, dass alle ein Motiv für den Mord an ihrem Vater hatten. Und dann ist ja da noch der vermeintliche Impfstoff, der nicht nur Milliarden wert ist, sondern auch Milliarden Menschenleben retten kann und der deshalb dringend – wie auch immer – an die Oberfläche muss…

Wie schon in Band 1 finden große Teile des Geschehens in Rückblenden statt. Darin wird die Story verdichtet – wir erfahren Hintergründe aus dem Leben und dem Zusammenleben der Charaktere und deren Beziehungen untereinander. So ist ein ehemaliger Söldner, fast eine Ein-Mann-Armee, Mitglied des Teams, oder auch ein Krimineller, der bereits im Knast war. Mias Beziehung zu ihrem Bruder war nie sonderlich eng und auch Roger, Haris Teilhaber und Intimus, hatte Gründe, die Beziehung zu seinem besten Freund abkühlen zu lassen. Und dann natürlich Mia selbst, die nie ein inniges Verhältnis zu ihrem meist abwesenden Forschungs- und Abenteurer-Vater hatte und die deshalb später ganz bewusst einen anderen Weg einschlug.

Bei all diesen Charakter-Studien (bei denen man noch nicht weiß, ob und wie sie der Aufklärung des Verbrechens dienlich sind) vergisst Autor und Zeichner Matt Kindt (seine Frau Sharlene besorgte die Kolorierung) nicht, praktisch dauerhaft eine klaustrophobisch beklemmende Atmosphäre zu erzeugen. Mit der Tiefsee ist eben nicht zu spaßen, denn auch dort hört dich niemand schreien. Dazu kommt das futuristisch anmutende Equipment, seien es die Taucheranzüge, in denen die Personen wie Aliens erscheinen, oder die U-Boote, die ganz speziell designt sind. Und dann sind ja da noch die beiden gigantischen Wesen, die tatsächlich Teil eines Kreislaufs sind, den zuerst nur ein verrückter Wissenschaftler versteht.

In zahlreichen Andeutungen breitet Kindt seine ohnehin fesselnde und intensiv erzählte Story noch aus, indem er das Geschehen im Hintergrund streift. So gibt oder gab es offenbar einen globalen Wettlauf um die Entwicklung tödlicher Viren, die als Waffe einsetzbar sind – mit dem H-Virus als Ergebnis. Dann die beiden Geldgeber und Finanziers von Hari Hardys Arbeit, von denen einer – namens Blake Mortimer (!) -, ein Multimilliardär, am liebsten die vermeintlich verseuchte und unrettbare Erde aufgeben würde, zugunsten der Eroberung des Weltalls. Wie akribisch und detailliert sich Matt Kindt seine (Unterwasser) Welt ausdachte, geht aus den peniblen Beschreibungen der technischen Gerätschaften hervor, wie beispielsweise Rogers Kamera.

Die Optik zeigt wieder den bekannten wie typischen Stil Matt Kindts, den wir bereits aus „Mind MGMT“ oder „Der goldene Rahmen“ kennen: skizzenhaft, dabei dennoch ausdrucksstark und dynamisch. Dazwischen choreographiert er überraschende wie komplexe Panel-Konstruktionen, mit denen er beispielsweise das Innenleben und die Gedanken und Grübeleien Mias verbildlicht. Am Ende – das dürfen wir verraten – kann Mia den Mord an ihrem Vater aufklären. Dabei stellt sich eine andere, fundamentale Frage: lohnt es sich überhaupt die Menschheit zu retten, die bei nächster Gelegenheit sich wieder selbst zu vernichten droht? Und was ist wichtiger: Das Wohl von Vielen oder das von Wenigen? Eine Frage, ein Dilemma, das wir ja bereits aus Star Trek kennen. (bw)

Dept. H, Omnibus 2
Text & Story: Matt Kindt
Bilder: Matt Kindt, Sharlene Kindt (Farben)
344 Seiten in Farbe, Hardcover
Skinless Crow
49,90 Euro

ISBN: 978-3-03963-078-3

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