Salvator Mundi (Knesebeck) | Comicleser

Salvator Mundi (Knesebeck)

Oktober 6, 2026
Salvator Mundi (Knesebeck Verlag)

Gerade mal 15-20 Gemälde werden Leonardo da Vinci zugeschrieben. Manche mit Sicherheit, andere wahrscheinlich (zu Leonardos Zeit war es nicht üblich, Bilder zu signieren). Die „Mona Lisa“ als berühmtestes Gemälde der Welt kennt jeder. „La Bella Principessa“, erst 2011 als echter Leonardo deklariert, was noch immer umstritten ist, kennt dagegen kaum jemand.

Was uns zum „letzten Leonardo“ führt, einem Gemälde namens „Salvator Mundi“ (Erlöser der Welt). Auch hier ist da Vincis Urheberschaft höchst umstritten, die Provenienz des Bildes weitgehend ungeklärt. Dennoch: 2017 wurde es bei Christie’s in New York für 450 Millionen Dollar versteigert, der mit Abstand höchste Preis, der je für ein Gemälde erzielt wurde. Wie kam es dazu?

Die Graphic Novel steigt mit dem „Fund“ des Bildes ein, das 2005 in den USA im Nachlass eines Sammlers auftaucht. Robert Simon, Kunsthistoriker und -händler, kauft das verschmutzte und teilweise übermalte Werk für gerade mal 1.175 Dollar und lässt es von einer renommierten Kunstrestauratorin säubern. Ihr fallen dabei Farbübergänge auf, eine Maltechnik (Sfumato), die so perfekt nur einer beherrschte: Leonardo da Vinci!

Simon zieht mehrere Experten hinzu, die sich aber nicht einig sind. Ja, das Bild entstand zu Leonardos Zeiten, wurde aber möglicherweise von einem seiner Schüler gemalt, bzw. nur teilweise von Leonardo. Zweifel an der Echtheit bleiben so bestehen. Dennoch wird das Bild in der Öffentlichkeit bekannt und 2011 Teil der großen Leonardo Ausstellung in London.

In der Folge will Robert Simon das Bild verkaufen, doch dem Louvre, der National Gallery und dem Vatikan ist der aufgerufene Preis von 180 Millionen Dollar zu viel – alle lehnen ab oder verzichten, auch des Risikos wegen. 2013 zeigt der russische Oligarch und Kunstsammler Rybolowlew Interesse. Er erwirbt das Bild für 130 Millionen Dollar, fühlt sich aber von seinem Agenten betrogen und beauftragt bald Christie’s mit dem Weiterverkauf.

Dort hat man eine geniale Idee: Das Bild soll im Rahmen einer Auktion für moderne Kunst versteigert werden, wo für das bestimmte Klientel – Superreiche mit wenig Ahnung von Kunstgeschichte – die Namen der Künstler mehr zählen als deren Werke. Christie’s bringt eine gigantische PR-Kampagne ins Rollen, die Wirkung zeigt, bis es zu jener Auktion kommt, die gerade mal 19 Minuten dauert, bis 450 Millionen Dollar gezahlt werden für ein Bild, das nur eventuell von Leonardo stammt. Aber wer ist der Käufer? Die Spur, die sich bald bestätigt, führt nach Saudi-Arabien…

Die Autoren (Antoine Vitkine drehte auch eine Doku über das Bild) zeichnen den Weg des Gemäldes ab seiner „Entdeckung“ nach, wobei sie die dokumentarische Erzählweise samt kritischen Blick auf den unregulierten und hoch spekulativen Kunstmarkt immer wieder aufbrechen und nicht belegte Vorgänge schildern, interpretieren oder die Gefühlswelten von Beteiligten visualisieren: so lässt sich der offenbar betrogene Oligarch von einem Hai im Wasser instruieren und wir sehen Kronprinz Mohammed bin Salman live beim Bieten zu.

Später kommt auch die politische Komponente rund um das Bild zum Tragen. Auf höchster Ebene: Bin Salman persönlich übt Druck auf den französischen Präsidenten Macron aus, um durchzusetzen, dass das Bild anlässlich der großen Leonardo Ausstellung neben der Mona Lisa hängt und so quasi als echter Leonardo geadelt wird. Was bekanntlich nicht geklappt hat. Und zum Schluss zeigt Zeichner Éric Liberge, der den Band in seinem gewohnten Schwarz-Grau-Weiß Tönen mit leichten Farbtupfern detailliert inszeniert (wobei er den Salvator Mundi stets als Fotografie in seine Panels integriert), noch einen gewagten Einblick in die Entstehung des Bildes, das seit 2019 niemand mehr zu Gesicht bekam. Fazit in einem Wort: Faszinierend. (bw)

Salvator Mundi
Text: Antoine Vitkine, Sébastien Borgeaud
Bilder: Éric Liberge
96 Seiten in Farbe, Hardcover
Knesebeck Verlag
28 Euro

ISBN: 978-3-98962-093-3

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