
Witchblade erschien bei uns erstmals 1996 im alten Splitter Verlag. Die Serie trug zum damaligen „Heftchen-Boom“ bei, wobei jedes Heft in zwei Varianten veröffentlicht wurde (als Kiosk und Buchhandels-Ausgabe), was nicht selten zu Verwirrung führte. Nach 29 Heften war 1999 Schluss. Dann übernahm der Infinity Verlag die Reihe, wo bis 2008 diverse Serien, Neustarts und Miniserien erschienen, qualitativ schwankend, optisch wie auch inhaltlich. Zwischen 2009 und 2012 veröffentlichte Panini noch sieben Sammelbände. Seitdem ist Ruhe an der Witchblade- (und Darkness-) Front. Jetzt haben sich die Schweizer von Skinless Crow die Lizenz gesichert, die wieder mit einem Neustart beginnt und die in Band 1 die ersten sechs US-Hefte umfasst, die 2024 erschienen, sowie die Nummer ½.
Haupt-Akteurin ist natürlich wieder Sara Pezzini. Die war Elite-Soldatin mit Auslands-Einsätzen und ist jetzt eine taffe und furchtlose Polizistin. Sie arbeitet Undercover – offiziell, um einen Menschenhändler-Ring auszuheben. Ihr eigentliches Ziel dabei ist aber die Aufklärung des Mordes an ihrem Vater, der ebenfalls Polizist war und der offenbar von korrupten Kollegen getötet wurde, als Sara noch ein Kind war. Doch plötzlich und unfreiwillig verändert sich ihr Fokus komplett. Denn während des Showdowns mit den Menschenhändlern bricht das Chaos aus, an dessen Ende Sara plötzlich ein seltsames Amulett am Handgelenk trägt, das offenbar Besitz von ihr ergriffen hat und das ihr u.a. superhelden-ähnliche Kräfte verleiht…
So beginnt der Band. Wir wissen natürlich, dass es sich bei dem Amulett, dem Artefakt, um die Witchblade handelt, die hier übrigens bei Ausgrabungen in Berlin (!) entdeckt wird und die sich seit Ewigkeiten Frauen als „Wirt“ aussucht. Das kennen wir so ähnlich mit dem Symbionten Venom aus dem Marvel Universum. Sara hat natürlich keine Ahnung, was sie da hat, was ihr die Kräfte verleiht und ihre Sinne massiv schärft. Den Begriff „Witchblade“ lernt sie erst viel später kennen. Es ist ihr auch nicht klar, ob sie das Amulett kontrolliert, oder umgekehrt. Die Story wird dabei von zwei Motiven gespeist: einmal das Rätsel um die Witchblade und die dadurch entstehenden Befindlichkeiten Saras. Und einmal ihre verbissene Suche nach den Mördern ihres Vaters, was die Witchblade Szenen immer wieder überlagert.

Damit entsteht eine angenehm komplexe Handlung, deren Fäden sich später kreuzen und auch verschmelzen werden, wobei auch altgediente Serien-Charaktere wie Ian Nottingham und Kenneth Irons nicht fehlen dürfen (übrigens: wer entdeckt das Cameo von Mr. Redford und Mr. Hoffman?). Als Zugabe beinhaltet der Band noch die Story aus Witchblade ½, die die Vergangenheit des Artefakts und auch die Saras beleuchtet. Und zum Schluss gibt’s noch eine massive Variant-Cover-Parade u.a. von Witchblade-Co-Erfinder Marc Silvestri. Der Anfang ist damit gemacht. Und gelungen. In Band 2 werden wir dann auf eine weitere wichtige Figur aus dem Witchblade Universum treffen, die hier schon angeteasert wird. Der Band erscheint übrigens auch in gleich drei Hardcover Varianten zu je 99 Exemplaren (siehe oben), die bereits vergriffen sein dürften. (bw)
Witchblade, Band 1
Text & Story: Marguerite Bennett
Bilder: Giuseppe Cafaro, Ariela Kristantina
198 Seiten in Farbe, Softcover
Skinless Crow
24,50 Euro
ISBN: 978-3-03963-071-4