{"id":9749,"date":"2021-09-07T13:18:19","date_gmt":"2021-09-07T11:18:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9749"},"modified":"2021-09-07T13:22:52","modified_gmt":"2021-09-07T11:22:52","slug":"shangri-la-splitter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=9749","title":{"rendered":"Shangri-La (Splitter)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"288\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Shangri-La_WEB.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9750\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Shangri-La_WEB.jpg 288w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Shangri-La_WEB-216x300.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6ne neue Welt? Weder sch\u00f6n, noch neu. Daf\u00fcr kalt und k\u00fcnstlich. Denn seit die Erde nicht mehr bewohnbar ist \u2013 man hat hier einmal mehr ganze Arbeit geleistet \u2013 leben die verbliebenen Menschen auf einer gigantischen Raumstation, die den immerhin noch blauen Planeten umkreist. Und das schon eine ganze Weile. Die Station, die das Ausmass einer Gro\u00dfstadt umfasst, wurde gebaut von einem Konzern namens Tianzhu Enterprises. Tianzhu beherrscht die Station, sowohl gesellschaftlich, als auch wirtschaftlich und politisch. Der Konzern ist allgegenw\u00e4rtig, greift in jeder Beziehung in das genau getaktete Leben der Bewohner ein. Die hausen in winzigen, waben\u00e4hnlichen Wohnungen, die kaum mehr als Platz zum Schlafen bieten. Ansonsten werden die Menschen mit der neuesten Technik auf Trab gehalten. St\u00e4ndig neue Ger\u00e4te \u2013 wie Handys oder Tablets \u2013 regen per mantraartig wiederholter Werbung zum Konsum an und lenken dabei vom tristen Alltag ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Scott Peon arbeitet direkt f\u00fcr die Konzernleitung. Er soll nicht einordenbare Vorkommnisse in externen Forschungsstationen untersuchen, wo sich jeweils seltsame Explosionen ereigneten. Bald schwant Scott, dass diese offenbar mit einem ehrgeizigen Langzeit-Projekt Tianzhus zusammenh\u00e4ngen: seit 300 Jahren betreibt man auf dem Saturnmond Titan Terraforming, um eine erd\u00e4hnliche Atmosph\u00e4re zu schaffen. Doch damit nicht genug. In einer dortigen Gegend, die man passenderweise Shangri-La nennt, soll eine neue Menschenspezies angesiedelt werden, die man \u201eHomo Stellaris\u201c tauft. Keine Klone o.\u00e4. Vom ersten Atom an soll diese Art praktisch aus dem Nichts neu geschaffen werden. Und dazu m\u00fcssen die Tianzhu Wissenschaftler mit Antimaterie experimentieren, was sich als eine lebensgef\u00e4hrliche und hoch explosive Angelegenheit entpuppt\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Schon der Beginn, den man zuerst noch so gar nicht einzuordnen wei\u00df, deutet an, dass hier storytechnisch ein monumentaler Bogen gespannt wird. Und man wird nicht entt\u00e4uscht. Das Finale ist maximal fulminant, nur um dann wieder \u2013 wie der Anfang \u2013 ganz anders auszuklingen. Dazwischen kreiert Autor und Zeichner Mathieu Bablet mit seiner ersten deutschsprachigen Ver\u00f6ffentlichung eine faszinierende und origin\u00e4re Science Fiction Story, die vielschichtig und vollgepackt ist mit aktuellen und brisanten Themen. Zuerst zeigt er eine eingelullte Gesellschaft, die unter einer \u201esanften\u201c Diktatur, wie es einmal hei\u00dft, gef\u00fchrt wird. Das Konsumverhalten wird unterschwellig gelenkt und soll von der allt\u00e4glichen Tristesse ablenken. Man kauft die neuesten Ger\u00e4te, die eigentlich kein Mensch braucht (Apple-Fans kennen das). Alle tragen die gleiche Kleidung. Die \u201eWohnungen\u201c sind ein Witz und platzsparend in den Zwischenebenen angelegt. Offener Rassismus wird den intelligenten <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1141\" data-type=\"post\" data-id=\"1141\" target=\"_blank\">\u201eTiermenschen\u201c<\/a>, Animoiden genannt, entgegen gebracht, die folglich unter sich bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die im wahrsten Sinne des Wortes geschlossene Gesellschaft bekommt erste Risse. Widerstand formiert sich unter der F\u00fchrung eines mysteri\u00f6sen Mister Sunshine. Man will die Allmacht Tianzhus nicht mehr hinnehmen. Zu der Aktivistengruppe geh\u00f6rt auch Scotts Bruder Virgil. Doch Scott, bisher linientreu, zeigt sich immun f\u00fcr dessen Argumente. Bis diverse Ereignisse und Enth\u00fcllungen seine scheinbar unverr\u00fcckbaren Ansichten in den Grundfesten ersch\u00fcttern\u2026 Der Mensch spielt Gott, macht sich die Sch\u00f6pfung zu eigen. Kann das gutgehen? Und ben\u00f6tigt die Rest-Menschheit, die auf limitiertem Raum zusammenlebt, wirklich eine starke F\u00fchrung, die f\u00fcr sie auch das Denken \u00fcbernimmt? Damit stellt Mathieu Bablet auch philosophische und ethische Fragen, die er im Fortgang der Geschichte auch beantwortet. Teilweise \u00fcberraschend, inklusive Storytwist, aber auch gerne drastisch oder verbl\u00fcffend, mit den entsprechenden Auswirkungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mathieu Bablet pr\u00e4sentiert seine Tianzhu-Station in akribischen Details. Lange G\u00e4nge, sich st\u00e4ndig wiederholende, funktionale Architektur aus kaltem Stahl steht f\u00fcr die Tristesse, der die Menschen t\u00e4glich ausgesetzt sind, die dann durch Konsum kompensiert wird. Auch die Raumschiffe und die Roboter-artigen Raumanz\u00fcge sind originell detailreich ausgef\u00fchrt. Wortreiche Passagen wechseln sich ab mit Szenen, die ganz ohne Worte auskommen, dazwischen g\u00e4hnt immer wieder die leere Schw\u00e4rze des Alls. Auch die Farbgebung, die sich aus Variationen des jeweils gleichen Farbtons zusammensetzt, vermeidet somit alles Bunte und unterst\u00fctzt die kalte Atmosph\u00e4re, in der ab und an die blaue Erde einen Kontrast setzt. An die Darstellung der Gesichter muss man sich jedoch gew\u00f6hnen. Die zeichnet Bablet schematisch, fast holzschnittartig in einem ureigenen Stil. Was der allgemeinen Lesefaszination dieses gewaltigen Werks aber keinen Abbruch tut. (bw)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/shangri-la.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/shangri-la.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Shangri-La<\/a><br>Text &amp; Bilder: Mathieu Bablet<br>224 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Splitter Verlag<br>39,80 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-96792-065-9<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D9749\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=9749\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Shangri-La (Splitter) &raquo; Comicleser #Einzelband #Graphic Novel #Mathieu Bablet #Science Ficti [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sch\u00f6ne neue Welt? Weder sch\u00f6n, noch neu. Daf\u00fcr kalt und k\u00fcnstlich. 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