{"id":9358,"date":"2021-04-19T12:10:53","date_gmt":"2021-04-19T10:10:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9358"},"modified":"2021-04-19T12:15:49","modified_gmt":"2021-04-19T10:15:49","slug":"dracula-splitter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=9358","title":{"rendered":"Dracula (Splitter)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"288\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Dracula_Splitter_WEB.jpg\" alt=\"Dracula (Splitter Verlag)\" class=\"wp-image-9359\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Dracula_Splitter_WEB.jpg 288w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Dracula_Splitter_WEB-216x300.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Immobiliengesch\u00e4fte sind immer komplizierte Unterfangen. Richtig spannend wird es allerdings, wenn der Kaufinteressierte in einem der entlegensten Winkel der Welt haust. Aber Jonathan Harker macht sich unger\u00fchrt auf den Weg nach Transsilvanien, wo er alle Warnungen der Einheimischen in den Wind schl\u00e4gt, auf dem Borgo-Pass von einer unheimlichen Kutsche in Empfang genommen und in Richtung der Burg des Grafen Dracula gefahren wird. In einem zerfallenen Schloss empf\u00e4ngt ihn der Hausherr des Nachts, bietet Einlass in sein Heim und studiert emsig die Kaufvertr\u00e4ge f\u00fcr diverse Liegenschaften in London. Schon bald beschleichen Harker Zweifel, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht: der Graf scheint der einzige Bewohner der Ruine zu sein, ist am Tag stets verschwunden und sch\u00e4rft Harker ein, ja nicht sein Zimmer zu verlassen, schon gar nicht nach Sonnenuntergang. Als Harker eines nachts den Schatten des Grafen an der Burgmauer entlanghaschen sieht, fasst er sich ein Herz und erkundet die Lage. Draculas Zimmer ist unbewohnt, in einer d\u00fcsteren Gruft findet Harker den Grafen in einem Sarg ruhend und flieht vor Grauen.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem verlassenen Zimmer suchen ihn geisterhafte Gespielinnen heim, die vom Hausherrn allerdings r\u00fcde vertrieben werden. Harker, dem seine Gefangenschaft mittlerweile klar ist, beobachtet noch, wie w\u00fcste Gesellen 50 l\u00e4ngliche Kisten gef\u00fcllt mit Erde wegschaffen. W\u00e4hrend er Draculas Br\u00e4uten zum Opfer f\u00e4llt, macht sich der Graf mit seiner Heimaterde auf dem Schiff Demeter auf in Richtung England, um seine neue Heimat in Besitz zu nehmen. Dort f\u00e4llt Lucy Westenra, Freundin von Harkers Verlobten Mina, pl\u00f6tzlich einer seltsamen Krankheit anheim: sie wirkt an\u00e4misch, verliert immer mehr Blut und weist Bisswunden wie von einem wilden Tier auf. Als sich der Hausarzt der Familie Dr. Seward nicht mehr zu helfen wei\u00df, ruft er seinen alten Lehrer und Freund Van Helsing zu Hilfe, der messerscharf konstatiert: Lucy ist Opfer eines Untoten geworden, einem Nosferatu, der vom Blut seiner Opfer lebt und sich in allerlei Kroppzeug verwandeln kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz aller Schutzma\u00dfnahmen inklusive einer Knoblauch-Halskette gelingt es Dracula, Lucy mehrmals zu \u00fcberfallen und schlie\u00dflich zu t\u00f6ten. Van Helsing tritt den endg\u00fcltigen Beweis f\u00fcr seine These an: mit Dr. Seward, dem Australier Quincey Morris und Lucys Verlobtem Lord Holmwood legt er sich nachts in der Gruft der Westenras auf die Lauer und beobachtet, wie die untote Lucy mit einem ihrer Opfer ihre Heimstatt aufsucht. Per Holzpflock macht man der untoten Seele komplett den Garaus. Als Harker wunderbarerweise wieder in London auftaucht und von seinen Erlebnissen berichtet, ist f\u00fcr van Helsing klar: ein m\u00e4chtiger Vampir haust mitten in London in Carfax Abbey und muss mit allen Mitteln bek\u00e4mpft werden\u2026<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"285\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Dracula_Splitter_Seite_WEB.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9361\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Dracula_Splitter_Seite_WEB.jpg 285w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Dracula_Splitter_Seite_WEB-214x300.jpg 214w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die popul\u00e4r-kulturhistorische Bedeutung von Bram Stokers Schauerroman, der 1897 erstmals erschien, ist wohl nur noch mit Mary Shelleys \u201e<a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=8949\" data-type=\"post\" data-id=\"8949\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Frankenstein<\/a> or the Modern Prometheus\u201c zu vergleichen. Nicht zuletzt dank erfolgreicher B\u00fchnenfassungen erlangten beide Romane ungeheure Beliebtheit, die sich Anfang der 30er durch die beiden Universal-Verfilmungen zu den sicherlich bekanntesten Ikonen des gesamten Horror-Universums steigerte. Stoker vermengte in seinem Roman gekonnt die historische Figur des Vlad Tepes, einem grausamen walachischen F\u00fcrsten (wobei diese Vorlage bisweilen auch abgestritten wird), mit dem auch vorher schon existierenden literarischen Genre der Vampirgeschichte. Diese befeuerte vor allem Sheridan Le Fanu 1872 mit Carmilla, den eigentlichen Startschuss zur Blutsaugerei gab allerdings John Polidori bereits 1816 mit seiner Erz\u00e4hlung \u201eThe Vampyre\u201c, die im Rahmen eben jenes Wettbewerbs im Geschichtenschreiben entstand, mit dem sich am Genfer See Lord Byron, Percy Shelley, dessen Frau Mary und eben Polidori die Zeit vertrieben \u2013 und aus dem vielsagenderweise auch die Frankenstein-Idee geboren wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Mischung aus Briefroman, Reisebeschreibung und Schauerm\u00e4r entwickelte Stoker die komplette Vampir-Mythologie, inklusive der fehlenden Schatten, abschreckenden Wirkung von Kruzifixen und Knoblauch bis hin zur Verwandlung in Flederm\u00e4use, W\u00f6lfe und anderes Viehzeug (wobei der Original-Dracula durchaus \u00fcber Wasser reisen kann und nicht wie in sp\u00e4teren Filmversionen daran scheitert, flie\u00dfende Gew\u00e4sser zu \u00fcberqueren). Nach diversesten Comic-Inkarnationen, nicht zuletzt die aufgepeppte Marvel-Version von <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7663\" data-type=\"post\" data-id=\"7663\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gene Colan<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=8987\" data-type=\"post\" data-id=\"8987\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Marv Wolfman<\/a>, wagt sich jetzt mit Georges Bess (u.a. \u201eJuan Solo\u201c, \u201eDer wei\u00dfe Lama\u201c) ein renommierter, franz\u00f6sischer Comic-Routinier (Jahrgang 1947) an die gewaltige Materie und damit nach \u201eDer Vampir von Benares\u201c erneut an das Genre. Das Ergebnis ist eine wuchtige, werktreue Adaption, bei der auf jeder Seite der modrige Hauch der Vorlage her\u00fcberweht: Dracula bewundert die Musik der Kinder der Nacht, seine Gestalt erscheint unheimlich-d\u00e4monisch, die Kulisse der Burg ger\u00e4t zunehmend zum Alptraum, in dem Harker gefangen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Figuren, inklusive des besessenen Dieners Renfield, erhalten gen\u00fcgend Raum, Bess konzentriert sich auf die zentralen Szenen des Romans, die in Kapiteln gereiht sind, ohne merklich zu k\u00fcrzen oder umzuarrangieren (dabei f\u00e4llt einmal mehr auf, die nah auch <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=8229\" data-type=\"post\" data-id=\"8229\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Francis Ford Coppolas Verfilmung<\/a> an der Vorlage bleibt). Gar nicht gruselig ist dabei die Gestaltung: in atmosph\u00e4rischer, standesgem\u00e4\u00dfer Schwarz-Wei\u00df-Inszenierung setzt Bess auf die ganz gro\u00dfe Geste, mit ausschweifenden Landschaften, scherenschnitthafter Perspektive, schauerlicher Portraits (in denen Bess sich zunehmend an Optik der beiden deutschen Nosferatu-Filme &#8211; einmal das Original von Murnau und einmal das Remake von Werner Herzog mit Klaus Kinski als Phantom der Nacht &#8211; ann\u00e4hert und einzelne Szenen direkt nachstellt) und expressiven Kombinationen von Text und Bild. So entsteht ein Gesamtkunstwerk, das seiner Vielschichtigkeit und k\u00fcnstlerischen Ausgereiftheit der Vorlage in nichts nachsteht. Splitter bringt den Band standesgem\u00e4\u00df imposant im Gro\u00dfformat mit Golddruck und Anhang \u2013 und auch hier gilt: Wein trinkt er niemals. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/dracula-bram-stoker.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/dracula-bram-stoker.html\" target=\"_blank\">Dracula<\/a><br>Text &amp; Bilder: George Bess, nach Bram Stoker<br>208 Seiten in Schwarz-Wei\u00df, Hardcover<br>Splitter Verlag<br>39,80 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-96219-570-0<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D9358\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=9358\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Dracula (Splitter) &raquo; Comicleser #Bram Stoker #Dracula #Einzelband #Fantasy #George Bess #Hor [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immobiliengesch\u00e4fte sind immer komplizierte Unterfangen. 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