{"id":818,"date":"2013-01-16T14:26:00","date_gmt":"2013-01-16T12:26:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=818"},"modified":"2013-01-16T14:31:28","modified_gmt":"2013-01-16T12:31:28","slug":"blast-band-1-reprodukt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=818","title":{"rendered":"Blast, Band 1 (Reprodukt)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-819\" alt=\"Blast, Bd. 1: Masse\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Blast.jpg\" width=\"309\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Blast.jpg 309w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Blast-231x300.jpg 231w\" sizes=\"auto, (max-width: 309px) 100vw, 309px\" \/><\/p>\n<p>Held \u2013 so wird der Hauptdarsteller eines Buches genannt. Egal ob er nun gut ist oder b\u00f6se. Mutig oder feige. Sympathisch oder ein Drecksack. Manu Larcenet pr\u00e4sentiert uns in \u201aBlast\u2018, seiner neuen Reihe nach \u201aDer allt\u00e4gliche Kampf\u2018, einen schwierigen Helden, der tats\u00e4chlich viele dieser Eigenschaften in sich vereint, obwohl er ganz offensichtlich ein unansehnlicher Verbrecher ist: Polza Mancini, ende Drei\u00dfig. Er hat eine Glatze, einen langen Zinken und ist fett. Keine angenehme Erscheinung. Und er ist b\u00f6se. Er muss etwas Schlimmes getan haben, denn sein Opfer, so erf\u00e4hrt man, eine Frau oder ein M\u00e4dchen namens Carole, wird die Tat vielleicht nicht \u00fcberleben. Mancini ist in Polizeigewahrsam. Dass er es getan hat, steht au\u00dfer Frage. Jetzt gilt es f\u00fcr die Polizisten zu erfahren, ja zu begreifen, warum. Das Verh\u00f6r beginnt und Mancini erz\u00e4hlt bereitwillig seine Geschichte.<\/p>\n<p>So wird der T\u00e4ter, der Held der Geschichte, extrem negativ eingef\u00fchrt, was in der Natur der Sache liegt. Doch gleich zu Beginn des Verh\u00f6rs merkt der Leser, dass Mancini kein tumber Verbrecher ist. Er scheint eloquent und intelligent zu sein. Er ist Schriftsteller, schreibt \u00fcber Gastronomie. Dass der Krebstod seines (grotesk \u00fcberzeichnet dargestellten) Vaters in ihm ein Gef\u00fchlschaos ausl\u00f6st, kann man verstehen. Dass er mir nichts dir nichts seinen Koffer packt und ohne rechtes Ziel und ohne Ank\u00fcndigung seine (verg\u00f6tterte) Frau verl\u00e4sst und aus der Gesellschaft, die ihn stets verachtete, ausbricht, nimmt man verwundert zur Kenntnis. Ist das feige? Oder mutig? Dann wird die in R\u00fcckblicken erz\u00e4hlte Geschichte zu einer Art Roadmovie in der Natur. Mancini zieht sich in W\u00e4ldern zur\u00fcck. Er meidet Siedlungen. Ern\u00e4hrt sich von Schokoriegeln. Und s\u00e4uft. Viel und v\u00f6llig hemmungslos.<\/p>\n<p>Nach dem Tod seines Vaters erlebt er erstmals den titelgebenden Blast, seine pers\u00f6nliche Grenzerfahrung. Er kauert auf der Stra\u00dfe, l\u00e4sst Unmengen an Schnaps in sich hineinlaufen, frisst Tabletten und besagte Riegel. Dann erf\u00e4hrt er einen schwerelosen Augenblick der Klarheit, der im ansonsten schwarz-wei\u00dfen Buch mit farbigen, bunten Kinderzeichnungen visualisiert und betont und mit einem Osterinsel-Moai personalisiert wird. Diesen Moment, diesen Blast wieder zu finden und zu erleben, das wird Mancinis h\u00f6chstes Ziel.<\/p>\n<p>Ganz langsam und schleichend wird die Struktur des negativen Helden aufgebrochen. Jetzt wirkt er kauzig, eigenwillig. Kann so ein Typ doch sympathisch sein? Man traut dem Braten nicht, wei\u00df man es doch besser. Schlie\u00dflich erfahren wir ja von der Polizei, dass er schon ein Dutzend mal wegen kleinerer Delikte verhaftet wurde. Und ganz langsam schleicht sich Gewalt ein. Nur beil\u00e4ufig sieht man, wie er gegen Ende einen Pfleger niederschl\u00e4gt. Mancini hat es in sich. Das B\u00f6se. Sympathy for the Devil?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich werden wir Leser mit Mancinis unreflektierten Aussagen konfrontiert. Wie er seinen Ausbruch aus der Gesellschaft erkl\u00e4rt, seine Sauferei verteidigt und rechtfertigt. Wie er sich von den Bewohnern der Waldkommune abgrenzt. \u00c4hnlich den Polizisten h\u00f6ren wir zu, wir kommentieren nicht. Am Ende hat uns seine Geschichte gepackt. Auch wir wollen nicht mehr vordergr\u00fcndig wissen was er wie getan hat. Es geht um das Warum und das Wieso.<\/p>\n<p>Dargebracht wird diese komplexe Lebensbeichte in kr\u00e4ftigen Zeichnungen im typisch eigenen Larcenet Stil. Ein unkonventioneller, starker Strich, teilweise gro\u00dfe, einseitige Panels mit viel Himmel, Stadt und Natur, mal in kr\u00e4ftigem, mal in sanftem schwarz-wei\u00df. Besonders beeindruckend sind die Episoden, die im n\u00e4chtlichen Wald spielen, in denen Mancini scherenschnittartig dargestellt wird, als er versucht, mit dem Waldbewohner Bojan Schritt zu halten. In Frankreich sind bisher drei B\u00e4nde erschienen. F\u00fcnf bis sechs sollen es mal werden. Da kommt noch was auf uns zu. Hoffentlich schon bald. (bw)<\/p>\n<p>Text &amp; Bilder: Manu Larcenet<br \/>\n208 Seiten, (fast nur in) s\/w, Hardcover<br \/>\nReprodukt<br \/>\n29 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-943143-12-6<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D818\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=818\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Blast, Band 1 (Reprodukt) &raquo; Comicleser #Blast #Der allt\u00e4gliche Kampf #Manu Larcenet #Reprod [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Held \u2013 so wird der Hauptdarsteller eines Buches genannt. Egal ob er nun gut ist oder b\u00f6se. Mutig oder feige. Sympathisch oder ein Drecksack. 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