{"id":7335,"date":"2018-11-07T14:04:24","date_gmt":"2018-11-07T12:04:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7335"},"modified":"2020-10-20T13:38:18","modified_gmt":"2020-10-20T11:38:18","slug":"spirou-und-fantasio-spezial-band-26-carlsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=7335","title":{"rendered":"Spirou und Fantasio Spezial, Band 26 (Carlsen)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-7336\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Spirou-Spezial-26.jpg\" alt=\"\" width=\"290\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Spirou-Spezial-26.jpg 290w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Spirou-Spezial-26-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/p>\n<p>Br\u00fcssel, im Januar 1940. Der Zweite Weltkrieg hat bereits begonnen. In Belgien harrt man noch der Dinge, die da unweigerlich kommen werden. Noch ist man zuversichtlich, die Deutschen, sollten sie denn einmarschieren, mit Hilfe der Franzosen bezwingen zu k\u00f6nnen. Im Hotel Moustic, in dem Spirou als Page arbeitet und sich st\u00e4ndig mit dem korpulenten Portier Entresol herum\u00e4rgert, macht sich der Krieg bereits bemerkbar. Die G\u00e4ste bleiben aus. Gemeinsam mit Fantasio, der als Soldat in einem belgischen Fort eine vermeintlich ruhige Kugel schiebt, trifft Spirou den Maler Felix und seine Frau Felka, er deutscher Jude, sie polnische J\u00fcdin. Von ihr erhofft sich Spirou Genaueres \u00fcber das Schicksal von seiner Freundin Kassandra zu erfahren, von der er k\u00fcrzlich \u00fcber verschlungene Pfade einen Brief aus dem fernen Russland erhielt. Dann, im Mai, fallen die ersten Bomben auf Br\u00fcssel. Fantasios Wohnung wird zerst\u00f6rt, die Menschen beginnen zu fliehen, aufs Land oder Richtung Frankreich. Schlie\u00dflich besetzen die Deutschen die Stadt&#8230;<\/p>\n<p>Mit diesem Band widmet sich \u00c9mile Bravo nach 2008 und dem wunderbaren \u201ePortrait eines Helden als junger Tor\u201c erneut <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4151\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Spirou und Fantasio<\/a> und schafft damit eine direkte Fortsetzung. Ging es im Vorband, der 1939, also ein Jahr fr\u00fcher spielte, noch um die Geheimverhandlungen zwischen Polen und Nazis, um einen Krieg zu vermeiden, ist dieser nun entfacht. Noch ist man in Belgien zwar beunruhigt, aber doch gelassen und zuversichtlich. Doch nach und nach erweisen sich diese Hoffnungen als tr\u00fcgerisch. Zuerst fallen Bomben, dann kommen die <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3178\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Alliierten<\/a> in die Stadt, ziehen aber wieder ab und \u00fcberlassen den Deutschen Br\u00fcssel. Auch Spirou wird mit dem Krieg konfrontiert, der sich langsam im Alltag bemerkbar macht, wenn auch zuerst meist indirekt: Die zerbombte Wohnung Fantasios, den er bei sich aufnimmt, der Maler Felix, der als Deutscher von den Belgiern inhaftiert wird (Felix Nussbaum, eine reale Person). Bravo erz\u00e4hlt hier keine geschlossene Geschichte, wie noch im Vorg\u00e4nger. Vielmehr durchleben Spirou und Fantasio die Folgen des Krieges in verschiedenen Vignetten: die Flucht aus Br\u00fcssel Richtung Frankreich, erste Angriffe der Stukas, verletzte Soldaten, der Hunger und der Mangel, eine gef\u00e4hrliche Begegnung mit der Gestapo.<\/p>\n<div id=\"attachment_7338\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7338\" class=\"size-full wp-image-7338\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Spirou-Spezial-26_Panel.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Spirou-Spezial-26_Panel.jpg 400w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Spirou-Spezial-26_Panel-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><p id=\"caption-attachment-7338\" class=\"wp-caption-text\">Spirou und Fantasios erste Begegnung mit den Deutschen<\/p><\/div>\n<p>W\u00e4hrend Fantasio meist den naiven Hallodri gibt (manchmal \u00fcberspannt Bravo hier den Bogen etwas und l\u00e4sst die Figur den Leser ganz sch\u00f6n nerven) und als erfolgloser Reporter weiterhin seine Chance sucht, fest von sich und seinen Qualit\u00e4ten \u00fcberzeugt, zeigt Spirou zutiefst humanistische Z\u00fcge. Zwar l\u00e4sst er sich auch von Vorurteilen lenken, korrigiert diese aber stets und setzt auf Vernunft, Verst\u00e4ndigung und Eintracht \u2013 etwa bei seinen Landsleuten, bei Flamen und Wallonen, durch die der Keil des Nazismus getrieben werden soll, um die Lage und das Land zu destabilisieren. Am eindringlichsten verdeutlicht dies die Pfadfinder-Episode, als Spirou und die Pimpfe auf die Angeh\u00f6rigen einer Jugendorganisation der fl\u00e4mischen Nazi-Partei VNV treffen, die gerade ein j\u00fcdisches Caf\u00e9 demolieren, wobei Spirou beherzt eingreift (hier kommt auch der Aufw\u00e4rtshaken zum Tragen, den Spirou seinerzeit im ersten Bravo-Band von dem franz\u00f6sischen Box-Champion erlernte).<\/p>\n<p>Bei all dem Realismus und der geb\u00fchrenden Ernsthaftigkeit angesichts der Thematik vergisst <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1432\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00c9mile Bravo<\/a> den Humor nicht. Der kommt, sorgsam dosiert und platziert, in diversen Facetten: einmal fein und f\u00fcr Eingeweihte, eben wenn erstmals von Rummelsdorf die Rede ist, oder wenn Fantasios Tarnfrisur an einen gewissen schurkischen Cousin erinnert. Dann schelmisch, wenn \u2013 wie bereits im Vorg\u00e4nger geschehen \u2013 Spirou aufgrund seines Outfits (also praktisch jedes Mal, wenn er seine gewohnte Pagenuniform ablegt) f\u00fcr eine Kopie von <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1094\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Tintin\/Tim<\/a> gehalten wird. Oder brachial, wie bei der finalen Szene mit dem Portier Entresol (der in Design und Statur einem Emil Jannings aus Murnaus \u201eDer letzte Mann\u201c \u00e4hnelt), die ebenso makaber wie komisch ist. Am Ende, als Spirou auf Solopfaden wandert, driftet Fantasio gef\u00e4hrlich in die Ideologie der Besatzer ab (ob scheinbar oder ernsthaft wissen wir noch nicht) und zeigt ein zunehmend seltsames Verhalten. Und auch das Schicksal von Spirous Freundin Kassandra ist noch ungekl\u00e4rt. Fortsetzung folgt. So episch wie gewiss, immerhin umfasst der erste Teil ganze 86 Comicseiten (die leider nur als Softcover erh\u00e4ltlich sind).<\/p>\n<p>F\u00fcr Freunde der Serie und der Figur des Spirou bietet Carlsen in diesem Jahr hervorragenden wie erfrischenden Lesestoff. Kaum eine Serie, kaum eine klassische Comic-Figur wird zurzeit so vielf\u00e4ltig und gewinnbringend interpretiert. Ob als eine Art Prequel (<a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7043\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eSein Name war Ptirou\u201c, im Spezial-Band 25<\/a>), in einem mitrei\u00dfenden, <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4272\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">von Flix<\/a> inszeniertem, exklusiven deutschen Abenteuer <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7065\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">(\u201eSpirou in Berlin\u201c)<\/a> oder hier wieder ganz klassisch in einem Stil, der an die <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4711\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ligne Claire von Herg\u00e9<\/a> erinnert (die Tim-Anspielungen kommen also nicht von ungef\u00e4hr). Und dann gibt es ja noch die <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6704\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Spirou-Gesamtausgabe<\/a>, in der die Geschichten aus der Feder <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6945\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Andr\u00e9 Franquins<\/a> abgeschlossen vorliegen und die sich nun dessen Nachfolger, <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7210\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jean-Claude Fournier<\/a> (\u201eBizu\u201c) widmet. Goldene Zeiten f\u00fcr Spirou-Leser. (bw)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.carlsen.de\/softcover\/spirou-fantasio-spezial-26-spirou-oder-die-hoffnung\/83044\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Spirou und Fantasio Spezial, Band 26: Spirou, oder: die Hoffnung, Teil 1<\/a><br \/>\nText &amp; Bilder: \u00c9mile Bravo<br \/>\n96 Seiten in Farbe, Softcover<br \/>\nCarlsen Verlag<br \/>\n14 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-551-77656-3<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D7335\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=7335\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Spirou und Fantasio Spezial, Band 26 (Carlsen) &raquo; Comicleser #Carlsen #\u00c9mile Bravo #Fantasio [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Br\u00fcssel, im Januar 1940. Der Zweite Weltkrieg hat bereits begonnen. 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