{"id":6972,"date":"2018-07-12T14:12:17","date_gmt":"2018-07-12T12:12:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6972"},"modified":"2018-07-12T14:18:42","modified_gmt":"2018-07-12T12:18:42","slug":"ar-men-splitter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=6972","title":{"rendered":"Ar-Men (Splitter)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6973\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Ar-Men.jpg\" alt=\"\" width=\"288\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Ar-Men.jpg 288w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Ar-Men-216x300.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/p>\n<p>Tschernobyl, die franz\u00f6sischen S\u00fcd- und Antarktisgebiete und schlie\u00dflich die Antarktis selbst. In seinen letzten Werken begleiteten wir Emmanuel Lepage an ungew\u00f6hnliche, <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1045\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">unwirtliche und entlegene Gegenden<\/a> unseres Planeten. Auch in seinem aktuellen Band entf\u00fchrt er den Leser einmal mehr an einen solchen Ort, der einerseits weitab vom Schuss liegt, der sich jedoch gleichzeitig direkt vor Lepages Haust\u00fcr befindet \u2013 mehr oder weniger, versteht sich. Denn Lepage ist Bretone und die Rede ist von dem Leuchtturm namens Ar-Men, weit drau\u00dfen im Atlantik vor der Bretagne, westlich der \u00cele de Sein. Ar-Men (bretonisch f\u00fcr \u201eFels\u201c) wurde bekannt durch seine exponierte, isolierte Lage und ist einer der \u2013 aufgrund der Wetterbedingungen \u2013 am schwersten zug\u00e4nglichen Leuchtt\u00fcrme \u00fcberhaupt (Spitzname \u201eDie H\u00f6lle der H\u00f6llen\u201c). Sein Bau dauerte daher auch ganze 14 Jahre (1867\u20131881, im ersten Jahr konnten die Arbeiter nur siebenmal anlanden). Seit 1990 l\u00e4uft er im automatischen Betrieb, zuvor war der Turm bewohnt. Was uns zur Geschichte dieses Bandes bringt.<\/p>\n<p>Die ist diesmal nicht im Reportage-Stil gehalten und setzt zu Beginn der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts ein. Germain ist einer der Leuchtturmw\u00e4rter, die hier ihre 20-Tage Schichten absolvieren und stets hoffen, dass die meist raue See es danach erlaubt, ihren Arbeitsplatz wieder zu verlassen. Nicht so Germain. Er ist gerne hier am Ende seiner Welt. Hier in der Einsamkeit versucht er ein Trauma aufzuarbeiten, was ihm bisher aber nicht gelingt. Denn er, der Ich-Erz\u00e4hler, spricht allabendlich mit seiner imagin\u00e4ren Tochter. Erz\u00e4hlt ihr alte Geschichten rund um <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4276\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bretonische Mythen und Legenden<\/a>, wie die von der versunkenen Stadt Ys oder vom Geisterschiff Bag Noz. Als er mit seinem knorrigen Kollegen Louis, den seine Vergangenheit ebenfalls umtreibt, nach einem Sturm die gewohnten Instandsetzungs- und Reinigungsarbeiten angeht, findet Germain an der Wand des Treppenhauses alte Aufzeichnungen des ersten Leuchtturmw\u00e4rters. Der hie\u00df Moizez, war ein Findelkind des Meeres und berichtet vom \u00e4u\u00dferst schwierigen und beschwerlichen Bau des Turmes auf diesem kleinen, unwirtlichen Felsen. Ein Bau, der n\u00f6tig wurde, da immer mehr Schiffe an den Felsenriffen zwischen Ar-Men und der \u00cele de Sein, der sogenannten Chaussee, zerschellten\u2026<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6975\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Ar-Men-Seite.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"390\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Ar-Men-Seite.jpg 400w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Ar-Men-Seite-300x293.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/>Eine Geschichte um einen einsamen Leuchtturmw\u00e4rter (eigentlich sind es ja zwei) kennen wir von <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3316\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Christophe Chabout\u00e9s<\/a> <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=555\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eGanz Allein\u201c<\/a> (erschienen im Carlsen Verlag). Emmanuel Lepage geht hier einen v\u00f6llig anderen Weg. Er beschr\u00e4nkt sich nicht auf das Innenleben des\/der W\u00e4rter(s), sondern siedelt seine Geschichte inmitten von bretonischen Sagen an, die er mit der Baugeschichte des Leuchtturmes (also doch ein wenig Reportage), dessen erstem W\u00e4rter und schlie\u00dflich Germain selbst verkn\u00fcpft. Das bewerkstelligt er kunstvoll wie virtuos. Zuerst l\u00e4sst Lepage Germain seiner (imagin\u00e4ren) Tochter die Sage um die Stadt Ys erz\u00e4hlen, was optisch in einem einfacheren, mittelalterlich anmutenden, bunten Stil gehalten ist. Dann erfolgt die lange R\u00fcckblende zu Moizez, ganz mit Braunt\u00f6nen gestaltet, die einerseits die Jugend des Waisenkindes schildert, ein gesellschaftlich nie akzeptierter Au\u00dfenseiter, und andererseits den komplizierten Bau von Ar-Men, der von den Menschen auf der \u00cele de Sein skeptisch verfolgt wurde, lebten diese doch auch von den G\u00fctern, die die havarierten und gestrandeten Schiffe \u201eabwarfen\u201c, eine Existenzgrundlage, die der Leuchtturm nun zerst\u00f6ren wird.<\/p>\n<p>Am Ende schl\u00e4gt Lepage mit der Baugeschichte und dem Leben Moizez\u2018 einen Bogen zu Germain, der wie dieser die Einsamkeit und den inneren Frieden suchte und sich schlie\u00dflich gemeinsam mit Louis seiner Vergangenheit und damit seinem Trauma stellen muss. Dann, im Epilog besuchen wir noch einmal gemeinsam mit dem Autor und den beiden letzten W\u00e4rtern den Turm, jetzt ganz in schwarz-wei\u00dfer Realit\u00e4t gehalten. Die bunte Fantasie weicht der tristen Wirklichkeit. Ar-Men leuchtet zwar l\u00e4ngst automatisiert, doch ist alles noch da: die Betten, die K\u00fcche, die alte Technik, die komplette Einrichtung. Gemeinsam mit dem Dreck der Vogel, mit dem Rost und dem Salz, das an dem Bauwerk nagt, welches nun niemand mehr regelm\u00e4\u00dfig pflegt und wartet. Und mit den Aufzeichnungen von Moizez, die noch immer oder erneut beginnen, durch die Wand zu schimmern.<\/p>\n<p>Wie kaum ein zweiter versteht sich Emmanuel Lepage darauf, Natur und Landschaften jeweils stimmungsvoll einzufangen, v.a. Dank seiner perfekten Aquarelltechnik. Die Episoden auf See oder an den wilden K\u00fcsten in den Vorb\u00e4nden (<a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=743\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eReise zum Kerguelen-Archipel\u201c<\/a>, 2013 und <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2996\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eWei\u00df wie der Mond\u201c<\/a>,2015) z\u00e4hlen dann auch zu den eindrucksvollsten Bildern, die er seinen Lesern pr\u00e4sentiert. Hier in \u201eAr-Men\u201c kann er sich Wasser-technisch nun hemmungslos austoben. Die Ansichten des sturm- und wellengepeitschten Leuchtturmes, der den Gewalten trotzt, stehen f\u00fcr sich und k\u00f6nnten auch als Einzelkunstwerke m\u00fchelos durchgehen. Dabei \u00fcbertreibt Lepage in seinen Darstellungen von Riesenwellen, die den Turm beinahe v\u00f6llig \u00fcberrollen, nicht im Geringsten, was diverse Fotos im Internet bezeugen. Lepage geht bei seiner Story klug vor und baut nicht nur auf die Szenen im Turm: die Darstellung der Legenden und der lange R\u00fcckblick auf das Leben von Moizez und die Baugeschichte von Ar-Men, sorgen inhaltlich und optisch f\u00fcr Abwechslung und bringen das Leben aus alten Zeiten n\u00e4her. Und die Verkn\u00fcpfung dieser Geschichten ist ein gelungenes zus\u00e4tzliches Gimmick. Mit \u201eAr-Men\u201c pr\u00e4sentiert uns Lepage erneut einen eindrucksvollen Beweis seiner Kunst. (bw)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/ar-men.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ar-Men<\/a><br \/>\nText &amp; Bilder: Emmanuel Lepage<br \/>\n96 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nSplitter Verlag<br \/>\n19,80 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-96219-130-6<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D6972\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=6972\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Ar-Men (Splitter) &raquo; Comicleser #Ar-Men #Einzelband #Emmanuel Lepage #Futuropolis #Graphic No [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tschernobyl, die franz\u00f6sischen S\u00fcd- und Antarktisgebiete und schlie\u00dflich die Antarktis selbst. 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