{"id":6442,"date":"2018-02-15T16:15:05","date_gmt":"2018-02-15T14:15:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6442"},"modified":"2018-02-15T16:16:48","modified_gmt":"2018-02-15T14:16:48","slug":"h-g-wells-der-unsichtbare-band-1-splitter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=6442","title":{"rendered":"H.G. Wells: Der Unsichtbare, Band 1 (Splitter)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6443\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/HG-Wells-Der-Unsichtbare-1.jpg\" alt=\"\" width=\"288\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/HG-Wells-Der-Unsichtbare-1.jpg 288w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/HG-Wells-Der-Unsichtbare-1-216x300.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/p>\n<p>Seltsam sieht er aus, der Fremde, der in einer klirrenden Winternacht im englischen Nest Iping in die Ortskneipe trottet und dort eine warme Mahlzeit, ein Zimmer und seine Ruhe verlangt. Zun\u00e4chst zeigen sich die Landlords Hall erfreut, aber das Gebaren des Besuchers wird immer absonderlicher: Er scheint komplett in Bandagen eingewickelt, die Augen von einer Brille verdeckt, und wartet sehns\u00fcchtig auf seine Koffer, die am n\u00e4chsten Tag vom Bahnhof aus eintreffen. Sofort macht sich die Gestalt daran, den Gemeinschaftsraum des Pubs in Beschlag zu nehmen und dort ein veritables kleines Chemie-Labor aufzubauen. Die Neugierde der Gemeinde, was es denn mit dem <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=804\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eSchwarzen Mann\u201c<\/a>, der vermummt durch die Stra\u00dfen geht, kennt keine Grenzen, und so kommt es, wie es kommen muss: wieder einmal bedr\u00e4ngt in seinem Zimmer, verliert der Unbekannte die Nerven und konfrontiert die naseweisen Besucher: \u201eGenug! Seien Sie jetzt still! Sie verstehen weder, wer ich bin\u2026noch was ich bin! Also werde ich es Ihnen zeigen! Ein f\u00fcr alle Mal!\u201c<\/p>\n<p>Zum Entsetzen der Anwesenden reisst sich der Fremde die Bandagen vom Leib und l\u00f6st sich anscheinend in Luft auf: unsichtbar ist er, wie berauscht von seiner Macht, mit der er nun seine vermeintlichen Widersacher gewaltsam aus dem Raum bef\u00f6rdert und sich wild lachend davon macht. Auf seiner Flucht \u00fcber Stock und Stein rekrutiert er den Landstreicher Thomas Marvel, der f\u00fcr ihn nochmals in den Gastraum eindringt und ein paar offenbar wertvolle B\u00fccher herausschafft, bevor der Unsichtbare zur Demonstration seiner Allmacht das Zimmer anz\u00fcndet. Auf seinem Weg durch die Nachbarorte zieht er eine Schneise des Schreckens, aber offenbar trifft ihn doch eine ziellos abgefeuerte Kugel, so dass er sich in die H\u00e4nde des Dorfarztes begeben muss\u2026<\/p>\n<p>Mit dem \u201eInvisible Man\u201c, der 1897 als eine der \u201escientific romances\u201c erschien, schuf H.G. Wells eine der ikonischsten Figuren der phantastischen Literatur. Die Geschichte des Wissenschaftlers Griffin, der ein Unsichtbarkeitsserum an sich selbst testet, nur um festzustellen, dass der Effekt nicht umkehrbar ist, fand den Weg in unz\u00e4hlige Adaptionen und Varianten, wovon die Universal-Verfilmung von 1933 sicher zu den bekanntesten z\u00e4hlt. James Whale raffte hierf\u00fcr die Romanvorlage auf die einschl\u00e4gigsten Szenen zusammen, wobei insbesondere die Auftaktszenen in Pub in Iping, auf die auch diese Comic-Adaption von Dobbs einiges Augenmerk legt, im Ged\u00e4chtnis bleiben, ebenso wie die bemerkenswerten Effekte, in denen sich der Unsichtbare entkleidet und als geisterhaft bewegtes Hemd oder Hose seine Gegner umtanzt. Claude Rains \u00fcberzeugte als Unsichtbare vor allem durch seine stimmliche Interpretation des Charakters, der in Whales Fassung durch einen Fehler in der Formel langsam in den Wahnsinn abgleitet (und der es sogar in den Titelsong der Rocky Horror Picture Show schaffte, wo uns die Lippen verk\u00fcnden: \u201eClaude Rains was the Invisible Man).<\/p>\n<div id=\"attachment_6445\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6445\" class=\"size-full wp-image-6445\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/HG-Wells-Der-Unsichtbare-1_Panel.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"239\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/HG-Wells-Der-Unsichtbare-1_Panel.jpg 600w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/HG-Wells-Der-Unsichtbare-1_Panel-300x120.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><p id=\"caption-attachment-6445\" class=\"wp-caption-text\">Die Ankunft des seltsamen Fremden<\/p><\/div>\n<p>Nach einigen weiteren Universal-Filmen, darunter die Kom\u00f6die \u201eThe Invisible Agent\u201c, die fesche \u201eInvisible Woman\u201c und (als Gast) &#8222;Abbott and Costello meet Frankenstein&#8220;, folgten diverse Fernsehserien (durchaus beachtlich, aber kurzlebig war z.B. die Reihe von 1975) und freiere Filmfassungen, allen voran der Actionrei\u00dfer \u201eHollow Man\u201c, in dem Kevin Bacon in die Rolle des durchsichtigen Verbrechers schl\u00fcpfte. Wie nahezu jeder Charakter der viktorianischen Literatur treffen wir den Unsichtbaren nat\u00fcrlich auch in <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5742\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alan Moores<\/a> ausladender Saga <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2160\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eThe League Of Extraordinary Gentlemen\u201c<\/a> wieder, wo Griffin das Serum allerdings nicht erfunden, sondern gestohlen hatte. Wie immer bei Wells dient das utopische Setup, das zumindest an der Oberfl\u00e4che in den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen der Zeit verankert ist (Griffin studiert Optik und findet einen Weg, die Lichtbrechung eines menschlichen K\u00f6rpers zu neutralisieren), zur scharfen Analyse gesellschaftlicher und menschlicher Eigenheiten: war es beim <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5926\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eKrieg der Welten\u201c<\/a> der britische Kolonialismus und bei der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5664\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eZeitmaschine\u201c<\/a> ein entfesselter Kapitalismus, richtet sich Wells\u2018 kritischer Blick hier, \u00e4hnlich wie der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6282\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eInsel des Dr. Moreau\u201c<\/a>, auf eine moralfreie Wissenschaft, die fern aller Ethik und Verantwortung agiert.<\/p>\n<p>Griffin verf\u00e4llt mehr und mehr in wahllose Gewaltausbr\u00fcche und Allmachtsphantasien: \u201eEin unsichtbarer Mann ist ein m\u00e4chtiger Mann, f\u00fcr den alles m\u00f6glich ist!\u201c Im Gegensatz zur Whale-Verfilmung allerdings ist das Serum nicht fehlerhaft, sondern enth\u00fcllt nur die negativen Grundz\u00fcge in Griffins Charakter, der schlicht und einfach Freude daran hat, Menschen zu drangsalieren und wahllos zu terrorisieren, wie auch der Angriff der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5059\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Marsianer<\/a> schon die atavistischen Z\u00fcge unter der d\u00fcnnen zivilisatorischen H\u00fclle freilegte. Dobbs g\u00f6nnt sich bei seiner Fassung, anders als bei seiner Adaption des \u201eMoreau\u201c, wieder zwei B\u00e4nde, die in ihrem hier vorliegenden vielversprechenden Auftakt nahe an der Vorlage bleibt und auch manche Referenz auf die Whale-Filmversion bietet. Wie immer stilecht inszeniert (dieses Mal von Chris Regnault) und aufgemacht wie ein Buch aus der Leihbibliothek, liefert auch dieser Band einen gelungenen Beitrag zu Dobbs\u2018 viktorianischem Comic-Kanon. Eine kleine Nerd-Notiz sei am Rande noch erlaubt: der Roman gleichen Titels von Ralph Ellison aus dem Jahr 1952 verwendet das Symbol der Unsichtbarkeit, um auf die Rassenungleichheit in den USA der 50er Jahre hinzuweisen. Und wird von Netflix-Serien-Held <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4578\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Luke Cage<\/a> gelesen. (hb)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/h-g-wells-der-unsichtbare-1.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">H.G. Wells: Der Unsichtbare, Band 1 (von 2)<\/a><br \/>\nText: Dobbs, nach H.G. Wells<br \/>\nBilder: Christophe Regnault<br \/>\n56 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nSplitter Verlag<br \/>\n15,80 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-95839-501-5<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D6442\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=6442\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"H.G. Wells: Der Unsichtbare, Band 1 (Splitter) &raquo; Comicleser #Christophe Regnault #Der Unsich [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seltsam sieht er aus, der Fremde, der in einer klirrenden Winternacht im englischen Nest Iping in die Ortskneipe trottet und dort eine warme Mahlzeit, ein Zimmer und seine Ruhe verlangt. 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