{"id":6294,"date":"2018-01-03T15:31:35","date_gmt":"2018-01-03T13:31:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6294"},"modified":"2018-01-03T15:31:35","modified_gmt":"2018-01-03T13:31:35","slug":"caliban-panini","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=6294","title":{"rendered":"Caliban (Panini)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6295\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Caliban.jpg\" alt=\"\" width=\"275\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Caliban.jpg 275w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Caliban-206x300.jpg 206w\" sizes=\"auto, (max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/><\/p>\n<p>Irgendwann in einer durchaus unwirtlichen Zukunft: die \u201eCaliban\u201c rast durch den Hyperraum, an Bord eine ganze Kolonie von Minenarbeitern, die im K\u00e4lteschlaf auf ihren Einsatz auf diversen Planeten warten, auf denen man die auf der ausger\u00e4uberten, \u00fcberbev\u00f6lkerten Erde dringend ben\u00f6tigten Bodensch\u00e4tze abbaut. Eine kleine Crew k\u00fcmmert sich darum, dass w\u00e4hrend der Reise alles glatt l\u00e4uft, dass man auf Kurs bleibt und die Schlafkammern ordentlich funktionieren. Dabei gibt es die \u00fcblichen Reibereien, Zickenkriege und alles, was eben vorkommt, wenn Menschen aufeinander hocken und sich auf den Geist gehen. Das endet schlagartig, als es einen gewaltigen Knall tut, die Systeme ausfallen, der Funkkontakt zusammenbricht und sich langsam aber sicher eine ungeheuerliche Wahrheit auftut. Offenbar ist man im Hyperraum mit einem anderen Raumschiff zusammengesto\u00dfen \u2013 wobei sich hier der physikalische Grundsatz \u00e4u\u00dfert, dass zwei Objekte niemals den gleichen Raum besetzen k\u00f6nnen: die Schiffe sind ineinander verschmolzen und gehen nahtlos ineinander \u00fcber, inklusive den armen Crewmitgliedern, die das Pech hatten, gerade an einer Stelle zu stehen, an denen sich die Schiffe \u00fcberlappen (zerteilte Gliedma\u00dfen sind da noch die harmlosere Auswirkung).<\/p>\n<p>Auch der Lagerraum mit den Schlafkapseln wird v\u00f6llig zerst\u00f6rt, die Kolonisten in spe treiben hinaus ins Weltall. Vollkommen schockiert machen sich die \u00dcberlebenden unter F\u00fchrung von Captain Delong daran, die Reste zusammen zu klauben. Man stellt fest, dass das Alien-Schiff wohl eine Art intergalaktische biologische Expedition darstellte, mit jeder Menge Spezies an Bord, die untersucht oder zu Nutzzwecken gehalten wurden. Dann tritt auf einmal der verschwundene Navigator Karien, schon vorher ein rechter R\u00fcpel, in Aktion: er schaltet die Systeme des Alien-Schiffs ein und beginnt mit einem gnadenlosen Katz und Maus-Spiel gegen seine ehemaligen Kameraden. Offenkundig ist ein Gestaltwandler an Bord des Schiffs gewesen, der von einer Lebensform zur n\u00e4chsten springt und dabei seine H\u00fcllen jeweils zu Kampfmaschinen \u201eoptimiert\u201c. Die Alien-Besatzung, so erfahren es die entsetzten Menschlein aus einer unzul\u00e4nglichen \u00fcbersetzten Aufzeichnung, sah als letzte Chance nur noch die Abschaltung aller Systeme und den kollektiven Selbstmord. Ein Crewmitglied nach dem anderen f\u00e4llt dem immer abenteuerlichere Mutationen durchlaufenden Karien zum Opfer, bis nur noch die Technikerin Malik und die Navigatorin Nomi \u00fcbrig sind, die dem unheimlichen Wesen aus einer fremden Welt gegen\u00fcberstehen\u2026<\/p>\n<p>Im Weltraum h\u00f6rt Dich niemand schreien \u2013 auch dann nicht, wenn Du einfach den Plot von Alien neu erz\u00e4hlst und eine schmackige Hommage daraus bastelst. Das dachte sich <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4824\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Garth Ennis<\/a>, als Ridley Scott die ersten Ank\u00fcndigungen f\u00fcr sein Alien-Prequel \u201ePrometheus\u201c unters begeisterte Volk brachte. Scotts Vision der Konstrukteure, die den Menschen erst erschaffen und dann per Alien-Kroppzeug wieder vernichten wollen, ging dann letztlich allerdings in eine g\u00e4nzlich andere Richtung, als Mister Ennis selbst eingeschlagen h\u00e4tte. Und nachdem wir es hier nicht mit einem Internet-Foren-Fanboy-Troll, sondern mit dem Autor von \u201ePreacher\u201c, <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3664\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eCrossed\u201c<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=687\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eHellblazer\u201c<\/a> und \u201ePunisher\u201c zu tun haben, schrieb er eben keine erbosten Blogs, sondern ganz einfach seine eigene Version der Alien-Origin.<\/p>\n<p>Dabei verbinden sich alle Elemente, die vor allem den ersten Streifen von 1979 zum Prototypen des SF-Horrors machen: die finsteren G\u00e4nge, der rucklige Funk-Kontakt, das schiere Grauen eines Wesens, das nach dem Zehn-Kleine-Raumfahrerlein-Prinzip einen nach dem anderen stellt und drastisch abmurkst, all das kommt direkt aus Dan O\u2019Bannons Alien-Skript, der damit ja bekanntlich seinerseits nichts anderes lieferte als eine zugegebenerma\u00dfen geniale Abkupferung des alten Low Budget-Heulers \u201eIt! The Terror From Beyond Space\u201c von 1958. Auch die \u00fcberlegene Rasse, die das Alien irgendwie mit an Bord hat, die kommerzielle Motivation und ruppige Lastwagenfahrer-Mentalit\u00e4t der menschlichen Besatzung (au\u00dferirdische Minenarbeiter werden im Tiefschlaf durch die Gegend geschippert) kennen wir aus dem Scott-Film, w\u00e4hrend Ennis auch einige sch\u00f6ne Varianten einbaut: auch bei ihm avancieren die Frauen zu den eigentlichen \u201eHelden\u201c, die bei ihm allerdings auch durch zarte emotionale Bande gekennzeichnet sind. Das Monster erscheint nicht wie bei Scott als die wildgewordenen Geburtsalptr\u00e4ume eines Schweizer Designers, sondern als k\u00f6rperloses Wesen, das \u00e0 la \u201eThe Body Snatchers\u201c Wirtsk\u00f6rper \u00fcberf\u00e4llt und biologisch \u201eumbaut\u201c.<\/p>\n<p>Nicht fehlen darf die f\u00fcr Ennis charakteristische, durchaus graphische Gewaltt\u00e4tigkeit, die aber inhaltlich motiviert bleibt und niemals als Selbstzweck erscheint. Dennoch ist die optische Gestaltung durch Facundo Percio, der die klaustrophobische Stimmung und den schieren Terror kongenial aufs Papier bringt, nichts f\u00fcr schwache Nerven. Und keine Punkte gibt es (leider, da Ennis dies direkt aufl\u00f6st) f\u00fcr die Deutung des Raumschiff-Namens: brachte bei Scott die \u201eNostromo\u201c noch einen Hauch Joseph Conrad, so steht hinter der \u201eCaliban\u201c nat\u00fcrlich der Barde selbst, in dessen \u201eTempest\u201c ein durchaus abgedrehter Unhold und Sohn einer Hexe auf diesen Namen h\u00f6rt. Und dass gerade Shakespeares letztes Werk \u00fcber den Zauberer Prospero und seine Kreaturen, die sich gegen ihn wenden, eine gute Inspiration f\u00fcr Science Fiction-Streifen ist, wissen wir sp\u00e4testens seit \u201eForbidden Planet\u201c. Der vorliegende Band bringt alle sieben Einzelhefte der Mini-Serie \u201eCaliban\u201c, die im Original von M\u00e4rz bis September 2014 erschienen, und wird erg\u00e4nzt von einem kleinen Skizzenbuch. (hb)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.paninishop.de\/artikel\/dcalib001-caliban-odyssee-ins-grauen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Caliban &#8211; Odyssee ins Grauen<\/a><br \/>\nText: Garth Ennis<br \/>\nBilder: Facundo Percio<br \/>\n180 Seiten in Farbe, Softcover<br \/>\nPanini Comics<br \/>\n19,99 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-7416-0241-2<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D6294\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=6294\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Caliban (Panini) &raquo; Comicleser #Alien #Caliban #Einzelband #Facundo Percio #Garth Ennis #Odys [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irgendwann in einer durchaus unwirtlichen Zukunft: die \u201eCaliban\u201c rast durch den Hyperraum, an Bord eine ganze Kolonie von Minenarbeitern, die im K\u00e4lteschlaf auf ihren Einsatz auf diversen Planeten warten, auf denen man die auf der ausger\u00e4uberten, \u00fcberbev\u00f6lkerten Erde dringend ben\u00f6tigten Bodensch\u00e4tze abbaut. 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