{"id":5742,"date":"2017-08-10T12:12:11","date_gmt":"2017-08-10T10:12:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5742"},"modified":"2017-08-10T13:08:33","modified_gmt":"2017-08-10T11:08:33","slug":"batman-the-killing-joke-panini","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=5742","title":{"rendered":"Batman: The Killing Joke (Panini)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-5743\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke.jpg 270w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke-203x300.jpg 203w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/p>\n<p>Witzmacher. Das steht deutlich auf dem Objektiv der Kamera zu lesen, die uns der Joker grinsend entgegenh\u00e4lt \u2013 und mit der er, wie wir sp\u00e4ter erfahren, Bilder der niedergeschossenen Barbara Gordon anfertigt, alles Teil seines perfiden Plans. Nur ein kleines Detail, aber symptomatisch f\u00fcr diese legend\u00e4re Geschichte, in der Bild und Wort zu einer selten gesehenen inhaltlichen Einheit verschmelzen: der Joker h\u00e4lt die Welt f\u00fcr einen einzigen grausamen Witz. Die einzig normale Reaktion darauf ist der Wahnsinn. Diesen Ausweg hat er gew\u00e4hlt, und dass das auch gut so ist, davon m\u00f6chte er Batman nun in einem grausamen Experiment \u00fcberzeugen. Er schie\u00dft Barbara Gordon nieder, entf\u00fchrt ihren Vater, den Polizeichef, in einen verlassenen Vergn\u00fcgungspark, und f\u00fchrt ihm dort Bilder seiner gel\u00e4hmten Tochter vor, um ihn in den Wahnsinn zu treiben. Dazwischen wird er geplagt von Erinnerungen an eine \u2013 m\u00f6gliche \u2013 Vergangenheit als erfolgloser Kom\u00f6diant, der sich darauf einl\u00e4sst, in die Maske des Red Hood zu schl\u00fcpfen und einige schwere Jungs durch die Chemiefabrik zu f\u00fchren, in der er fr\u00fcher arbeitete. Der damals noch neue <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=974\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eFledermaus-Typ\u201c<\/a> war aufgetaucht und hatte den Bruch vereitelt \u2013 wobei der ungl\u00fcckselige arme Schlucker in den umliegenden Fluss sprang und dort von den verseuchten Chemikalien an K\u00f6rper und Geist entstellt wurde. In der Gegenwart kommt es dann zur entscheidenden Konfrontation der Widersacher, die letztlich zum Konflikt zwischen Wahnsinn und W\u00fcrde wird\u2026<\/p>\n<p>Bedeutung und Wirkung dieses Werks, das Brian Bolland und <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2517\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alan Moore<\/a> 1988 vorlegten, sind bahnbrechend. W\u00e4hrend der \u201eBritish Invasion\u201c der US-Comicszene schnappten sich junge, wild innovative Autoren und Zeichner sattsam bekannte Figuren und interpretierten sie teilweise radikal neu. Zwei Jahre zuvor hatte <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3609\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frank Miller<\/a> das Bild von Batman grundlegend revolutioniert und vom Pausenclown der 60er und <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2123\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Detektiv der 70er<\/a> mit Macht zur\u00fcck gef\u00fchrt an die d\u00fcsteren Anf\u00e4nge als Dunkler Ritter, wobei auch seine Nemesis Joker zu Ehren (und einem gewaltsamen Ende) kam. Aber es lag an Bolland, den Joker wirklich in den Mittelpunkt zu r\u00fccken: als DC-Chef Dick Giordano seinen Sch\u00fctzling fragte, was er denn gerne als n\u00e4chstes Projekt umsetzen wolle, optierte Bolland klar f\u00fcr eine Story, in der der Joker im Vordergrund steht und Batman eher als Nebenfigur agiert. Gleichzeitig sollte Bollands Wunschautor <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3886\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alan Moore<\/a> den Clown wieder zu dem kranken Psychopathen machen, als den ihn Bob Kane, Jerry Robinson und Bill Finger 1940 in Heft 1 und 2 der Batman-Reihe einf\u00fchrten \u2013 und noch weit dar\u00fcber hinaus ins Extrem treiben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5746\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke_Panel-3.jpg\" alt=\"\" width=\"380\" height=\"292\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke_Panel-3.jpg 380w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke_Panel-3-300x231.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/>Ein Jahr, bevor Jack Nicholson auf der Leinwand den feixenden Kasper gab, der bestenfalls F\u00fcnfj\u00e4hrige erschreckt, breitete <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3664\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alan Moore<\/a> in der damals noch neuen Form der \u201eGraphic Novel\u201c (anders als \u201eThe Dark Knight Returns\u201c oder \u201eWatchmen\u201c erschien \u201eThe Killing Joke\u201c nie als Heftserie, sondern gleich als hochwertig produzierte Einzelausgabe) das Psychogramm einer zutiefst verletzten Seele aus, die bitterste Konsequenzen aus der wertelosen, postmodernen Welt zieht. Die Origin-Story, die ins Geschehen verquickt wird und auch in Tim Burtons Filmfassung erscheint, bietet eine der m\u00f6glichen Varianten, die in der Batman-Historie kurz angerissen und dann verworfen wurde: schon in den 1950ern wurde angedeutet, dass unter der Red Hood der Joker gesteckt haben k\u00f6nnte. Hier geht es allerdings weniger um Chronologie oder Mythologie, sondern um existentialistische Betrachtungen \u2013 Joker und Batman sind Kehrseiten der gleichen Medaille, Zerrbilder und Doppelg\u00e4nger, die (wie im literarischen Motiv von Jekyll und Hyde bis zum Student von Prag stets der Fall) unweigerlich nur in der gegenseitigen Vernichtung enden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Batman kommt in der Er\u00f6ffnungssequenz nach Arkham, um eben diesen Teufelskreis zu durchbrechen: \u201eWir werden uns gegenseitig t\u00f6ten, nicht wahr? [\u2026] Mir ist nicht ganz klar, warum unser Verh\u00e4ltnis mit dem Tod enden muss.\u201c Fast schon stur beharrt der korrekt-steife <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2355\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bruce Wayne<\/a> auf der Sinnhaftigkeit des Daseins, die der Joker radikal negiert. Ein einziger schlechter Tag, so seine These, reiche doch aus, um \u00fcber die Klippe des Wahnsinns zu st\u00fcrzen \u2013 und das sei Batman doch ebenso passiert: \u201eIch wei\u00df es. Auch Du hattest einen furchtbaren Tag, der alles ver\u00e4ndert hat\u2026 ein furchtbarer Tag, der dich wie uns alle in den Wahnsinn getrieben hat. Nur gibst du\u2019s nicht zu! Du machst Dir weiter vor, dass das Leben einen Sinn hat, dass all diese Anstrengungen einem Zweck dienen!\u201c Zur Untermauerung seiner These nutzt der Joker nicht nur grausamste Taten, er beginnt auch ein perfides Spiel mit der Sprache. Permanent durchbricht er die gemeinschaftliche Basis, die in Form von Sprichw\u00f6rtern und Redewendungen innerhalb einer Sprachgemeinschaft Verst\u00e4ndigung schafft, und erzeugt neue, verdrehte Karikaturen und Zerrbilder \u2013 so etwa in einem alptraumhaften Song, den er als Entertainer f\u00fcr Gordon darbietet: \u201eif life treats you bad \u2013 don\u2019t get even, get mad!\u201c Diese Verkehrung des g\u00e4ngigen Idioms \u201edon\u2019t get mad, get even\u201c (zu Deutsch etwa \u201enicht aufregen, lieber heimzahlen\u201c oder schlicht \u201eRache ist s\u00fc\u00df\u201c) entzieht dem Gegen\u00fcber Gordon zus\u00e4tzlich zum visuellen Terror der Bilder seiner Tochter jegliche Erfahrungsbasis und stellt die Welt auch sprachlich auf den Kopf \u2013 die Kommunikation wird zur Waffe des Jokers und als Mittel, die Realit\u00e4t zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-5748\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke_Panel-1.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke_Panel-1.jpg 400w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke_Panel-1-300x150.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/>Auch perfide eingesetzte Metaphern und Zweideutigkeiten nutzt er zum gleichen Zweck &#8211; als er die Bibliothekarin Barbara Gordon anschie\u00dft, kommentiert er s\u00fcffisant zu ihrem entsetzten Vater: \u201eMachen Sie sich keine Sorgen. Es handelt sich um eine Psychose, die bei Ex-Bibliothekarinnen h\u00e4ufig auftritt. Sie h\u00e4lt sich f\u00fcr einen Prachtband. Doch leider ist dieses Exemplar in keinem guten Zustand. Sehen Sie, der Umschlag weist ein Loch auf, und der R\u00fccken ist besch\u00e4digt.\u201c Auch wenn die komplette Neu\u00fcbersetzung von Steve Kups die nahezu unm\u00f6glichen sprachlichen Klippen weitgehend hervorragend meistert, kommt die abartige Spielerei des Jokers durch die Mehrdeutigkeit der Wortwahl im Original noch besser zum Tragen: \u201eshe thinks she is a coffee table edition\u201c, sagt der Joker da, nachdem Barbara durch einen Glastisch st\u00fcrzt, \u201ebut she is in poor condition. There\u2019s a hole in the jacket (Jacke und Buchumschlag), and the spine is damaged (Buchr\u00fccken, aber nat\u00fcrlich auch R\u00fcckgrat).\u201d Diese bewusste Nutzung metaphorischer und \u00fcbertragener Wort(mehr)bedeutungen verleiht dem Geschehen eine grausame Harmlosigkeit und K\u00e4lte, an der Gordon scheitern soll, weil die eigentlich doch einende Symbolik und der gemeinsame Erfahrungsschatz der Sprache und damit letztlich auch der Identit\u00e4t genommen werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5750\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke_Panel-4.jpg\" alt=\"\" width=\"380\" height=\"289\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke_Panel-4.jpg 380w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke_Panel-4-300x228.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/>Vordergr\u00fcndig scheitert der Joker an seinem Vorhaben: Gordon verf\u00e4llt nicht dem Wahnsinn, sondern fordert von <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2317\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Batman<\/a>, er solle den Joker in jedem Fall \u201enach Recht und Gesetz\u201c festnehmen \u2013 \u201ewe have to show him our way works\u201c. Auch Batman lehnt die These, er sei ebenso psychopathisch wie sein Gegenspieler, vehement ab: Schicksalsschl\u00e4ge mag es geben, aber auf die Ebene des Wahnsinns muss man sich deswegen noch lange nicht begeben. Sein konkretes Hilfeangebot lehnt der Joker am Ende ab und erz\u00e4hlt erkl\u00e4rend den titelgebenden Witz, der sich leitmotivisch durchs Geschehen zieht: \u201eDa sind diese beiden Typen im Irrenhaus\u201c, nimmt er die gleichen Formulierungen auf, die die Er\u00f6ffnungsszenen beschreiben und auch in der Mitte wie Zwischentitel im Stummfilm nochmals aufgenommen sind. Beim Fluchtversuch springt der eine \u00fcber das Dach, der andere traut sich nicht, worauf ihm sein Kumpel anbietet, er w\u00fcrde mit einer Taschenlampe \u00fcber den Abgrund leuchten, damit er \u00fcber den Strahl die rettende andere Seite erreichen kann. \u201eJa glaubst Du, ich bin irre?\u201c, kommt die Antwort: \u201eDu w\u00fcrdest sie auf halbem Weg ausmachen!\u201c<\/p>\n<p>Aus dem Irrenhaus der gegenseitigen Vernichtung der Doppelg\u00e4nger gibt es f\u00fcr den Joker keinen Ausweg: sein Vertrauen in Batman reicht nicht so weit, als dass er mit ihm \u00fcber den Abgrund hin zur Normalit\u00e4t springen w\u00fcrde \u2013 zu viel Angst vor dem endg\u00fcltigen Absturz hat er. Wo so schon fast die Wiederherstellung von Recht und Ordnung aufscheint, wo die Welt nicht mehr aus den Fugen geraten scheint, wo der Joker isoliert dasteht, unterlaufen Moore und Bolland diese Erwartungshaltung pl\u00f6tzlich. Batman bricht in zunehmend manisches Lachen aus, das Soundword der heraneilenden Polizei vermischt sich mit dem irren Gel\u00e4chter beider Figuren, die im Schattenriss kaum mehr unterscheidbar sind, bevor sie verschwinden. Batman muss zugestehen, dass der Killing Joke \u2013 der Witz, der ins Schwarze trifft und gleichzeitig t\u00f6tet, so beide Wortbedeutungen von \u201ekill\u201c \u2013 den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Daf\u00fcr spricht auch die minuti\u00f6s parallele Struktur, in der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=826\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brian Bolland<\/a> das Geschehen beginnen und enden l\u00e4sst &#8211; nicht nur der Witz, sondern auch die optische Gestaltung verbinden sich nahtlos: die ersten beiden Panels mit Pf\u00fctzen und Scheinwerferlichtern wiederholen sich spiegelverkehrt am Ende. Die Struktur ist somit zirkul\u00e4r, es gibt keinen Fortschritt, wir drehen uns im Kreis \u2013 ein Kennzeichen des modernen absurden Dramas, das die gef\u00fchlte Sinnlosigkeit der Welt in mangelnder dramatischer Bauweise spiegelt. Es gibt weder ein happy noch ein tragic ending, sondern nur ein Weitermachen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-5752\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke_Panel-2.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke_Panel-2.jpg 250w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke_Panel-2-188x300.jpg 188w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/>Die Form wird somit, wie in gelungenen Kunstwerken immer zu beobachten, zum unverzichtbaren Teil der Aussage: das Spiegelmotiv durchzieht das Geschehen durchg\u00e4ngig, wenn der Joker auf dem Jahrmarkt eine Clownsauslage betrachtet, d\u00fcster in eine Pf\u00fctze sinniert oder <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=796\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Batman<\/a> ihn kurz vor dem Finale in einem Spiegelkabinett stellt. Assoziativ gleitet die Geschichte \u00fcber gleichartige Bildkompositionen zwischen Schaupl\u00e4tzen und Zeitebenen: immer werden die Erinnerungsfetzen des Jokers, die Bolland monochrom gestaltet, durch \u00e4hnliche Konstellationen in der Gegenwart ausgel\u00f6st. Insgesamt wirkt die Farbgebung in dieser Neuausgabe gelungener und stimmiger, da Bolland diese im Gegensatz zur Erstausgabe, deren Kolorierung 1988 von John Higgins eher knallig-bunt besorgt wurde, hier vollst\u00e4ndig nach eigenen Vorstellungen umsetzen konnte. In den flashback-Szenen sind dabei als finstere Vorboten immer einige wenige Details (ein Fliegenpapier, die verspeisten Garnelen, die Maske des Red Hood) in leuchtendem Rot belassen, das sich immer mehr Raum greift und schlie\u00dflich in der Genese des Jokers endet.<\/p>\n<p>In entscheidenden Momenten, wie der Auftaktszene oder der finalen Auseinandersetzung, kann sich Bolland vollst\u00e4ndig ohne Dialog entfalten und entwickelt Szenenabfolgen, die aus einem Kunstfilm der Stummfilm\u00e4ra stammen k\u00f6nnten, da die Handlung und die Bilder vollst\u00e4ndig f\u00fcr sich selbst sprechen. Durch diese bestechende Optik, charakterisiert durch Bollands klaren, dynamischen Strich, der den Joker mit Lippenstift, gro\u00dfen Augen und bunten Kost\u00fcmen (inkl. Hawaii-Shirt aus der H\u00f6lle!) fast als Drag Queen zeigt, auf der einen Seite und die zirkul\u00e4re, leitmotivische Komposition auf der anderen unterl\u00e4uft die Darstellung auf der Metaebene die inhaltliche, politisch korrekte Aussage: der Text suggeriert uns die beruhigende Botschaft, dass die Welt ein schlimmer Ort sein mag, aber dass es immer Auswege gibt, w\u00e4hrend die Form das zutiefst verst\u00f6rende Gegenteil in unserem Unterbewusstsein platziert. Diese Ambivalenz tr\u00e4gt zweifelsohne zur zeitlosen Faszination dieses Werks bei, das hier nicht nur neu koloriert und \u00fcbersetzt, sondern auch um zwei Vignetten aus der Feder Bollands erg\u00e4nzt aufgelegt wird: \u201eDie Entstehung des Jokers\u201c, geschrieben von <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2584\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mark Waid<\/a>, macht nochmals klar, dass es keine klare Origin-Story, sondern eine Vielfalt m\u00f6glicher Entstehungsgeschichten gibt, die der Joker in seinem Wahn vielleicht alle erfunden hat \u2013 was in der herausragenden Filmfassung \u201eThe Dark Knight\u201c durch Heath Ledger auf die Spitze getrieben wurde, der permanent andere, gleich kranke Geschichten zu seiner Herkunft auf Lager hatte.<\/p>\n<div id=\"attachment_5754\" style=\"width: 275px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5754\" class=\" wp-image-5754\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke_Dedicace.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"353\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke_Dedicace.jpg 285w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Killing-Joke_Dedicace-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><p id=\"caption-attachment-5754\" class=\"wp-caption-text\">Zeichnung von Brian Bolland (Comicfestival M\u00fcnchen 2011)<\/p><\/div>\n<p>Mit \u201eAn Innocent Guy\u201c (hier betitelt als \u201eEin ganz normaler Typ\u201c) lieferte Bolland schlie\u00dflich 1996 f\u00fcr die Kurzgeschichten-Sammlung \u201eBatman: Black And White\u201c eine zutiefst verst\u00f6rende Variante der Grundidee der Psychosen, die sich im biederen Alltag verstecken. Kombiniert mit einer ausf\u00fchrlichen Cover-Galerie, die Bollands Arbeiten f\u00fcr \u201eJoker: Last Laugh\u201c, \u201eBatman: <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3371\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gotham<\/a> Knights\u201c und andere Reihen versammelt, und einigen Originalskizzen zum \u201eKilling Joke\u201c \u2013 darunter auch das \u201eSelfie\u201c mit Kamera, das als Vorlage zum Cover diente, bei dem in der vorliegenden Ausgabe \u00fcbrigens das \u201eSmile\u201c des Jokers weggelassen wurde \u2013 erh\u00e4lt der geneigte Leser ein feines Kompendium, um diesen Klassiker neu oder wieder zu entdecken. Wer es noch hochwertiger sch\u00e4tzt, der greift zur mittlerweile ebenfalls erh\u00e4ltlichen Deluxe-Ausgabe, die als gro\u00dfformatiges Hardcover ordentlich etwas hermacht.<\/p>\n<p>Ach ja, zur\u00fcck zum Witzmacher: als wir Brian Bolland vor einigen Jahren direkt sprechen durften \u2013 was wir nat\u00fcrlich nur respektvoll per \u201eSir\u201c taten \u2013 erl\u00e4uterte er uns, dass das ausnahmsweise kein Wortspiel, sondern ein tats\u00e4chlich existierender, polnischer Hersteller von Kameras ist. Manchmal, das sagte ja schon Freud, ist die Zigarre eben nur eine Zigarre. Und der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3649\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Name des grinsenden Protagonisten<\/a> f\u00e4llt im ganzen Geschehen kein einziges Mal.<\/p>\n<p>Mehr zu den sprachlichen Waffeng\u00e4ngen des Jokers findet sich in meinem Aufsatz \u201eDie Funktion idiomatischer Wendungen in popul\u00e4rer Literatur am Beispiel Comicbook. Mit einer Beispielinterpretation von Alan Moores &#8218;The Killing Joke&#8217;\u201d in Sprachwissenschaft 21 (1996), S. 337-366. (hb)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.paninishop.de\/artikel\/ddchc013-batman-deluxe-killing-joke\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Batman Deluxe: The Killing Joke<\/a><br \/>\nText: Alan Moore<br \/>\nBilder: Brian Bolland<br \/>\n108 Seiten in Farbe, Hardcover, \u00dcberformat<br \/>\nPanini Comics<br \/>\n29,99 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-7416-0015-9<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D5742\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=5742\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Batman: The Killing Joke (Panini) &raquo; Comicleser #Alan Moore #Batman #Batman Deluxe #Brian Bol [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Witzmacher. 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