{"id":5431,"date":"2017-05-18T12:02:01","date_gmt":"2017-05-18T10:02:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5431"},"modified":"2017-05-18T12:02:01","modified_gmt":"2017-05-18T10:02:01","slug":"der-nasse-fisch-carlsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=5431","title":{"rendered":"Der nasse Fisch (Carlsen)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5432\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Der-nasse-Fisch.jpg\" alt=\"\" width=\"290\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Der-nasse-Fisch.jpg 290w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Der-nasse-Fisch-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/p>\n<p>Berlin, im Fr\u00fchjahr 1929. Unruhige Zeiten. Die Weimarer Republik steuert langsam auf ihr Ende zu. Kommunisten marschieren in den Stra\u00dfen und der Nationalsozialismus bekommt immer mehr Zulauf. Der junge und ehrgeizige Polizist Gereon Rath wurde gerade von K\u00f6ln in die Hauptstadt versetzt. Eigentlich wollte er zur Mordkommission des ber\u00fchmten Kommissars Ernst Gennat, landet aber bei der Sitte. Als ein Unbekannter, der vor seiner Ermordung offenbar noch gefoltert wurde, im Landwehrkanal gefunden wird, gelangt Rath zuf\u00e4llig an Informationen \u00fcber den Fall, die er jedoch vorerst f\u00fcr sich beh\u00e4lt. Er l\u00e4sst die Polizei weiter hinsichtlich T\u00e4ter, Motiv und Identit\u00e4t des Toten im Dunkeln tappen und ermittelt auf eigene Faust, um so im Erfolgsfall zur Mordkommission \u00fcberwechseln zu k\u00f6nnen. Tats\u00e4chlich wird Gennat auf den eifrigen Polizisten aufmerksam. Und Rath findet sich bald in einem Ermittlungs-Gewirr aus verschollenem russischen Gold und korrupten Kollegen wieder und ger\u00e4t schlie\u00dflich selbst in die Schusslinie\u2026<\/p>\n<p>Arne Jysch erregte bereits mit seiner ersten Graphic Novel \u201eWave and Smile\u201c, die den deutschen Afghanistan-Einsatz thematisierte und ebenfalls bei Carlsen erschien, Aufmerksamkeit. Jetzt pr\u00e4sentiert er eine Comic-Adaption des gleichnamigen Buches von Volker Kutscher. \u201eDer nasse Fisch\u201c ist Kutschers erstes Werk mit seinem Kommissar Gereon Rath, der inzwischen bereits in sechs Romanen ermittelt. Dazu entsteht gerade eine 16-teilige TV-Serie mit dem (vorl\u00e4ufigen) Titel \u201eBerlin Babylon\u201c, die ebenfalls die F\u00e4lle Raths zum Thema hat. Regie der aufw\u00e4ndig produzierten Reihe (Budget: 40 Millionen Euro!) f\u00fchrt Tom Tykwer (Lola rennt, Das Parf\u00fcm, Cloud Atlas). Der Sendestart ist f\u00fcr den Herbst geplant.<\/p>\n<p>Jysch und Kutscher lassen Kommissar Rath im Roman und im Comic nicht nur vor einer Zeitenwende ermitteln. Vielmehr spielt der geschichtliche Hintergrund eine wichtige Rolle in der Handlung. So werden die Mai-Unruhen (auch Blutmai genannt) von 1929 thematisiert, als das radikale Vorgehen der Polizei gegen die Demonstranten zahlreiche Todesopfer forderte. Dann spielen die noch immer zarentreuen Exilrussen eine Rolle, wie auch die politisch noch starken Kommunisten. Auch die <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4380\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nazis<\/a> pr\u00e4gen immer mehr die politische und gesellschaftliche Landschaft. Dazu kommen authentische Milieu-Darstellung und als I-T\u00fcpfelchen die historische Berliner Mordkommission, die damals gegen Ende der Goldenen Zwanziger unter der Leitung von Ernst Gennat internationale Ber\u00fchmtheit erlangte. Denn Gennat, den man aufgrund seiner Leibesf\u00fclle auch <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=479\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eBuddha\u201c<\/a> nannte, f\u00fchrte moderne Ermittlungsmethoden ein und erreichte so eine f\u00fcr die damalige Zeit traumhafte Aufkl\u00e4rungsquote von \u00fcber 90 % bei allen Mordf\u00e4llen.<\/p>\n<p>So breitet sich dem Leser ein detailgetreues, historisch genau reproduziertes und akribisch recherchiertes Portrait von Stadt und Gesellschaft aus. Rath ermittelt in feinen Kreisen wie auch in den Ringvereinen, den Gangs der Unterwelt. Er hangelt sich von Hinweis zu Hinweis, kombiniert geschickt und setzt immer mehr Puzzleteile zusammen. Dabei trifft er st\u00e4ndig auf vermeintliche Nebenpersonen, die dann sp\u00e4ter in ganz anderem Licht erscheinen. Die Handlung vergisst nichts und niemanden. Alles h\u00e4ngt irgendwie zusammen. Am Ende pr\u00e4sentiert die Story einen echten Showdown, der in eine handfeste \u00dcberraschung m\u00fcndet. Am ehesten l\u00e4sst sich der Band \u2013 optisch wie inhaltlich, als auch atmosph\u00e4risch \u2013 als Mischung aus zeitgen\u00f6ssischen Milieu- und Gangsterst\u00fccken, Noir-Werken wie dem Malteser Falken und der Aufkl\u00e4rungsarbeit von <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5185\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Leo Malets Inspektor Burma<\/a> vergleichen. Fast erwartet man, Peter Lorre aus Fritz Langs \u201eM\u201c w\u00fcrde irgendwann um eine d\u00fcstere Ecke huschen oder Doktor Mabuse w\u00fcrde in eine seiner zahlreichen Verkleidungen schl\u00fcpfen. Tats\u00e4chlich gibt es einen Unterweltboss namens Doktor M. (der hier zwar Marlow heisst), was man getrost als Hommage verstehen kann. Das omin\u00f6se Russengold ist der McGuffin, der Ausl\u00f6ser und Motor der Geschichte und die akribische Ermittlungsarbeit, sowie die nicht wenigen Nebencharaktere, die allesamt eine Rolle im Fall spielen, erinnern an die F\u00e4lle Nestor Burmas.<\/p>\n<p>Allein die charakteristischen Konturen des Hauptakteurs Kommissar Gereon Rath k\u00f6nnten etwas sch\u00e4rfer geschnitten sein. Stets bleibt er etwas blass, irgendwo zwischen Draufg\u00e4nger mit Sp\u00fcrnase und Kombinationsgabe und skrupelloser Karrierist, der sich nicht scheut, die Hierarchie zu durchbrechen und sich direkt an den Polizeipr\u00e4sidenten zu wenden, wenn es seinem Werdegang und einen Zielen f\u00f6rderlich und dienlich erscheint. Kein hundertprozentiger Sympathietr\u00e4ger. Zeichnerisch leistet Jysch hervorragende Arbeit: die Personen und deren Gesichter sind in feinem Schwarz-Wei\u00df herausgearbeitet und dabei markant geschnitten. Das historische Berlin fungiert als heimlicher Hauptdarsteller (wie Paris bei Malets Burma). \u00dcberhaupt scheint Berlin die deutsche \u201eComicstadt\u201c schlechthin zu sein. Zuletzt \u2013 auch bei Carlsen \u2013 erz\u00e4hlte Reinhard Kleist seine <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4139\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eBerliner Mythen\u201c<\/a> (zuvor lie\u00df er in <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1175\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eBerlinoir\u201c Vampire<\/a> auf die Stadt los). Jason Lutes\u2018 \u201eBerlin\u201c spielt zur gleichen Zeit wie \u201eDer Nasse Fisch\u201c (inkl. Thematisierung des Blutmais). Auch bekannte Zeichner wie Dirk Schulz (\u201eIndigo\u201c) und Marvano (\u201eDer ewige Krieg\u201c) pr\u00e4sentierten bereits Berlin-Comics. Insofern f\u00fchrt Arne Jysch hier eine Tradition gelungen fort. (bw)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.carlsen.de\/hardcover\/der-nasse-fisch\/54504\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Der nasse Fisch<\/a><br \/>\nText: Arne Jysch, nach Volker Kutscher<br \/>\nBilder: Arne Jysch<br \/>\n216 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nErko Verlag<br \/>\n17,99 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-551-78248-9<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D5431\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=5431\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Der nasse Fisch (Carlsen) &raquo; Comicleser #Arne Jysch #Berlin #Carlsen #Carlsen Verlag #Der nas [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, im Fr\u00fchjahr 1929. Unruhige Zeiten. Die Weimarer Republik steuert langsam auf ihr Ende zu. 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