{"id":4989,"date":"2017-01-26T14:33:37","date_gmt":"2017-01-26T12:33:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4989"},"modified":"2017-01-26T14:33:37","modified_gmt":"2017-01-26T12:33:37","slug":"die-leichtigkeit-carlsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=4989","title":{"rendered":"Die Leichtigkeit (Carlsen)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4990\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Leichtigkeit.jpg\" alt=\"\" width=\"295\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Leichtigkeit.jpg 295w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Leichtigkeit-221x300.jpg 221w\" sizes=\"auto, (max-width: 295px) 100vw, 295px\" \/><\/p>\n<p>Paris, 7. Januar 2015. Die Zeichnerin Catherine hat Liebeskummer: Ihr Freund hat ihr klargemacht, dass er seine Frau definitiv nicht f\u00fcr sie verlassen wird. Das raubt Catherine den Schlaf, sie kommt zu sp\u00e4t aus den Federn und verpasst den Bus. Damit kommt sie auch nicht rechtzeitig zur Redaktionssitzung des Satire-Blattes, f\u00fcr das sie arbeitet: Charlie Hebdo. Als sie sich dem Geb\u00e4ude n\u00e4hert, h\u00e4lt man sie auf, es gebe eine Geiselnahme, Sch\u00fcsse fallen, die Katastrophe nimmt ihren Lauf.<\/p>\n<p>Vollkommen bet\u00e4ubt machen sich die \u00dcberlebenden bald danach wieder an die Arbeit, man bringt aus Trotz eine neue Ausgabe heraus \u2013 aber nach der abschlie\u00dfenden Sitzung f\u00e4llt Catherine in eine tiefe Krise. Sie verliert den Realit\u00e4tsbezug, Alptraum und Wirklichkeit verschwimmen. Ihr Psychiater erkl\u00e4rt ihr, ihr Gehirn ziehe sich auf einen typischen Schutzmechanismus zur\u00fcck: in einer Dissoziation verhindert ihr Geist, dass sie sich mit den Geschehnissen auseinandersetzt. Um zu sich selbst zur\u00fcckzufinden, unternimmt Catherine eine Reise durch Kunst und Kultur, ihre Freunde verfrachten sie ans Meer nach Carbourg, zur Wirkungsst\u00e4tte ihres Lieblingsautors Marcel Proust, sie durchstreift die Galerien des Louvre und f\u00e4hrt sogar zur Villa Medici \u2013 ganz nach dem Prinzip Stendhals, sich von Sch\u00f6nheit \u00fcberw\u00e4ltigen zu lassen, immer auf der Suche nach der Leichtigkeit, der Freundschaft und der Sch\u00f6nheit, die ihr das Attentat f\u00fcr immer geraubt zu haben scheint\u2026<\/p>\n<p>Die Charlie Hebdo-Mitarbeiterin Catherine Meurisse entkam durch schieren Zufall dem \u00dcberfall, den ein Terrorkommando 2015 auf die Redaktion des Blattes ver\u00fcbte. In dieser autobiographischen Graphic Novel arbeitet sie das Trauma auf, das die Bluttat in ihr hinterlie\u00df: die Schuldgef\u00fchle, die Frage nach dem Warum, das Urvertrauen und die Sehnsucht nach der Unbeschwertheit, die bis vor den Ereignissen des Januar so selbstverst\u00e4ndlich schien. In assoziativen, stilisierten Bildabfolgen erz\u00e4hlt Meurisse in reduziertem, fast cartoonhaftem Stil ihren Versuch, \u00fcber die von ihr so geliebten Kunstobjekte die emotionale Stabilit\u00e4t wiederzuerlangen, die sie verloren hat. Dabei findet sie eine deutliche Sprache, die den Fokus zu Recht weg von den T\u00e4tern hin auf die Opfer legt: die Motive seien ihr eigentlich gleichg\u00fcltig, solange auch die M\u00f6rder selbst zu Tode gekommen seien; und sie wundert sich, warum man von \u201e\u00dcberfall\u201c oder \u201eAttentat\u201c spricht, wo es sich doch um ein grausames Massaker gehandelt habe.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit dem Kollegen Philippe Lancon, der den Anschlag schwer verletzt \u00fcberlebte und auch das Vorwort liefert, versucht Catherine dennoch den Weg zur\u00fcck ins Leben zu finden \u2013 eine Geschichte, die tief anr\u00fchrend die Verwundungen sp\u00fcrbar macht, die Gewaltakte, die allabendlich \u00fcber die Fernsehbildschirme flimmern, bei den Betroffenen und \u00dcberlebenden gleicherma\u00dfen ausl\u00f6sen. Umso mehr beeindruckt die hoffnungsvolle, positive Note, auf die das Werk endet: am Strand sitzend schw\u00f6rt sich Meurisse, jedes kleine Zeichen von Sch\u00f6nheit zu beachten, was sie letztendlich rettet. Mit \u201eDie Leichtigkeit\u201c (im Original passend \u201eLa L\u00e9g\u00e9r\u00e9t\u00e9\u201c, erschienen bei Dargaud) legt Catherine Meurisse, die nach der Attacke auf Charlie Hebdo das Magazin verlie\u00df, um eine Comic-Karriere einzuschlagen, ihre erste Graphic Novel vor, die bei Carlsen sch\u00f6n eingerichtet im hochwertigen Hardcover-Format erscheint. (hb)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.carlsen.de\/hardcover\/die-leichtigkeit\/83030\" target=\"_blank\">Die Leichtigkeit<\/a><br \/>\nText &amp; Bilder: Catherine Meurisse<br \/>\n144 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nCarlsen Verlag<br \/>\n19,99 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-551-73424-2<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D4989\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=4989\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Die Leichtigkeit (Carlsen) &raquo; Comicleser #Carlsen #Catherine Meurisse #Charlie Hebdo #Dargaud [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paris, 7. Januar 2015. Die Zeichnerin Catherine hat Liebeskummer: Ihr Freund hat ihr klargemacht, dass er seine Frau definitiv nicht f\u00fcr sie verlassen wird. 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