{"id":4024,"date":"2016-05-10T10:27:22","date_gmt":"2016-05-10T08:27:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4024"},"modified":"2016-05-10T10:27:22","modified_gmt":"2016-05-10T08:27:22","slug":"der-grosse-schwindel-erko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=4024","title":{"rendered":"Der grosse Schwindel (Erko)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4025\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Der-grosse-Schwindel.jpg\" alt=\"Der grosse Schwindel (Erko)\" width=\"288\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Der-grosse-Schwindel.jpg 288w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Der-grosse-Schwindel-216x300.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/p>\n<p>Irgendwann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, in der kleinen verkommenen wie korrupten Bananenrepublik La Colonia in S\u00fcdamerika. Hier lebt der ehemalige Polizist Donald Reynoso, der in billigen Spelunken seine gescheiterte Karriere zu ertr\u00e4nken versucht. Ausgerechnet ihn sucht eine attraktive junge Dame auf, die sich sogleich als Melinda Centurion, die \u201eHeilige Jungfrau\u201c, entpuppt. Die ist die (unfreiwillige) M\u00e4tresse ihres Onkels, des Pr\u00e4sidenten, den man auch die \u201egro\u00dfe Marionette\u201c nennt. Der Staatsautor (\u201eSchreiber des Volkes\u201c) Milton Bates stilisierte sie auf Gehei\u00df der Marionette zur Wunder tuenden Jungfrau, um so dem Volk Keuschheit beizubringen. Die (geplante und doch weit hergeholte) Folge: weniger Kinder und damit weniger Zulauf f\u00fcr die Rebellen, die sich als Guerillas in den H\u00fcgeln um La Colonia verbergen.<\/p>\n<p>Melinda hat ein Problem: sie wird erpresst. Anonym erh\u00e4lt sie kompromittierende Fotos, die sie mit einem Minister bei einem eindeutigen Stelldichein zeigen. Dieser Minister ist Pedro Reynoso-Artus, Donalds Halbbruder, mit dem er heillos zerstritten ist. Nat\u00fcrlich erliegt Donald den Reizen Melindas und ermittelt in der Sache. Bald stellt sich heraus, dass die Fotos der schurkische Deutsche Reiner von Fritz (!) machte und verschickte, und zwar aus Rache, weil er dereinst von Melinda abgewiesen wurde. Zu ihrem Schutz versteckt Donald seine neue Flamme und versucht zwischen seinem Halbbruder und von Fritz zu vermitteln, was nicht funktioniert. Stattdessen erf\u00e4hrt er, dass die \u201egro\u00dfe Marionette\u201c ihm den gef\u00fcrchtetsten Killer des Staates auf den Hals gehetzt hat: den Leguan. Jetzt zieht sich das Netz um Donald und Miranda immer enger und ausgerechnet Autor Milton Bates k\u00f6nnte eine rettende, wenn auch h\u00f6chst riskante Idee haben\u2026<\/p>\n<p>Was als beinahe klassische Noir Story beginnt, mit exotischem Setting, <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=687\" target=\"_blank\">hardboiled Detective<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2195\" target=\"_blank\">Femme Fatale<\/a>, die einander hoffnungslos verfallen, wandelt sich bald. Mit dem Chef-Killer Leguan halten groteske Elemente Einzug in die Handlung. V\u00f6llig \u00fcberzeichnet, beinahe parodistisch \u2013 h\u00e4sslich wie die Nacht, inklusiver gespaltener Zunge und \u00fcbermenschlichem Geruchs- und Sp\u00fcrsinn \u2013 bestimmen er, bzw. die Flucht vor ihm, weite Teile der Handlung. Eine Kehrtwende, die man als Leser etwas ratlos hinnimmt. Andererseits geht vom Leguan ob seines kompromisslosen Vorgehens und seines grausamen Wesens eine gewisse Faszination aus. Am Ende steht dann ein Drama von beinahe Shakespeare\u2019schen Ausma\u00dfes, welches nur Verlierer hervorbringt. Auch sonst bietet der Band stereotype Figuren, von der gutherzigen Puffmutter, \u00fcber einen fettleibigen Pr\u00e4sidenten in Fantasie-Uniform zum h\u00e4sslichen Deutschen, der samt Komiss-Frisur und Monokel an Erich von Stroheim erinnert.<\/p>\n<p>Zwei Kunstgriffe, bzw. Stilmittel, mit denen die Autoren mit dem Leser spielen, verbl\u00fcffen: diverse Charaktere, wie Milton Bates, wenden sich direkt an den Leser, scheinen bei dieser Interaktion auf einer B\u00fchne zu stehen und berichten \u00fcber ihre Vergangenheit oder die der Hauptpersonen. So werden zuerst die Figuren eingef\u00fchrt, charakterisiert und deren Vita geschildert, womit sie in der Story positioniert werden. Sp\u00e4ter rufen diese Charaktere auch Warnungen und Kommentare an den Leser aus, was das dramatische Ende der Geschichte einl\u00e4utet. Neben diesem Durchbrechen der vierten Wand lassen Trillo und Mandrafina die Nacht nicht enden, ehe die Geschichte komplett erz\u00e4hlt wird. \u00dcber 40 Stunden dauert die Nacht dann schon an \u2013 v\u00f6llig ohne dass erkl\u00e4rt wird, wieso \u2013 und Milton Bates wird sogar gezwungen, sich im Rahmen der \u00fcblichen Propaganda einen poetischen Firlefanz auszudenken, um das Volk zu beruhigen (was nebenbei bemerkt auch klappt). Erst als das Finale beendet ist, f\u00e4llt der Vorhang, wird es wieder Tag.<\/p>\n<p>Die beiden Argentinier, der Autor Carlos Trillo (der leider bereits 2011 verstarb) und der Zeichner Domingo Roberto Mandrafina kennt man auch in Deutschland. Vor allem Trillo, in Angoul\u00eame und <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1632\" target=\"_blank\">Erlangen<\/a> preisgekr\u00f6nt, machte sich mit \u201eFulu\u201c (im alten Splitter Verlag) und \u201eVampire Boy\u201c (bei Cross Cult) einen Namen. Eine weitere Zusammenarbeit der beiden ist der Zweiteiler \u201eDragger\u201c, der Mitte der Neunziger bei Arboris erschien. In detailreichen, eleganten Bildern, die bestens zum Zeitkolorit passen und die in der Tradition von Zeichnern des spanischen Sprachraums, wie Jordi Bernet oder Alfonso Azpiri stehen, erz\u00e4hlen Trillo und Mandrafina eine ungew\u00f6hnliche Geschichte \u00fcber brutale M\u00e4nner und leidende Frauen, die tats\u00e4chlich von diversen gro\u00dfen Schwindeln durchzogen ist, sei es die vermeintliche heilige Jungfrau, oder f\u00fcr Ex-Cop Donald Reynoso das Leben selbst. (bw)<\/p>\n<p>Der grosse Schwindel<br \/>\nText: Carlos Trillo<br \/>\nBilder: Domingo R. Mandrafina<br \/>\n128 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nErko Verlag<br \/>\n24,95 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-90-89821-02-7<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D4024\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=4024\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Der grosse Schwindel (Erko) &raquo; Comicleser #Carlos Trillo #Der grosse Schwindel #Domingo R. Ma [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irgendwann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, in der kleinen verkommenen wie korrupten Bananenrepublik La Colonia in S\u00fcdamerika. Hier lebt der ehemalige Polizist Donald Reynoso, der in billigen Spelunken seine gescheiterte Karriere zu ertr\u00e4nken versucht. 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