{"id":3922,"date":"2016-04-16T13:25:19","date_gmt":"2016-04-16T11:25:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3922"},"modified":"2016-04-21T09:45:04","modified_gmt":"2016-04-21T07:45:04","slug":"im-eisland-band-3-hinstorff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=3922","title":{"rendered":"Im Eisland, Band 3 (Hinstorff)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3923\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Im-Eisland-3.jpg\" alt=\"Im Eisland, Band 3 (Hinstorff)\" width=\"292\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Im-Eisland-3.jpg 292w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Im-Eisland-3-219x300.jpg 219w\" sizes=\"auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px\" \/><\/p>\n<p>Inzwischen schreiben wir den Winter 1847\/48. Sir John Franklin, der Expeditionsleiter, <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3357\" target=\"_blank\">ist seit einem halben Jahr tot<\/a>. Seine beiden Schiffe, die Terror und die Erebus, sind nordwestlich der King-William-Insel im arktischen Eis gefangen. Skorbut und andere Krankheiten schw\u00e4chen die 119 M\u00e4nner. Mit der Moral steht es nicht zum Besten. Langsam nehmen \u00dcberlegungen Gestalt an, die noch relativ sicheren Schiffe zu verlassen und sich nach S\u00fcden durchzuschlagen. Mindestens 800 Meilen zu Fu\u00df. Man beschlie\u00dft, die Beiboote mit schwerem Gep\u00e4ck \u00fcber das Eis zu ziehen und macht sich auf den beschwerlichen Weg. Dann bricht pl\u00f6tzlich wider Erwarten das Eis auf und man eilt zur\u00fcck auf die Schiffe. Doch deren eisfreie Fahrt nach S\u00fcden ist schon nach wenigen Meilen zu ende. Das Packeis ist zu dicht. Wieder gefangen. Derweil schwenkt die Handlung <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2628\" target=\"_blank\">erstmals zur\u00fcck nach England<\/a>. Da man dort nach nun drei Jahren noch ohne jegliche Nachricht von der Expedition ist, schickt man \u2013 auch auf Dr\u00e4ngen von Lady Franklin \u2013 erste Suchexpeditionen auf den Weg.<\/p>\n<p>Mittlerweile wird die Lage der M\u00e4nner im Eis immer dramatischer. Francis Crozier, Kapit\u00e4n der Terror, nimmt sich das Leben. Inzwischen ist der Tod allgegenw\u00e4rtig. Man verl\u00e4sst die Terror und schlachtet sie aus, ehe sie vom Eis zermalmt wird. Brennholz wird dringend ben\u00f6tigt. Im Mai 1850, nach f\u00fcnf Wintern im Eis, gibt man die Erebus endg\u00fcltig auf und macht sich erneut auf den aussichtslosen Weg nach S\u00fcden. Es gibt keine Alternative mehr. Skorbut und Mangelerscheinungen zerm\u00fcrben und schw\u00e4chen die Mannschaften. W\u00e4hrend von allen Seiten weitere Suchexpeditionen in die Arktis eindringen und dabei zum Teil selbst in Not geraten, verlieren sich die Spuren der letzten \u00dcberlebenden der Franklin Expedition im Eis. Die greifen in ihrer Verzweiflung zu einem letzten Mittel: Kannibalismus. Trotzdem wird niemand \u00fcberleben. In den Jahren und Jahrzehnten darauf findet man Hinterlassenschaften der Expedition und versucht bis heute, deren Ende zu rekonstruieren.<\/p>\n<p>Der allergr\u00f6\u00dfte Teil der hier im abschlie\u00dfenden Band der dreiteiligen Graphic Novel \u00fcber die Franklin-Expedition geschilderten Geschehnisse ist fiktiv. Er muss es auch sein. Denn au\u00dfer einer Nachricht, die viel sp\u00e4ter im Jahre 1859 eine der zahlreichen Suchexpeditionen in einem Steinmal auf der King-William-Insel fand, sind von der Besatzung der Terror und der Erebus keine Aufzeichnungen erhalten. Man wei\u00df nicht, wie und wann die Schiffe aufgegeben wurden. Oder ob Crozier Selbstmord beging. In wie vielen Gruppen die \u00dcberlebenden nach S\u00fcden zogen. Wie weit sie kamen. Fest steht nur: niemand \u00fcberlebte die verh\u00e4ngnisvolle Forschungs- und Entdeckungsreise. Alles was man heute wei\u00df, basiert auf Vermutungen und Indizien, die sich einmal auf die Funde st\u00fctzen, die man in den darauf folgenden Jahren und Jahrzehnten machte (bis heute: die Erebus wurde erst im September 2014 auf dem Meeresgrund geortet, was die Franklin-Forschung erneut befeuert). Ansonsten bleiben diverse Hinterlassenschaften der M\u00e4nner, die verzweifelt nach S\u00fcden zogen. Und deren Knochen. Zum anderen gelangte man an Informationen \u00fcber die Berichte der Eskimos, die immer wieder Kontakt mit Expeditionsmitgliedern hatten oder diese auf ihrem Weg nach S\u00fcden beobachteten. Und die diverse Gegenst\u00e4nde besa\u00dfen, welche sie bei den Toten gefunden hatten.<\/p>\n<p>Dass Kristina Gehrmann das Dilemma um dieses \u201eInformations-Vakuum\u201c perfekt gel\u00f6st hat sieht man daran, dass man beim Lesen stets denkt, so k\u00f6nnte \u2013 ja genau so m\u00fcsste es gewesen sein. Die einzelnen Episoden, die Handlungen und Entscheidungen der Offiziere und der Besatzung bleiben stets schl\u00fcssig und nachvollziehbar. So werden die verschiedenen Sichtungen von Besatzungsmitgliedern durch die Eskimos an unterschiedlichen Orten erkl\u00e4rt, und auch der Fundort der Erebus, der weiter s\u00fcdlich ist, als auf der Nachricht, die man fand, angegeben. Die Autorin sammelte akribisch alle verf\u00fcgbaren Fakten und Aufzeichnungen der Rettungsexpeditionen (so wies man im britischen Empire erste Berichte \u00fcber Kannibalismus emp\u00f6rt und entschieden zur\u00fcck), weshalb Spekulation und Tatsachen hier eine plausible Einheit bilden. Gehrmann gibt der Trag\u00f6die und den Menschen, die diese durchlebt haben und daran zugrunde gegangen sind, ein Gesicht, wodurch deren ersch\u00fctterndes Schicksal umso intensiver wird. Dabei bleibt sie auch hier ihrem an den Manga angelehnten Zeichenstil treu, bringt dazwischen aber immer wieder realistische Gro\u00dfaufnahmen der Gesichter der Offiziere und Besatzungen, in denen sich der erschreckende k\u00f6rperliche Verfall widerspiegelt. Dass ausgerechnet die Suchmannschaften schlie\u00dflich die Nordwestpassage, deren Finden und Durchfahren das Ziel der Franklin-Expedition war, erstmals komplett durchquerten, bleibt angesichts des Dramas eine ironische Randnotiz der Geschichte. (bw)<\/p>\n<p>Im Eisland, Band 3: Verschollen<br \/>\nText &amp; Bilder: Kristina Gehrmann<br \/>\n272 Seiten in Schwarz-Wei\u00df, Softcover, Buchformat<br \/>\nHinstorff Verlag<br \/>\n18,99 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-356-02024-3<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D3922\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=3922\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Im Eisland, Band 3 (Hinstorff) &raquo; Comicleser #Die Franklin-Expedition #Graphic Novel #Hinstor [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inzwischen schreiben wir den Winter 1847\/48. Sir John Franklin, der Expeditionsleiter, ist seit einem halben Jahr tot. Seine beiden Schiffe, die Terror und die Erebus, sind nordwestlich der King-William-Insel im arktischen Eis gefangen. 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