{"id":1563,"date":"2014-05-26T14:29:13","date_gmt":"2014-05-26T12:29:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1563"},"modified":"2020-10-01T14:27:30","modified_gmt":"2020-10-01T12:27:30","slug":"der-fall-e-p-jacobs-carlsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=1563","title":{"rendered":"Der Fall E.P. Jacobs (Carlsen)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1564\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Der-Fall-EP-Jacobs.jpg\" alt=\"Der Fall E.P. Jacobs\" width=\"298\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Der-Fall-EP-Jacobs.jpg 298w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Der-Fall-EP-Jacobs-223x300.jpg 223w\" sizes=\"auto, (max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><\/p>\n<p>Edgar Pierre Jacobs? Klar, kennt man als interessierter Comicleser. Der hat Blake und Mortimer geschrieben und gezeichnet. Und war Operns\u00e4nger. Aber wie passt das denn zusammen? Macht das nicht neugierig? Was f\u00fcr ein Leben f\u00fchrte der Mann, der zwei so k\u00fcnstlerische und doch v\u00f6llig unterschiedliche Berufe hatte? Eine neue Comic-Biographie bringt Licht ins Dunkel und deckt dabei das ganze Leben des ber\u00fchmten Zeichners ab \u2013 \u00e4hnlich wie wir das schon von \u201eDie Abenteuer von Herg\u00e9\u201c kennen.<\/p>\n<p>Jacobs wurde 1904 in Br\u00fcssel geboren und interessierte sich schon bald f\u00fcr das Zeichnen und klassische Musik. Wenn man so will, fuhr er schon sehr fr\u00fch \u201azweigleisig\u2018. So besuchte er in jungen Jahren Opern oder das Kino (Das Cabinet des Doktor Caligari). Dann startete er als Komparse im Theater und zeichnete u.a. Kaufhauskataloge. Ende der Zwanziger Jahre schien es als w\u00fcrde er sich f\u00fcr den Gesang entscheiden. Er bekam ein Engagement an der Oper in Lille als Bariton. Dort lie\u00df er sich auch mit seiner Frau nieder. Nach der R\u00fcckkehr ins von den Deutschen besetzte Br\u00fcssel gingen kriegsbedingt die Anstellungen an der Oper zu ende. V\u00f6llig \u00fcberraschend, quasi aus dem Stand heraus bekam er einen Job bei einer Jugendzeitschrift, wo er erstmals mit dem Comic in Ber\u00fchrung kam: nach Ausbleiben des US-Materials \u00fcbernahm er Flash Gordon und kreierte anschlie\u00dfend, auch aus der Not heraus, mit \u201eDie U-Strahlen\u201c (erschien 1992 bei Carlsen erstmals auf Deutsch) einen Flash Gordon Klon. Dann traf er Herg\u00e9 und kolorierte einige seiner <a title=\"Tim und Struppi, Band 1 (Carlsen)\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1094\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Tim und Struppi<\/a> Alben. Nach dem Krieg wurde Tintin gegr\u00fcndet, jenes legend\u00e4re Comic-Magazin, das Heimat von Tim und Struppi wurde. Dort erschien auch erstmals Blake und Mortimer und wurde schnell ein gro\u00dfer Erfolg (Blake und Mortimer, Jacobs\u2018 Helden, das sind der Chef des britischen Geheimdienstes und ein Atom-Physiker. Ihr Gegenspieler ist Colonel Olrik). Die Zusammenarbeit mit Herg\u00e9 ging in die Br\u00fcche \u2013 Jacobs verlangte als Co-Autor genannt zu werden, nachdem er immer st\u00e4rker in den Schaffensproze\u00df involviert war. Er widmete sich jetzt nur noch dem Comic, seine Serie etablierte sich. Wir begleiten ihn auf seinen Recherchen (er besuchte gerne die Orte, an denen seine geplante Geschichten spielten) und bei seinem Lebensabend, der auch \u2013 wie bei Herg\u00e9 \u2013 von Depressionen gepr\u00e4gt war. Mit Jacobs Gesundheit stand es nicht mehr zum Besten, er gab das Zeichnen auf, lebte einsam und zur\u00fcckgezogen in seinem Haus 20 km vor Br\u00fcssel. Dort starb er am 20. Februar 1987. Blake und Mortimer zeichnete und textete er von 1946 bis 1971. Es entstanden zehn Alben, eines davon unvollendet.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Herg\u00e9 als Sch\u00f6pfer des <a title=\"Margots Reportagen: Das Geheimnis des 22 CV (Salleck)\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=259\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ligne claire<\/a> Stils gilt und komische Elemente (und einen sprechenden Hund) in seine Comics integrierte, brachte Jacobs der Ligne claire detaillierten Realismus bei (wobei er auch auf SF-Elemente zur\u00fcckgriff). Eine gewagte These: Herg\u00e9 erfand den Ligne claire Stil, Jacobs machte ihn erwachsen. So musste der k\u00fcnstlerische Output Jacobs\u2018 den aufwendigen Vor-Ort-Recherchen und dem hohen realistischen Zeichenaufwand Tribut zollen (Das Album \u201eDie teuflische Falle\u201c durfte aufgrund von \u2013 aus damaliger Sicht \u2013 realistischer Gewaltdarstellung nicht in Frankreich erscheinen). Nur zehn Blake und Mortimer Alben in knapp 25 Jahren. Ein \u00fcberschaubares Werk, das trotzdem zum Klassiker wurde. Qualit\u00e4t setzt sich eben durch. Dabei gilt die Serie nicht als Konkurrenz von Tim und Struppi, auch wenn das Herg\u00e9 in dem Band durchaus anders sieht.<\/p>\n<p>Die Biographie zeichnet die wichtigsten Stationen und (bekannten) Episoden in Jacobs\u2018 Leben nach. Auch seinem Freunden, Mitstreitern bei Tintin, wie Jacques Laudy und Jacques van Melkebeke, deren Aussehen f\u00fcr Blake und Mortimer Pate stand, wird Platz einger\u00e4umt. Der Band bleibt stets sachlich, ist nicht spekulativ und interpretiert kaum. Er h\u00e4lt sich an bekannte Fakten und wirkt dabei \u00fcberraschenderweise kein bi\u00dfchen langweilig. Nat\u00fcrlich sollte man sich f\u00fcr das Sujet interessieren, aber genau wie bei der Comic-Biographie \u00fcber Herg\u00e9 wird der Leser bestens unterhalten und dabei mit wertvollen Informationen \u00fcber einen klassischen Autor des frankobelgischen Comics versorgt. Die Zeichnungen bestehen aus gro\u00dfen, realistischen Panels und k\u00f6nnen eine Verwandtschaft mit dem Ligne claire Stil nicht leugnen. Dabei lassen sich viele Details entdecken \u2013 so steht bei einem Treffen mit Herg\u00e9 eine Flasche Loch Lomond Whisky im Bild, das Leibgetr\u00e4nk Kapit\u00e4n Haddocks. Und das opulente Cover mit seinen zahlreichen Anspielungen auf Jacobs\u2018 Werke, macht Fans sofort neugierig. Ein l\u00e4ngeres Interview mit Rodolphe, das von Skizzen- und Seitenentw\u00fcrfen begleitet wird, rundet den dicken Softcover-Band ab.<\/p>\n<p>Jahre nach seinem Tod wurde Blake und Mortimer wiederbelebt (Jacobs hatte nichts Gegenteiliges verf\u00fcgt) und erfolgreich von anderen Zeichenteams fortgef\u00fchrt. Die Alben, die alle den Geist der klassischen Geschichten atmen, werden dabei von Hochkar\u00e4tern wie Andr\u00e9 Juillard, Jean van Hamme oder Yves Sante gestaltet. Gerade ist Band 19 (Die Septimus-Welle) erschienen und bei Salleck ein sch\u00f6ner von Andre Juillard gestalteter Sonderband (Das letzte Kapitel), in dem sich die gealterten Helden noch einmal zu einem gemeinsamen Abenteuer zusammenfinden. (bw)<\/p>\n<p>Der Fall E.P. Jacobs \u2013 Ein Leben f\u00fcr den Comic<br \/>\nText: Rodolphe<br \/>\nBilder: Louis Alloing<br \/>\n112 Seiten in Farbe, Softcover<br \/>\nCarlsen Verlag<br \/>\n19,90 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-551-78626-5<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D1563\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=1563\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Der Fall E.P. Jacobs (Carlsen) &raquo; Comicleser #Blake und Mortimer #Carlsen #Der Fall E.P. 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