{"id":15256,"date":"2026-10-23T11:50:48","date_gmt":"2026-10-23T09:50:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=15256"},"modified":"2026-10-23T11:55:27","modified_gmt":"2026-10-23T09:55:27","slug":"und-dann-gabs-keines-mehr-carlsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=15256","title":{"rendered":"Und dann gab\u2019s keines mehr (Carlsen)"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"292\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Und-dann-gabs-keines-mehr_WEB.jpg\" alt=\"Agatha Christie Classics: Und dann gab\u2019s keines mehr (Carlsen Verlag)\" class=\"wp-image-15257\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Und-dann-gabs-keines-mehr_WEB.jpg 292w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Und-dann-gabs-keines-mehr_WEB-219x300.jpg 219w\" sizes=\"auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Gastfreundschaft muss nicht immer etwas Gutes sein. Das erfahren die nur scheinbar zuf\u00e4llig zusammenw\u00fcrfelten Besucher, die sich im Jahr 1939 auf den Weg nach Soldier\u2019s Island machen. Jeder wurde unter einem anderen Vorwand von einem gewissen Mr. Owen kontaktiert: man k\u00f6nne alte Freunde treffen, ein lukrativer Auftrag winkt, Butlerdienste werden verlangt. So trifft sich am Pier eine bunte Gesellschaft, bestehend aus ex-Richter Wargrave, Captain Philip Lombard, General John Gordon MacArthur, Arzt Dr. Edward George Armstrong, Lebemann Anthony James Marston, der jungen Vera Claythorne, der fr\u00f6mmelnden Emily Brent und dem Detektiv William Blore. Man setzt auf die einsame Insel \u00fcber, auf der bis auf ein geschmackvoll eingerichtetes Herrenhaus nichts und niemand zu finden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Empfangen wird die Reisegruppe von Butler Thomas Rogers und seiner Frau Ethel, die ebenfalls per Brief von Mr. Owen engagiert wurden \u2013 der sich allerdings erst einmal entschuldigen l\u00e4sst. Als man die feudalen G\u00e4stezimmer bezieht, stellt man staunend fest, dass in jedem Raum der alte Kinderreim \u00fcber die Zehn kleinen Soldaten h\u00e4ngt, in dem in jeder Strophe ein Mitstreiter erledigt wird. Beim Abendessen lauert dann der gro\u00dfe Schockmoment: urpl\u00f6tzlich t\u00f6nt eine Stimme (ausgehend von einem Grammophon) durch den Raum, die jeden einzelnen Gast damit konfrontiert, absichtlich oder fahrl\u00e4ssig einen Mord begangen zu haben \u2013 was jeder Beschuldigte nat\u00fcrlich br\u00fcsk zur\u00fcckweist. Richter Wargrave beginnt zu ermitteln, man vergleicht die Briefe des Gastgebers und kommt zum Schluss, dass sich hinter dem Unterzeichner U. N. Owen schlichtweg Unknown, also Unbekannt, verbirgt.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend alle Anwesenden insgeheim die Wahrheit der Anschuldigungen beschleicht, schl\u00e4gt das Schicksal zu: der Bonvivant Marston stirbt vor aller Augen, offenbar vergiftet. Kurz darauf schl\u00e4gt auch Rogers Alarm \u2013 seine Frau Ethel verstirbt im Schlaf. Hinreichend in Panik, verbringen die restlichen acht eine unruhige Nacht, nur um am n\u00e4chsten Morgen festzustellen, dass das t\u00e4gliche Shuttleboot wegen Sturms nicht verkehrt \u2013 man sitzt fest, eine gr\u00fcndliche Suche ergibt, dass man alleine auf der Insel ist: der M\u00f6rder muss also aus den eigenen Reihen stammen. Als auch Rogers und Emily Brent gewaltsam zu Tode kommen, stellen die verbliebenen fest: die Morde geschehen nach Art und Reihenfolge des alten Kinderreims, am Ende dessen buchst\u00e4blich keiner \u00fcbrig bleibt\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Werk Agatha Christies, in dem weder Miss Marple noch Hercule Poirot in Erscheinung treten, gilt bis heute nicht nur als meistverkaufter (und nach einer Fanumfrage auch beliebteste) Kriminalroman aller Zeiten \u2013 auch das d\u00fcsterste und pessimistischste Epos der Queen of Crime haben wir hier vor uns. Christie selbst zufolge sei dieser Roman (auch wenn die Grundidee des hermetisch geschlossenen Raums ein durchg\u00e4ngiges Motiv in ihrem Oeuvre bildet, so etwa im <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=12285\" data-type=\"post\" data-id=\"12285\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eMord im Orient-Express\u201c<\/a> oder dem <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=13596\" data-type=\"post\" data-id=\"13596\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eTod auf dem Nil\u201c<\/a>) am schwierigsten und gleichzeitig perfektesten konstruiert, gewisserma\u00dfen ihr handwerkliches Meisterwerk: alle sind schuldig (\u00e4hnlich und doch anders als im Orient-Express, wo bekanntlich alle die T\u00e4ter sind), man ermittelt mehr oder weniger in Eigenregie, die sonst \u00fcblichen red herrings (also bewusst irref\u00fchrenden Hinweise) fehlen komplett, w\u00e4hrend die Reihen zunehmend dezimiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Inhaltlich und auch in der Art der gewaltsamen Ableben hangelt sich das Geschehen entlang an dem alten Kinderreim, den wir alle aus unserer Kindheit noch unter dem heute nat\u00fcrlich nicht mehr pr\u00e4sentablen Titel kennen, unter dem der Roman 1939 auch erstmals erschien. Erst 1985 entschied man sich zur Umbenennung in das bis heutige g\u00fcltige \u201eAnd then there were none\u201c, w\u00e4hrend in den in dieser Hinsicht immer schon sensitiveren USA der Roman stets entweder \u201eTen Little Indians\u201c oder eben \u201eUnd dann waren\u2019s keine mehr\u201c betitelt wurde. Die zehn kleinen Wasauchimmers wurden mehr als jedes andere Werk Christies adaptiert, etwa schon 1943 von der Dame selbst f\u00fcr ein B\u00fchnenst\u00fcck (mit etwas weniger d\u00fcsterem Ausgang) oder 1945 durch den renommierten Ren\u00e9 Clair f\u00fcr die Leinwand, bevor dann Robert Moore 1976 in seiner wunderbaren Krimi-Persiflage \u201eMurder By Death\u201c (dt. \u201eEine Leiche zum Dessert\u201c) das Grundmotiv des Romans (ein Unbekannter l\u00e4dt in ein einsames Haus, eine Mordserie beginnt) \u00fcbernahm.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Adaption in der mittlerweile durchaus umf\u00e4nglichen Reihe <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=14229\" data-type=\"post\" data-id=\"14229\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eAgatha Christie Classics\u201c<\/a> (zu der sich zeitgleich eine Manga-Umsetzung in drei B\u00e4nden gesellt) h\u00e4lt sich Pascal Davoz eng an die Vorlage, das Geschehen wird zeitlich im Erscheinungsjahr des Romans 1939 platziert (im Gegensatz zum durchaus wirkungsvollen \u201eUpdate\u201c der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=12824\" data-type=\"post\" data-id=\"12824\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eToten in der Bibliothek\u201c<\/a> in die Swinging Sixties, das Dominque Ziegler wagte), so dass man das Mysterium ebenso gebannt verfolgt wie die auch heute noch faszinierende Aufl\u00f6sung. Quasi aus dem Off schaltet sich immer wieder der Erz\u00e4hler in der Dritten Person ein, der die verdr\u00e4ngte oder verschleierte Schuld aller Beteiligten schonungslos offenlegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeichnungen von <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=13147\" data-type=\"post\" data-id=\"13147\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Callixte (di. Damien Schmitz)<\/a> orientieren sich am franko-belgischen Stil und \u00fcberzeugen neben den leicht \u00fcberzeichneten Flashbacks vor allem in der eleganten Art Deco-Einrichtung der Villa auf der einsamen Insel. Somit ein mehr als spannender Blick in das erfolgreichste Werk der grande dame of crime, die zu mindestens zwei Dingen animiert: man h\u00f6rt sich zuerst nochmal die spa\u00dfige musikalische Version der Hosen von den \u201eZehn kleinen J\u00e4germeistern\u201c an. Und nat\u00fcrlich versuchen wir danach erneut \u2013 zweifelsohne wieder erfolglos \u2013 zu ergr\u00fcnden, warum genau eine gef\u00e4hrliche Stra\u00dfe wie frische Pilze sein soll. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.carlsen.de\/hardcover\/agatha-christie-classics-und-dann-gabs-keines-mehr\/978-3-551-80910-0\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.carlsen.de\/hardcover\/agatha-christie-classics-und-dann-gabs-keines-mehr\/978-3-551-80910-0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Agatha Christie Classics: Und dann gab\u2019s keines mehr<\/a><br>Text &amp; Story: Pascal Davoz, nach Agatha Christie<br>Bilder: Callixte<br>80 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Carlsen Verlag<br>20 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-551-80910-0<br><br><\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D15256\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=15256\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Und dann gab\u2019s keines mehr (Carlsen) &raquo; Comicleser #Agatha Christie #Agatha Christie Classi [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gastfreundschaft muss nicht immer etwas Gutes sein. 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