{"id":15224,"date":"2026-10-14T11:54:07","date_gmt":"2026-10-14T09:54:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=15224"},"modified":"2026-10-14T11:54:07","modified_gmt":"2026-10-14T09:54:07","slug":"simenon-warten-auf-maigret-carlsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=15224","title":{"rendered":"Simenon, Warten auf Maigret (Carlsen)"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"294\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Simenon_Warten-auf-Maigret_WEB.jpg\" alt=\"Simenon, Warten auf Maigret (Carlsen Verlag)\" class=\"wp-image-15225\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Simenon_Warten-auf-Maigret_WEB.jpg 294w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Simenon_Warten-auf-Maigret_WEB-221x300.jpg 221w\" sizes=\"auto, (max-width: 294px) 100vw, 294px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>L\u00fcttich, 1923: der Journalist Georges Simenon heiratet sehr zum Missfallen seiner Mutter die junge R\u00e9gine Renchon, die ihr Gl\u00fcck in der Malerei versucht. Man zieht nach Paris, wo Simenon sich als Sekret\u00e4r beim Marquis de Tracy verdingt \u2013 drei Jahre lang soll er f\u00fcr den Unterhalt aufkommen, w\u00e4hrend R\u00e9gine, genannt Tigy, versucht, sich mit ihren Bildern einen Namen zu machen. Simenon beginnt, unter Pseudonym Kurzgeschichten zu verfassen, die er mit einigem Erfolg in der humoristischen Zeitschrift Le Matin unterbringt. Simenon avanciert zum Vielschreiber eher trivialer Unterhaltungsliteratur, unter den Decknamen Georges Sim, Gom Gut und Luc Dorsan liefert er Groschenromane am Flie\u00dfband. Sein erstes l\u00e4ngeres Werk, der Trivialroman \u201eDer Roman einer Stenotypistin\u201c ger\u00e4t zum Achtungserfolg, man zieht in eine gr\u00f6\u00dfere Wohnung um, w\u00e4hrend R\u00e9gines Bilder zunehmend freiz\u00fcgig werden.<\/p>\n\n\n\n<p>1925 engagiert Simenon die junge Henriette als Haush\u00e4lterin, was R\u00e9gine, die sich mittlerweile als Kunstmalerin etabliert hat, nicht ganz zu Unrecht eher kritisch be\u00e4ugt. Das Jahr 1927 bringt dann gleich mehrere einschneidende Ereignisse: Simenon lernt die T\u00e4nzerin Josefine Baker kennen und beginnt eine leidenschaftliche Affaire mit ihr. Seinen Ruf als legend\u00e4rer Vielschreiber will sich der Verleger Merle zu Nutze machen: in einer spektakul\u00e4ren Aktion soll Simenon in der \u00d6ffentlichkeit in einem Glask\u00e4fig binnen drei Tagen und N\u00e4chten einen ganzen Fortsetzungsroman schreiben. Daraus wird nichts, dennoch sorgt die Sache f\u00fcr Furore. Simenon begibt sich schlie\u00dflich auf eine ausgedehnte Reise \u00fcber die Fl\u00fcsse und Kan\u00e4le Frankreichs, wo er endlich die Inspiration zu seiner gr\u00f6\u00dften Sch\u00f6pfung findet\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>In insgesamt 75 Romanen schickte Georges Simenon seinen Kommissar Maigret auf Ermittlungstour, der durch zahllose \u00dcbersetzungen und auch Verfilmungen wohl neben Miss Marple, <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14229\" data-type=\"post\" data-id=\"14229\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hercule Poirot<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=9976\" data-type=\"post\" data-id=\"9976\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Sherlock Holmes<\/a> zu den bekanntesten Sp\u00fcrnasen der Literaturgeschichte geh\u00f6ren d\u00fcrfte. In ihrer Biographie legen <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=9241\" data-type=\"post\" data-id=\"9241\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Jean-Luc Fromental<\/a>, Jos\u00e9-Louis Bocquet und John Simenon (der Sohnemann, der das literarische Erbe des Vaters verwaltet und medial \u00e4u\u00dferst umtriebig ist) den Fokus ganz bewusst auf die formativen Jahre vor dem Maigret-\u201eGeburtsjahr\u201c 1930: so wie die Fitzgeralds treiben auch die Simenons durch die wilden 20er, man lebt auf Kante, feiert rauschende Partys, der sprichw\u00f6rtliche Tanz auf dem Vulkan.<\/p>\n\n\n\n<p>Simenon produziert Texte am laufenden Band, sein sp\u00e4terer, bewusst geradliniger Stil wird durch seine Erfahrungen in der Unterhaltungsliteratur gepr\u00e4gt: bei Le Matin fordert die Redakteurin Colette, er solle seinen Stil radikal vereinfachen &#8211; \u201estreichen Sie alles Literarische\u201c, was Simenon denn auch tut und sp\u00e4ter beibeh\u00e4lt. Simenons notorische Frauengeschichten (auch mit der <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=12661\" data-type=\"post\" data-id=\"12661\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eBoule\u201c<\/a> genannten Henriette zettelt er nat\u00fcrlich eine Liaison an) kommen ebenso zur Sprache wie die letztlich nie stattfindende Aktion des Groschenromans im Glask\u00e4fig: die Zeitschrift geht pleite, bevor die Sache steigen kann, dennoch tr\u00e4gt der schiere Wahnsinn des Plans zu Simenons Ruhm bei.<\/p>\n\n\n\n<p>Simenon zieht sich schlie\u00dflich 1928 auf ein Hausboot zur\u00fcck und bereist seither mit Tigy und Boule die Fl\u00fcsse (sogar bis ins Hamburg der fr\u00fchen 30er, wo die neuen Herren ihm schon durchaus zu Leibe r\u00fccken), wo er neben Dutzenden Groschenromanen schlie\u00dflich die Mu\u00dfe findet, endlich den Weg zur ernsthafteren Literatur einzuschlagen \u2013 1930 ersinnt er die Figur des Maigret, die er gegen viele Vorbehalte bei seinem Verleger platziert, ein Moment, an dem die Comic-Biographie dann abblendet. Maigret wird ihn auf immer begleiten, ebenso sein typischer, lakonischer, bewusst n\u00fcchterner Stil.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der faszinierenden Vignette der <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=5431\" data-type=\"post\" data-id=\"5431\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eroaring twenties\u201c<\/a> in Paris bietet auch die optische Gestaltung von Jacques de Loustal einen besonderen Hochgenuss: irgendwo in der Schnittmenge zwischen franko-belgischem Stil und expressionistisch angehauchter Gestaltung changiert Loustal zwischen Comic und Kunst, was sich den Bildern von Tigy wirkungsvoll ann\u00e4hert, ohne allzu verk\u00fcnstelt zu wirken \u2013 eine Balance aus Unterhaltung und Anspruch, die auch Simenon in seinen \u201ehalbliterarischen\u201c Maigret-Romanen wirkungsvoll hielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen den Kapiteln sind jeweils kurze Ausz\u00fcge aus Simenons Werk eingestreut, was einen lebendigen Eindruck seiner Schreibweise vermittelt. Somit ein fulminanter Einblick in eine atemlose Epoche und die Ausformung eines der produktivsten Schriftsteller \u00fcberhaupt. Bei Carlsen erscheint der Band im Hardcover auf 128 Seiten, erg\u00e4nzt um einen Anhang mit Kurzbiographien der zentralen Figuren. Und wem dieses Portrait des K\u00fcnstlers als junger Mann zusagt, dem sei auch der Blick in die Adaption des \u201eNon-Maigrets\u201c <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=13572\" data-type=\"post\" data-id=\"13572\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eDer Passagier der Polarlys\u201c<\/a> empfohlen, die ebenfalls bei Carlsen erschienen ist. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.carlsen.de\/hardcover\/simenon-warten-auf-maigret\/978-3-551-80638-3\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.carlsen.de\/hardcover\/simenon-warten-auf-maigret\/978-3-551-80638-3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Simenon, Warten auf Maigret<\/a><br>Text &amp; Story: Jean-Luc Fromental, Jos\u00e9-Louis Bocquet, John Simenon<br>Bilder: Jacques de Loustal<br>128 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Carlsen Verlag<br>24 Euro <\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-551-80638-3<br><\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D15224\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=15224\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Simenon, Warten auf Maigret (Carlsen) &raquo; Comicleser #Biografie #Einzelband #Georges Simenon # [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00fcttich, 1923: der Journalist Georges Simenon heiratet sehr zum Missfallen seiner Mutter die junge R\u00e9gine Renchon, die ihr Gl\u00fcck in der Malerei versucht. 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