{"id":149,"date":"2010-11-17T14:13:20","date_gmt":"2010-11-17T12:13:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=149"},"modified":"2014-11-07T14:29:04","modified_gmt":"2014-11-07T12:29:04","slug":"klassiker-superman-gegen-roter-blitz-ehapa-1977","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=149","title":{"rendered":"Klassiker: Superman gegen Roter Blitz (Ehapa, 1977)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/superman-blitz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-150\" title=\"superman gegen roter blitz\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/superman-blitz.jpg\" alt=\"\" width=\"299\" height=\"417\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/superman-blitz.jpg 299w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/superman-blitz-215x300.jpg 215w\" sizes=\"auto, (max-width: 299px) 100vw, 299px\" \/><\/a>Meine Comic-Karriere begann Ende der 70er mit einem Geburtstagsgeschenk. Da bekam ich n\u00e4mlich staunend ein Heft aus der Superman Batman-Reihe des Ehapa-Verlages \u00fcberreicht (sp\u00e4tere Recherchen haben ergeben, dass es die Nummer 17 gewesen sein muss, \u201eBesuch aus der Phantomzone\u201c, erschienen am 27. August 1977 \u2013 passt, ein Tag vor meinem achten Geburtstag). Welche Wunder gab es da zu entdecken: den Phantom-Zonen-Projektor, Kandor die Flaschenstadt, Batman k\u00e4mpfte mit dem Creeper und Lumpenmann, Zatanna, Allesesserboy, Galaxien hie\u00dfen Galaxen, und Clark Kent war nicht beim Daily Planet, sondern Nachrichtensprecher bei Galaxe TV (ein wunderbares Denkmal dieser \u00c4ra setzte sich Curt Swan mit \u201eWhatever Happened To The Man Of Tomorrow?\u201c gemeinsam mit Alan Moore 1997 selbst). Die Marvel-Comics aus dem Williams-Verlag waren fast schon vergessen und wurden in den Marvel Superb\u00e4nden verramscht, und die Condor-Ausgabe der Spinne lag noch in ferner Zukunft. 1977 waren die Ehapa-Ausgaben das Ma\u00df aller Dinge, so lieblos und fragw\u00fcrdig (man erinnere sich nur an die grauenhafte \u00dcbersetzung, die fingierte Leserbriefseite, die Sammelecken und die Briefmarkenanzeigen, f\u00fcr die Einzelbilder geopfert wurden) sie aus heutiger Sicht auch scheinen m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Aber es gab ein Problem: die Einzelheftchen (Superman, Batman Sonderheft, Roter Blitz, Wundergirl und wie sie alle hie\u00dfen) konnte man auf Einkaufstour mit Muttern relativ problemlos im Tante Emma Laden (Superm\u00e4rkte gab\u2019s noch keine) mitnehmen, die kosteten ja nur 1,40 DM (DM!!). Aber auf der R\u00fcckseite lockten unfassbare Kostbarkeiten. Unter der \u00dcberschrift \u201eDie Welt der Superhelden\u201c gr\u00fc\u00dften da die Taschenb\u00fccher, Sonderb\u00e4nde \u2013 und die legend\u00e4ren \u201eeinmaligen Sonderausgaben\u201c. Das waren gro\u00dfformatige (und teure!) Alben mit faszinierenden Titeln wie \u201eSuperman gegen Shazam\u201c (von letzterem hatten wir nie geh\u00f6rt), \u201eSuperman gegen Super-Spider\u201c (was Copyright-Probleme so mit sich bringen k\u00f6nnen), \u201eSuperman gegen Muhammad Ali\u201c \u2013 und eben \u201eSuperman gegen Roter Blitz\u201c. Und diesen Band, den musste man einfach haben, denn schlie\u00dflich war der Rote Blitz neben Batman mit die coolste Sau im Ehapa-Universum. Wer sonst konnte im roten Ganzk\u00f6rpertaucheranzug mit einem Blitz auf der Brust und Fl\u00fcgel an den Ohren \u00fcberzeugen?<\/p>\n<p>Irgendwie muss ich es geschafft haben, diesen Band doch zu ergattern \u2013 und ihn dann gef\u00fchlte 100 Mal zu lesen. In den Wirren, denen der Gro\u00dfteil meiner Ehapas zum Opfer fiel (ich schw\u00f6re, dass sie beim Umzug Anfang der 80er als Altpapier entsorgt wurden, obwohl das nat\u00fcrlich keiner der mutma\u00dflichen T\u00e4ter zugeben will), kam auch dieses Juwel abhanden. Nachdem sich aber dank einschl\u00e4giger Online-Auktionsh\u00e4user und Comicmessen ganze Jahrg\u00e4nge rekonstruieren lie\u00dfen, l\u00e4sst sich auch die \u201eeinmalige Sonderausgabe\u201c Gottlob wieder w\u00fcrdigen.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich erschien das 80seitige Softcover als Band 2 der \u201eSuperman Sonderausgaben\u201c im Jahr 1977 und kostete f\u00fcrstliche 5,50 DM. Geboten werden insgesamt drei Stories und ein wenig F\u00fcllmaterial. Die Hauptattraktion bildet nat\u00fcrlich das gr\u00f6\u00dfte Rennen aller Zeiten. Unter dem Titel \u201eSupermans Wettlauf gegen Roter Blitz\u201c (Text: Jim Shooter, Zeichnungen: Curt Swan und George Klein) umrunden Supie (ja ja, so nannte man ihn) und Blitz im Rahmen einer Benefiz-Sause der UNO dreimal die Erde, um dabei festzustellen, wer denn nun der Schnellste ist. Supie hat dabei Flugverbot, damit alles fair abl\u00e4uft. Keine Frage, dass diverse Lumpens\u00f6hne sich dieses Jahrhundertereignis zu Nutze machen wollen \u2013 die \u201eWettkartelle\u201c aus Europa und den USA (wo es nat\u00fcrlich jeweils nur eines gibt) versuchen durch miese Tricks, jeweils den eigenen Kandidaten nach vorn zu bringen. Da werden Glasscheiben aufgestellt, in die Blitz hinreinrast, Superman wird durch Kryptonit-Dampf au\u00dfer Gefecht gesetzt, und Betr\u00fcger mit D\u00fcsenstiefeln rasen anstelle der Helden die Strecke entlang. Klar l\u00e4\u00dft sich mit Hitzeblick und Supervibration alles noch in die rechte Bahn lenken &#8211; aber wer gewinnt, das wollen wir hier ja nicht verraten.<\/p>\n<p>Als kleine Atempause f\u00fchrt uns Superman dann durch seine Festung der Einsamkeit \u2013 diese Art von Risszeichnung fand sich des \u00d6fteren auch in den Superb\u00e4nden. Seinerzeit f\u00fcr mich absolut faszinierend, aus heutiger Sicht Platzhaltermaterial. Aber sch\u00f6n, wieder einmal den riesigen Schl\u00fcssel zum unsichtbaren Schloss von Supies Domizil in der Arktis zu sehen.<\/p>\n<p>An der Zeichenanleitung f\u00fcr den Roten Blitz (immerhin von Carmine Infantino) biss ich mir damals die Zeichenz\u00e4hne aus, das w\u00e4re heute vermutlich nicht anders.<\/p>\n<p>Als Zweitstory ist \u201eWettlauf zum Ende der Welt\u201c enthalten (Text: E. Nelson Bridwell, Zeichnungen: Ross Andru und Mike Esposito), in denen zwei au\u00dferirdische Gl\u00fccksspieler eine Revanche verlangen und daf\u00fcr die ganze Gerechtigkeitsliga als Geisel nehmen \u2013 wer verliert, so die Drohung, dessen Heimatstadt wird vernichtet. Also auf zur zweiten Runde, die allerdings nicht um die Erde, sondern quer durch die Milchstra\u00dfe f\u00fchrt. Nat\u00fcrlich geht auch hier wieder nicht alles mit rechten Dingen zu, und Supie entlarvt ein Komplott, das eigentlich zwei ganz andere alte Bekannte geschmiedet haben. Mit von der Partie ist hier Aquaman, der \u00fcber mehrere Lichtjahre Entfernung hinweg einen Fisch zu Blitz sprechen l\u00e4sst. Unbezahlbar.<\/p>\n<p>Den Abschluss bildet dann \u201eZottelmonster gegen Gerechtigkeitsliga\u201c (die Titel allein sind Gold wert \u2013 Text: Len Wein, Zeichnungen: Dick Dillon und Dick Giordano), in der Hector Hammond, ein alter Feind der Gr\u00fcnen Leuchte, eine Art Bigfoot auf die Liga in ihrem eigenen Satelliten losl\u00e4sst und so nacheinander Blitzschwalbe, Falke, Atom, Batman, Wundergirl und Supie matt setzt. Aber Leuchte, der auf der Erde geblieben ist, greift ein und rettet den Tag.<\/p>\n<p>Die Qualit\u00e4t der Zeichnungen l\u00e4sst aus heutiger Sicht klar erkennen, dass man sich f\u00fcr diese Sammelausgabe aus unterschiedlichsten Quellen bediente. Die letzte Story entstammt eindeutig den damals noch vergleichsweise aktuellen Justice League-Ausgaben (die Giordano-Handschrift ist unverkennbar) und bietet durchaus gute Action, w\u00e4hrend die beiden Wettrennen-Geschichten eher den 60ern zuzuordnen sind, in denen die Superhelden-Comics noch unter dem Schock der Seduction Of The Innocent-Debatte, in der Comics als jugendgef\u00e4hrdender Schund denunziert wurden, relativ harmloses, kindgerechtes Material produzierten. Das US-Original des ersten Rennens (\u201eSuperman\u2019s Race With The Flash\u201c) entstammt der Superman-Ausgabe 199 von 1967, das Rematch (\u201eThe Race To The End Of The Universe\u201c) erblickte in Flash 175 ebenfalls 1967 erstmals das Licht der Welt. Die Stimmung in den ersten beiden Stories ist bei allen Bedrohungen immer fr\u00f6hlich und familientauglich, an keiner Stelle ist eine echte Gefahr zu sp\u00fcren, stets ist klar, das alles in Butter sein wird, sobald das letzte Bild auftaucht.<\/p>\n<p>Ganz im Gegensatz dazu geht es in der Bigfoot-Geschichte etwas heftiger und realistischer zur Sache, so etwa, als der Satellit der Liga in der Erdatmosph\u00e4re zu vergl\u00fchen droht. Kein Wunder, stammt die Story doch aus der Feder von Len Wein, dessen Geist so finstere Gestalten wie Swamp Thing entsprangen. Der Stil (sowohl Zeichnungen als auch Story) kennzeichnete denn auch die Gerechtigkeitsliga-Alben des Ehapa-Verlages. Beste Kost also. Zu finden war die Geschichte urspr\u00fcnglich 1973 als \u201eThe Shaggy Man Will Get You If You Don&#8217;t Watch Out!&#8220; in Justice League Of America 104.<\/p>\n<p>Was aber zumindest f\u00fcr Leser meiner Generation einen wohligen-nostalgischen Schauer hervorrufen d\u00fcrfte, ist die Sprache der \u00dcbersetzung. Das Lettering ist f\u00fcrchterlichste Druckschrift, die Eigennamen sind stets gro\u00dfgeschrieben, was wohl heldenhaft wirken sollte (\u201eIch hoffe, BLITZ h\u00f6rt, was SUPIE ihm zuruft\u201c), und allzu oft sp\u00fcrt man, dass das US-Original so gar nicht in die knappen Sprechblasen passen wollte (\u201eBin m\u00fcde \u2013 muss ausruhen!\u201c, \u201eIst \u2019ne Falle!\u201c, \u201eFalscher Fuffziger!\u201c). Nicht zuletzt das macht aber den Reiz dieser B\u00e4nde aus \u2013 was nat\u00fcrlich nur funktioniert, wenn man sie schon damals gelesen hat und jetzt endlich versteht, warum die Leute so seltsam reden. Wer nur die Stories bestaunen m\u00f6chte, der ist mit Nachdrucken der Originale sicherlich besser bedient, aber wer in den 70ern am Kiosk inst\u00e4ndig hoffte, dass der Rote Blitz dieses Mal mit geliefert wurde, der sollte zugreifen, wenn sich die Chance bietet. In gutem Zustand ist man mit ca. 25 Euro dabei. (hb)<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D149\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=149\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Klassiker: Superman gegen Roter Blitz (Ehapa, 1977) &raquo; Comicleser #Curt Swan #Dick Giordano # [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Comic-Karriere begann Ende der 70er mit einem Geburtstagsgeschenk. 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