{"id":14849,"date":"2026-06-19T12:11:08","date_gmt":"2026-06-19T10:11:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14849"},"modified":"2026-06-19T12:16:51","modified_gmt":"2026-06-19T10:16:51","slug":"martin-scorsese-splitter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14849","title":{"rendered":"Martin Scorsese (Splitter)"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"283\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Martin-Scorsese_WEB.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14850\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Martin-Scorsese_WEB.jpg 283w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Martin-Scorsese_WEB-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Kleiner Junge mit Asthma, lebt in Little Italy. Will erst Priester werden, verf\u00e4llt dann aber der Magie des Kinos. Was sich liest wie eine M\u00e4rchenstory aus dem Hause Disney, das ist die Lebensgeschichte von Martin Scorsese, die <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14755\" data-type=\"post\" data-id=\"14755\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Amazing Ameziane<\/a> in seinem n\u00e4chsten Beitrag zur Filmgeschichte hier auf telefonbuchartigen Dimensionen ausbreitet. Scorsese selbst erz\u00e4hlt hier 2005 gemeinsam mit Kameramann Michael Ballhaus seine Geschichte \u2013 vom Einwanderer Scozzese (hei\u00dft der Schotte!), dessen Name 1921 auf den Immigrationspapieren zu Scorsese verballhornt wird (Vito Corleone erging es kaum besser) \u00fcber die Kindheit in Queens, in der der kleine Marty aufgrund seiner Atemwegserkrankung geschont wird, aber dennoch permanent mit den irgendwie dazugeh\u00f6renden Mafiosi und ihren Taten konfrontiert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Klosterschule darf Marty weiter ins Kino gehen und darf sp\u00e4ter sogar Film und Fernsehen studieren, wof\u00fcr die Eltern einen Studienkredit aufnehmen (wir sind bis heute dankbar, Mama Scorsese, und immerhin konntest Du sp\u00e4ter selbst eine kleine Rolle spielen!). Erste Kurzfilme erregen Aufmerksamkeit und gewinnen Preise, mit denen der Kredit zur\u00fcckgezahlt werden kann. Scorsese lernt erste Weggef\u00e4hrten wie Brian de Palma und Thelma Schoonmaker kennen, er entkommt mit Gl\u00fcck einer Mafia-Schie\u00dferei, die sich sp\u00e4ter in \u201eMean Streets\u201c wiederfinden wird, und betreut als Uni-Dozent einen gewissen Oliver Stone als Sch\u00fcler. 1967 schreibt er beeindruckt vom europ\u00e4ischen Kino \u201eWho\u2019s That Knocking on My Door\u201c, Harvey Keitel ist schon mit an Bord, der Erfolg bleibt allerdings aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael Wadleigh engagiert ihn als Cutter f\u00fcr seine monumentale Woodstock-Dokumentation, und auch wenn die Zusammenarbeit im Krach endet und Wadleigh ihn feuert, erscheint Scorseses Name immerhin im Vorspann des Oscar-pr\u00e4mierten Werks. Anfang der 70er formiert sich das neue Hollywood, Scorsese bewegt sich im Zirkel von Francis Ford Coppola, Brian de Palma, John Cassavetes und den unbekannten Newcomern Steven Spielberg und <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=12902\" data-type=\"post\" data-id=\"12902\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">George Lucas<\/a> \u2013 die etablierten Studios, die mit immer gleichen, schablonenhaften Katastrophenfilmen den Anschluss ans junge Publikum verloren haben, suchen zunehmend ihr Heil in der Zusammenarbeit mit den jungen Wilden. Aber Scorsese muss sich erst noch seine Sporen verdienen: f\u00fcr den Vielfilmer Roger Corman dreht er 1972 \u201eBoxcar Bertha\u201c (ganz in Corman-Manier in 27 Tagen und mit minimalistischem Budget), ein junger Bursche namens Robert de Niro will mit ihm ein Drehbuch von Paul Schrader umsetzen, aber der weigert sich noch, seinen \u201eTaxi Driver\u201c von diesen Ungest\u00fcmen inszenieren zu lassen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"321\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Bobby-Taxi.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14852\" style=\"width:266px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Bobby-Taxi.jpg 321w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Bobby-Taxi-241x300.jpg 241w\" sizes=\"auto, (max-width: 321px) 100vw, 321px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Auf Anregung von John Cassavetes dreht Scorsese daher erst einmal \u201eMean Streets\u201c, eine Hommage an seine Familiengeschichte, die er undergroundm\u00e4\u00dfig in LA umsetzen muss, da New York zu teuer ist. Erstmals sind dabei Robert de Niro und Harvey Keitel gemeinsam an Bord, der Grundstein f\u00fcr die gro\u00dfen Mafia-Werke ist gelegt. Mit \u201eAlice doesn\u2019t live here anymore\u201c erntet Scorsese 1974 weitere Lorbeeren und nimmt bei den Oscars den Preis stellvertretend f\u00fcr die Hauptdarstellerin Ellen Burstyn entgegen. Nach dem Erfolg dieser romantischen Kom\u00f6die beschlie\u00dft Scorsese, \u00e4hnlich wie Steven Spielberg, seine Taktik: einen Film f\u00fcr die, einen f\u00fcr mich! Damit kann jetzt nur \u201eTaxi Driver\u201c an die Reihe kommen, Schrader gibt den Widerstand auf. De Niro schl\u00fcpft wie stets nicht nur in eine Rolle, er wird zu Travis Bickle, f\u00e4hrt wochenlang Taxi, um in die Welt des Veteranen eintauchen zu k\u00f6nnen. Die 14j\u00e4hrige Jodie Foster verk\u00f6rpert \u00fcberzeugend eine 12j\u00e4hrige Prostituierte, in diversen Szenen ist eine echte Prostituierte zu sehen, die Harvey Keitel auftrieb, ebenso wie ein realer Waffenh\u00e4ndler.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel wird improvisiert, die legend\u00e4re Spiegel-Szene (\u201eYou talking to me?\u201c) klaut de Niro allerdings von niemand anderem als Bruce Springsteen, der diesen Satz zu der Zeit regelm\u00e4\u00dfig bei Konzerten an sein Publikum richtet. Das Studio ist erwartungsgem\u00e4\u00df entsetzt ob des expliziten Inhalts, man verlangt radikale Schnitte, da das vernichtende \u201eX\u201c-Rating droht. Erst auf dringendes Anraten seiner Produzentin Julia Phillips l\u00e4sst sich Scorsese erweichen und schneidet mit seinen New Hollywood Kumpels den Film so geschickt, dass die Wirkung nicht geschm\u00e4lert, aber das ersehnte \u201eR\u201c-Rating m\u00f6glich wird. Der Film ger\u00e4t zur Sensation und gewinnt in Cannes die Goldene Palme, wird bei den Oscars aber ignoriert. Scorsese w\u00fcrde nun ja gerne \u201eGangs of New York\u201c inszenieren, aber die Finanzierung platzt, und so wird es 25 Jahre dauern, bis er sich diesem Projekt zuwenden kann.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"282\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Auto-quer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14854\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Auto-quer.jpg 400w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Auto-quer-300x212.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>W\u00e4hrend er in Hollywood mit seinen Kumpanen um Steven Prince wilde Parties feiert, bei denen das Koks wie Schnee umherschwebt, geht er sein n\u00e4chstes Projekt an: \u201eNew York, New York\u201c soll eine Verbeugung vor den gro\u00dfen Musicals in Stile eines George Cukor und Vincente Minnelli sein, Robert de Niro lernt Saxophon spielen, und Liza Minnelli bringt den Hauch des Vaters mit. Das Ganze l\u00e4uft massiv aus dem Ruder, die Entscheidung, am Set improvisieren zu lassen, erweist sich als fatal, Scorsese sitzt am Ende auf 5 Stunden Filmmaterial, die in der Form nicht brauchbar sind. W\u00e4hrend er parallel den Konzertfilm \u201eThe Last Waltz\u201c \u00fcber The Band dreht, m\u00fcht er sich vergeblich, eine vern\u00fcnftige Schnittfassung herzustellen, aber sein Werk ist in Zeiten des Sommer-Blockbusters, den <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=3029\" data-type=\"post\" data-id=\"3029\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">seine Freunde Steven und George<\/a> im Handumdrehen erfunden haben, komplett aus der Zeit gefallen und ger\u00e4t zum monstr\u00f6sen Flop.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Drogenkonsum hilft in der Entt\u00e4uschung nur an der Oberfl\u00e4che, Scorsese springt nach einer \u00dcberdosis dem Tod nur knapp von der Schippe, als ihn sein Freund de Niro am Krankenbett massiv zur Minna macht und sagt, er m\u00fcsse doch dringend noch diesen Boxfilm drehen. In sicherem Bewusstsein, dass dies sein letzter Film wird, wirft sich Scorsese an die Umsetzung der Biographie \u201eRaging Bull\u201c, die das Leben des durchaus zwielichtigen Boxers Jake La Motta schildert, in dem Scorsese auch Parallelen zu seiner eigenen Vita sieht. Joe Pesci brilliert als la Mottas Bruder Joey, de Niro trainiert mit La Motta selbst und frisst sich nach den Box-Sequenzen in Frankreich und Italien 30 Kilo an, um auch den abgehalfterten Ex-Profi \u00fcberzeugend zu mimen, auf Vorschlag der britischen Regie-Legende Michael Powell dreht man in Schwarz-Wei\u00df (die Fernsehbilder von La Mottas K\u00e4mpfen haben sich immerhin auch nicht in Farbe ins amerikanische Bewusstsein gebrannt, so das Argument Powells), Thelma Schoonmaker schneidet meisterhaft \u2013 die Vorf\u00fchrung f\u00fcr die Studiobosse ger\u00e4t zum Triumph.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"270\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Temptation.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14856\" style=\"width:255px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Temptation.jpg 270w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Temptation-203x300.jpg 203w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Aber \u201eRaging Bull\u201c f\u00e4llt dem Bankrott von United Artists zum Opfer: niedergerissen von der monstr\u00f6sen Budget\u00fcberschreitung von Michael Ciminos \u201eHeaven\u2019s Gate\u201c kann das Studio keinerlei Promotion f\u00fcr den Film machen, trotz Oscars 1981 f\u00fcr de Niro und Schoonmaker geht der Film an den Kinokassen unter. Auch mit der pechschwarzen Mediensatire \u201eKing of Comedy\u201c erleidet Scorsese 1982 finanziellen Schiffbruch (offenbar wollte das Publikum Jerry Lewis nicht in einer negativen Rolle sehen, sp\u00e4te Rehabilitierung erhielt der Film dann 2019 im d\u00fcsteren <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=3649\" data-type=\"post\" data-id=\"3649\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eJoker\u201c<\/a>), er gilt endg\u00fcltig als Kassengift. Die kleine, guerillahaft gefilmte Finger\u00fcbung \u201eAfter Hours\u201c bringt ihn 1985 zumindest wieder ins Gespr\u00e4ch, sein neuer Agent Michael Ovitz bringt ihn mit Gr\u00f6\u00dfen wie Paul Newman zusammen, der gerne eine Fortsetzung seiner Paraderolle in \u201eThe Hustler\u201c realisieren m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>In time, in budget, mit gro\u00dfen Namen (Tom Cruise ist noch ein Jungstar, aber zugkr\u00e4ftig) scheint es mit \u201eThe Color of Money\u201c 1986 wieder aufw\u00e4rtszugehen, Paul Newman gewinnt den einzigen Oscar seiner Karriere, aber nach dem skandalumwitterten \u201eLast Temptation of Christ\u201c gilt Scorsese Ende der 80er endg\u00fcltig als persona non grata. Da f\u00e4llt ihm ein Buch in die H\u00e4nde, von dem er sofort besessen ist: \u201eWiseguy\u201c von Nicholas Pileggi schildert aus erster Hand ein Leben in der Mafia. Scorsese will, muss diesen Film machen, er castet seine Freunde de Niro und Joe Pesci, engagiert mit Ray Liotta ein unbekanntes Gesicht f\u00fcr die Hauptrolle, seine eigene Mutter gibt einen Gastauftritt als kochende Mama. Mehrere echte Mafiosi spielen ebenfalls mit, der Film trifft sein Sujet so genau, dass man Scorsese auch von krimineller Seite her extremen Realismus attestiert. Rasante Kamerafahrten, ein voice over, der die vierte Wand durchbricht, Gewaltexzesse, ein brillanter Soundtrack: \u201eGoodfellas\u201c ger\u00e4t 1990 zu einem wahren Triumphzug bei Kritikern um beim Publikum.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem Schlag ist Scorsese rehabilitiert \u2013 aber auch wenn der 1991 folgende \u201eCape Fear\u201c sein rentabelster Film ist, erscheint der gegen Ende recht \u00fcbertriebene Actionthriller vielen doch nicht als \u201eechter\u201c Scorsese (was er selbst durchaus auch so sieht). Das gilt auch f\u00fcr das Gesellschaftsdrama \u201eAge of Innocence\u201c, der 1993 so manchen Zuschauer verwirrt, auch wenn Scorsese ihn als seinen gewaltt\u00e4tigsten Film bezeichnet (nicht handgreiflich, aber \u00fcber erdr\u00fcckende Konventionen). Dann allerdings winkt ein Projekt, das er mit aller Grandezza einer Oper umsetzen wird und das ihn endg\u00fcltig zum Starregisseur macht: die Geschichte von Las Vegas, seinen Casinos und den zutiefst mafi\u00f6sen Verstrickungen hinter der Glitzerwelt\u2026<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Portrait-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14858\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Portrait-1.jpg 300w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Portrait-1-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>\u201eDisclaimer: Die Lekt\u00fcre dieses Buchs kann zu intensiven Filmkonsum-Phasen der Werke von Martin Scorsese f\u00fchren. Das ist v\u00f6llig normal. Wenn Sie \u201eThe Wolf of Wall Street\u201c mehr als zehnmal gesehen haben und nun an der B\u00f6rse arbeiten wollen, \u00fcbernehmen Verlag und Autor keine Haftung, falls ihre Ersparnisse fl\u00f6ten gehen.\u201c Auch wenn das B\u00f6rsenleben nat\u00fcrlich leicht anders abl\u00e4uft als seinerzeit von Jordan Belfort praktiziert: diesen launigen Verweis auf der R\u00fcckseite des Folianten, der gestaltet ist wie eine DVD (Format 20&#215;28, Doppelseiten, Farbe &amp; Schwarz-Wei\u00df, Lesedauer 190 Min., Video Region Code 2, Sprachen Deutsch, Englisch, Cineastisch) muss man ernst nehmen. Denn nach und schon w\u00e4hrend der Lekt\u00fcre dieses furiosen neuesten Beitrags des mehr als zurecht so benannten <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=12478\" data-type=\"post\" data-id=\"12478\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Amazing Ameziane<\/a> zur Filmgeschichte will man sich nat\u00fcrlich alles nochmal anschauen, von \u201eTaxi Driver\u201c \u00fcber \u201eCasino\u201c bis zu den Alterswerken \u201eThe Irishman\u201c und \u201eKillers of the Flower Moon\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Ameziane reitet hier mit gusto durch das Leben eines der ganz Gro\u00dfen, der Anfang der 80er eigentlich schon am Ende war, frustriert von seinen Flops und zerr\u00fcttet von den Drogen, was in expressiven, alptraumhaften Sequenzen einer \u00dcberdosis sehr deutlich zum Tragen kommt. Akribisch recherchiert, <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=9754\" data-type=\"post\" data-id=\"9754\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">breitet Ameziane<\/a> Leben und Filme des Meisters aus, in erster Line aus Sicht von Scorsese selbst geschildert, mit einer Ausnahme: die Sequenz, in der er sich widerwillig zum Umschnitt von \u201eTaxi Driver\u201c \u00fcberreden l\u00e4sst, erleben wir aus der Perspektive der Produzentin Julia Philipps. Die Freundschaft zu Robert de Niro nimmt zentralen Raum ein, ohne dessen deutliche Worte am Krankenbett h\u00e4tte er es wohl nicht wieder zur\u00fcck ins Leben geschafft, aber auch andere Legenden wie Daniel Day Lewis und sein \u201eneuer\u201c de Niro Leonardo di Caprio pr\u00e4gen seinen Weg.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Portrait-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14860\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Portrait-2.jpg 300w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Portrait-2-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Ameziane stellt dabei mehrere direkte Querverbindungen zu seinen anderen Filmbiographien her: das Foto mit den Gr\u00f6\u00dfen des New Hollywood, die sich mit den <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=9253\" data-type=\"post\" data-id=\"9253\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Altmeistern Hitchcock<\/a>, Welles und Co. vergleichen, findet sich ebenso in der Spielberg-Biographie, wie auch die Anekdote zur Entstehung von \u201eCape Fear\u201c: Spielberg bat Scorsese, \u201eSchindler\u2019s List\u201c zu realisieren, was dieser ablehnte, immerhin k\u00f6nne nur ein Jude die Shoah angemessen darstellen. Man einigte sich auf ein Tauschgesch\u00e4ft: Spielberg machte \u201eSchindlers Liste\u201c und \u00fcbergab Scorsese im Gegenzug sein geplantes Projekt, ein Remake des alten Thrillers \u201eCape Fear\u201c. Auch die \u00dcberzeugung \u201eEin Film f\u00fcr die, einer f\u00fcr mich\u201c, also eine kommerzielle Unternehmung, dann eine Herzensangelegenheit, diese Philosophie teilt er mit Spielberg.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch sonst wildert sich Ameziane munter durch die Filmgeschichte: seitenweise erleben wir stilisierte Panels aus den Werken Scorseses, eindrucksvoll etwa in der Doppelseite mit einem t\u00e4nzelnden Jake La Motta im Trainingsmantel, wie in der Er\u00f6ffnungssequenz von \u201eRaging Bull\u201c, oder die tiefroten Szenen aus dem Christus-Film, der in Anfeindungen unterging. Fein auch der Verweis auf andere Filme: als de Niro begeistert vom Buch \u201eRaging Bull\u201c schw\u00e4rmt, steht die Szene unter dem Motto \u201eThe Night of the Boxer\u201c, de Niros Kn\u00f6chel sind mit den Worten \u201eRage\u201c und \u201eBull\u201c t\u00e4towiert: optisch eine klare Hommage an Robert Mitchum in \u201eNight of the Hunter\u201c. Fiktive Poster mit geplanten, letztlich nicht verwendeten Schauspielern (\u201eLast Temptation of Christ\u201c mit Aidan Quinn, Harvey Keitel und Sting), eine ebenso fingierte Rezension von \u201eRaging Bull\u201c von einem gewissen Amazing Ame im Magazin Action\/Cut von 1981 \u2013 die Detailfreude kennt hier keine Grenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nebenbei erf\u00e4hrt man jede Menge Trivia, so etwa, dass sich <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=12478\" data-type=\"post\" data-id=\"12478\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Quentin Tarantino<\/a> f\u00fcr die ber\u00fchmte Adrenalin-Injektion, die John Travolta der bewusstlosen Uma Thurman verabreichen muss, von Scorseses biographischem Film \u201eAmerican Boy \u2013 A Profile of Steven Prince\u201c inspirieren lie\u00df, der eine \u00e4hnliche Szene durchlebt hatte. Mindestens genauso episch wie Leben und Werk Scorseses, beeindruckt Amezianes neuester Aufbruch in die Filmgeschichte zutiefst durch die schiere Wucht, Kunstfertigkeit und Liebe zum Detail, die eben auch die besten Filme des Regisseurs auszeichnet, den seine Freunde nur \u201eMarty\u201c nennen. Dass der Fokus eher auf den fr\u00fcheren Werken liegt und die sp\u00e4teren Triumphe ab \u201eCasino\u201c etwas schneller abgehandelt werden, ist durchaus folgerichtig, immerhin stand Scorsese zu dieser Zeit eher auf des Messers Schneide als sp\u00e4ter, als er als Elder Statesman des Kinos \u00fcber alle Zweifel erhaben war.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"283\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Backcover.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14862\" style=\"width:255px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Backcover.jpg 283w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Backcover-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Und man k\u00f6nnte sich heute noch \u00e4rgern, dass der Titelsong von \u201eNew York, New York\u201c bei den Oscars ignoriert wurde und nur wenige Jahre sp\u00e4ter, als ihn Frank Sinatra kurzerhand in sein Repertoire \u00fcbernahm, zum Welthit avancierte. Wo doch nur und ausschlie\u00dflich Bobby himself das Saxophon spielen darf. Bei Splitter erscheint der Band in standesgem\u00e4\u00dfem Hardcover mit Illustrationen auf den inneren Einband, die Robert de Niro in unterschiedlichsten Anz\u00fcgen zeigen. Und das alleine ist die Lekt\u00fcre schon wert. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/martin-scorsese-graphic-novel.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/martin-scorsese-graphic-novel.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Martin Scorsese \u2013 Die Graphic Novel Biografie<\/a><br>Text &amp; Bilder: Amazing Ameziane<br>384 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Splitter Verlag<br>49,80 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-68950-101-3<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D14849\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14849\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Martin Scorsese (Splitter) &raquo; Comicleser #Amazing Ameziane #Biografie #Einzelband #Graphic No [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kleiner Junge mit Asthma, lebt in Little Italy. Will erst Priester werden, verf\u00e4llt dann aber der Magie des Kinos. Was sich liest wie eine M\u00e4rchenstory aus dem Hause Disney, das ist die Lebensgeschichte von Martin Scorsese, die Amazing Ameziane in seinem n\u00e4chsten Beitrag zur Filmgeschichte hier auf telefonbuchartigen Dimensionen ausbreitet. 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