{"id":14652,"date":"2026-04-13T19:48:36","date_gmt":"2026-04-13T17:48:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14652"},"modified":"2026-04-14T20:21:09","modified_gmt":"2026-04-14T18:21:09","slug":"krimi-die-geschichte-hinter-fritz-langsm-splitter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14652","title":{"rendered":"Krimi: Die Geschichte hinter Fritz Langs \u201eM&#8220; (Splitter)"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"284\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Krimi-Fritz-Lang_WEB.jpg\" alt=\"Krimi: Die Geschichte hinter Fritz Langs \n\u201eM \u2013 eine Stadt sucht einen M\u00f6rder\u201c (Splitter Verlag)\" class=\"wp-image-14653\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Krimi-Fritz-Lang_WEB.jpg 284w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Krimi-Fritz-Lang_WEB-213x300.jpg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 284px) 100vw, 284px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>K\u00fcnstler sind eine eigene Spezies, Filmschaffende sowieso, aber Fritz Lang hat seine ganz eigenen Gesetze. <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=11135\" data-type=\"post\" data-id=\"11135\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Der Perfektionist, Vision\u00e4r, Megalomane und vor allem notorische Budget\u00fcberzieher<\/a> erholt sich 1928 gerade noch vom Flop seines Gro\u00dfwerks \u201eMetropolis\u201c und steckt in den Dreharbeiten zu seinem n\u00e4chsten Projekt \u201eFrau im Mond\u201c. In einer Kaschemme trifft ihn sein alter Bekannter Hauptkommissar Lohmann und konfrontiert ihn mit einer Akte zu einer bestialischen Mordserie, bei der in D\u00fcsseldorf seit drei Jahren Kinderleichen mit zerschnittenen Kehlen aufgefunden werden. Lohmanns Idee: Lang, der es mit der Wahrheit bisweilen selbst nicht so genau nimmt, wie schon beim Tod seiner ersten Frau Elisabeth 1921, hat Einfluss und Macht \u00fcber das Publikum \u2013 wenn er einen solchen Stoff aufgreift, sollte das doch die Unterwelt aufw\u00fchlen und abschreckende Wirkung haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Lang zeigt sich erst br\u00fcskiert, ist aber mehr und mehr von den grauenhaften Vorg\u00e4ngen fasziniert. So l\u00e4sst er sich mehr und mehr von Lohmann vereinnahmen, der ihn am Filmset besucht; als drei weitere Morde geschehen und die Medien schon vom \u201eVampir von D\u00fcsseldorf\u201c schwadronieren, begleitet Lang als Polizist verkleidet Lohmann zu einem Tatort. W\u00e4hrend sich der Misserfolg von \u201eFrau im Mond\u201c abzeichnet, nimmt Lohmann nach dem entscheidenden Hinweis der jungen Maria Butlies, die einen Angriff knapp \u00fcberlebt, Lang direkt nach D\u00fcsseldorf mit. Auch wenn man den nun entlarvten T\u00e4ter, den verheirateten Peter K\u00fcrten, in seiner Wohnung in der Mettmanner Stra\u00dfe 71 nicht antrifft, stellt der sich doch kurz danach der Polizei.<\/p>\n\n\n\n<p>Tief beeindruckt bittet Lang seine Frau Thea von Harbou, den Stoff in einem Drehbuch zu verarbeiten, das unter dem Arbeitstitel \u201eM\u00f6rder unter uns\u201c 1930 Gestalt annimmt. Lang engagiert den weitgehend unbekannten Peter Lorre f\u00fcr die Hauptrolle und kommt auf Vermittlung von Lohmann auch mit zahlreichen Vertretern der Unterwelt in Kontakt, die er ebenfalls als Komparsen einsetzt. So entsteht, w\u00e4hrend K\u00fcrten auf seine Hinrichtung wartet, ein Film \u00fcber seine Taten, mit dem Lang wieder einmal Kinogeschichte schreiben wird\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser wahrhaft meisterlichen, durchaus fiktionalisierten Entstehungsgeschichte des Fritz Lang-Films \u201eM \u2013 Eine Stadt sucht einen M\u00f6rder\u201c liefert Thibault Vermot eine furiose Melange von verb\u00fcrgter Filmgeschichte und phantasievollen Einsprengseln, die sich zu einem faszinierenden Kaleidoskop verbinden. Bleiben wir bei den Tatsachen: nach den Misserfolgen von \u201eMetropolis\u201c und \u201eFrau im Mond\u201c wandte sich Lang, der sich mit der Ufa komplett \u00fcberworfen hatte, dem Tonfilm zu. Den Stoff zogen er und seine Noch-Ehefrau Thea von Harbou aus zeitgen\u00f6ssischen Serienm\u00f6rder-Taten \u2013 neben dem \u201eVampir von D\u00fcsseldorf\u201c Peter K\u00fcrten stand <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=86\" data-type=\"post\" data-id=\"86\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">auch Fritz Haarmann Pate<\/a> f\u00fcr den von Peter Lorre verk\u00f6rperten M\u00f6rder.<\/p>\n\n\n\n<p>Langs k\u00fcnstlerische Vision zeigte sich in der Kombination der typischen Licht\/Schatten-Spiele und expressiver Momente mit dem Einsatz des neuen Instruments Ton als dramaturgischem Element: legend\u00e4r die auch im Comic direkt umgesetzte Er\u00f6ffnungssequenz der singenden Kinder, das Klopfen des an die Wand treffenden Balls und die gepfiffene Melodie \u201eDie Halle des Bergk\u00f6nigs\u201c von Edvard Grieg. Auch Langs Akribie und Detailwahn (Lohmann staunt nicht schlecht, als ganze Kolonnen von Lastwagen ins Studio fahren, um Sand f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=7992\" data-type=\"post\" data-id=\"7992\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eMondoberfl\u00e4che\u201c<\/a> anzuliefern; das Set von \u201eM\u201c muss um ein ganzes Stockwerk hochgezogen werden, auch wenn das \u201edas Doppelte kostet\u201c) kommen ebenso zu Tragen wie die fern\u00f6stliche gestaltete Wohnung, die man seinerzeit gerne in Zeitschriften publikumswirksam als Meisterwerkstatt inszenierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf diesem festen Untergrund stehend, l\u00e4sst Thibault dann die Grenzen zwischen Realit\u00e4t und Film gekonnt zerflie\u00dfen: Hauptkommissar Lohmann ist eine Figur, die in \u201eM\u201c und dem folgenden \u201eTestament des Dr. Mabuse\u201c auftritt und hier zu einer Art <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=11715\" data-type=\"post\" data-id=\"11715\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mephistopheles<\/a> wird: selbst durchaus zwielichtig, zieht Lohmann Lang immer tiefer in die Mordserie, besucht mit ihm Tatorte und nimmt dabei vielleicht sogar in Kauf, einen Mord nicht zu vereiteln, um Lang mit der Leiche konfrontieren zu k\u00f6nnen. Lohmann kennt Lang noch von den Ermittlungen zum Tod seiner ersten Frau, der bis heute ungekl\u00e4rt ist und schon in Arnaud Delalandes Comicbiographie eine zentrale Rolle spielte. <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=7065\" data-type=\"post\" data-id=\"7065\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Auch Berlin selbst<\/a> erscheint bei Thibault wie eine Galerie aus Langs Filmen \u2013 vorbei an einem modernen Turm zu Babel wandert Lang, den Lohmann zum Unterwelt-Boss \u201eMuskel-Adolf\u201c schickt, direkt in einen Nachtclub namens Yoshiwara und wandelt damit auf den Pfaden seiner eigenen Figuren aus \u201eMetropolis\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>In Lohmanns B\u00fcro h\u00e4ngt ein Fahndungsplakat, das sp\u00e4ter in \u201eM\u201c auftauchen wird, gemeinsam mit Lohmann belauscht Lang ein Verh\u00f6r K\u00fcrtens, in dem der beschw\u00f6rt, er selbst sei doch gar nicht schuld (was sich in der im Comic ausf\u00fchrlich umgesetzten \u201eVerh\u00f6rszene\u201c im Film spiegelt, in der der M\u00f6rder ausruft \u201eIch kann doch nicht anders\u201c), und die Kinderdarstellerin Inge Landgut bringt Lang auf die Idee, am Anfang erst den Schatten des M\u00f6rders zu zeigen \u2013 eine der ikonischsten Szenen des Kinos \u00fcberhaupt. Optisch zieht Alex W. Inker alle Register, in durchg\u00e4ngig atmosph\u00e4rischem Schwarz-Wei\u00df entfaltet sich das Geschehen, von alptraumhaften Nachtclubsequenzen (deftige Erotik inklusive) \u00fcber tonlos-scherenschnitthafte, beklemmende Mordsequenzen bis hin zu direkt genannten Filmtechniken (\u201ePan!\u201c, der ber\u00fchmte Countdown bei \u201eFrau im Mond\u201c) st\u00fcrzt das Geschehen atemlos vor\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ende weist dann allerdings weit \u00fcber den Film hinaus, als sowohl Lang als auch Lohmann von der Realit\u00e4t in Form der neuen Machthaber eingeholt werden. Goebbels verbietet \u201eDas Testament des Dr. Mabuse\u201c (allzu nahe am Vorgehen der neuen Herren, dachte man sich wohl) und bietet Lang dann eine f\u00fchrende Rolle im deutschen Film an \u2013 Thibault fr\u00f6nt auch hier der Fiktion, indem er Langs eigene Version der Ereignisse erz\u00e4hlt, in der sich der Regisseur noch am selben Abend nach Paris absetzt (in Wahrheit dauerte die Flucht wohl etwas l\u00e4nger, was allerdings im gro\u00dfen Gang der Geschichte auch eher nebens\u00e4chlich ist).<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbler ergeht es dem fiktiven Lohmann, der Langs ehemaligen Diener Hans, mittlerweile Wehrmachtssoldat, am Bahnhof trifft. Der zerlumpte Lohmann steht kurz vor seiner Deportation nach Polen und stellt bitter fest: \u201eIch habe Fritz gebeten, einen Film zu machen. Und er war einverstanden. Einen Film, der den Menschen zeigt, wer die M\u00f6rder sind. Damit sie immer auf der Hut bleiben. Aber heute ist jeder auf die eine oder andere Weise zum M\u00f6rder geworden. Auch Sie, Hans. Adieu, mein Freund.\u201c M\u00f6rder unter uns, dieser Arbeitstitel sollte schon wenige Jahre nach der Premiere von M eine grausame Brisanz erlangen \u2013 die Grenze zwischen Fiktion und Realit\u00e4t ist eben doch flie\u00dfend. Bei Splitter erscheint dieser Band, der nicht nur Filmfreunde tief beeindrucken d\u00fcrfte, als volumin\u00f6ses Hardcover mit 280 Seiten. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/krimi-fritz-lang.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/krimi-fritz-lang.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Krimi: Die Geschichte hinter Fritz Langs<br>\u201eM \u2013 eine Stadt sucht einen M\u00f6rder\u201c<\/a><br>Text &amp; Story: Thibault Vermot<br>Bilder: Alex W. Inker<br>280 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Splitter Verlag<br>39,80 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-68950-102-0<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D14652\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14652\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Krimi: Die Geschichte hinter Fritz Langs \u201eM&#8220; (Splitter) &raquo; Comicleser #Alex W. Inker  [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcnstler sind eine eigene Spezies, Filmschaffende sowieso, aber Fritz Lang hat seine ganz eigenen Gesetze. Der Perfektionist, Vision\u00e4r, Megalomane und vor allem notorische Budget\u00fcberzieher erholt sich 1928 gerade noch vom Flop seines Gro\u00dfwerks \u201eMetropolis\u201c und steckt in den Dreharbeiten zu seinem n\u00e4chsten Projekt \u201eFrau im Mond\u201c. In einer Kaschemme trifft ihn sein alter Bekannter Hauptkommissar [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[6330,25,433,35,24,1246,6327,1488,407,6328,6329],"class_list":["post-14652","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-splitter","tag-alex-w-inker","tag-einzelband","tag-fritz-lang","tag-graphic-novel","tag-klassiker","tag-krimi","tag-m-eine-stadt-sucht-einen-moerder","tag-splitter","tag-splitter-verlag","tag-thea-von-harbou","tag-thibault-vermot"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14652","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14652"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14652\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14657,"href":"https:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14652\/revisions\/14657"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14652"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14652"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14652"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}