{"id":14395,"date":"2026-02-06T12:51:17","date_gmt":"2026-02-06T10:51:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14395"},"modified":"2026-02-06T13:27:39","modified_gmt":"2026-02-06T11:27:39","slug":"es-war-einmal-amerika-band-2-jacoby-stuart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14395","title":{"rendered":"Es war einmal Amerika, Band 2 (Jacoby &amp; Stuart)"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"292\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Es-war-einmal-Amerika-2_WEB.jpg\" alt=\"Es war einmal Amerika, Band 2: Das 20. Jahrhundert (Jacoby &amp; Stuart)\" class=\"wp-image-14396\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Es-war-einmal-Amerika-2_WEB.jpg 292w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Es-war-einmal-Amerika-2_WEB-219x300.jpg 219w\" sizes=\"auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Folge 2 der <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=13843\" data-type=\"post\" data-id=\"13843\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">monumentalen amerikanischen Literaturgeschichte<\/a> des Kreativgespanns Catherine Mory, Oliver Gallmeister, Francois Gu\u00e9rif und Jean-Baptiste Hostache: der Blick f\u00e4llt nun auf die erste H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts, in der die rauschhaften Twenties abgel\u00f6st werden von Krieg, gro\u00dfer Depression und wieder Krieg, wodurch der amerikanische Traum endg\u00fcltig ins Gegenteil kippt. Wieder greift man sich einzelne, epochale Autoren heraus, vermischt Lebens- und Werkgeschichte und stellt diese vor den historischen Hintergrund, wodurch ein spannendes Kaleidoskop mit einem parforce-Ritt durch stilpr\u00e4gende Sch\u00f6pfungen entsteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ist zum Beispiel Dashiell Hammett, der fast im Alleingang den modernen, harten Kriminalroman erschafft: an die Stelle der Gentleman-Detektive eines <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=13617\" data-type=\"post\" data-id=\"13617\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Edgar Allan Poe<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=2814\" data-type=\"post\" data-id=\"2814\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Arthur Conan Doyle<\/a> seinen \u201ehard boiled detective\u201c, der in einer Welt aus Rassismus, Kapitalismus, Prohibition und Mafia alles andere als strahlend daherkommt. Der Ermittler selbst folgt dabei einem strikten Ehrenkodex, der aus Hammetts eigener T\u00e4tigkeit als <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=13846\" data-type=\"post\" data-id=\"13846\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Pinkerton-Detektiv<\/a> (u.a. w\u00e4hrend des legend\u00e4ren Fatty Arbuckle-Skandals) entspringt: nie die eigenen Ideale verraten, auch wenn es schmerzt. In \u201eRed Harvest\u201c tritt 1929 erstmals eine solche Figur auf, ein Ermittler der \u201eContinental OP\u201c \u2013 Hammett schildert dabei nur das Au\u00dfen, nur Taten, nie das Innenleben seiner Charaktere, was man sp\u00e4ter als behavioristisches Schreiben bezeichnen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Wird im traditionellen Kriminalroman einer <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14229\" data-type=\"post\" data-id=\"14229\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Agatha Christie<\/a> die Ordnung zwar leicht gest\u00f6rt, aber letztlich immer wieder hergestellt, gibt es bei Hammett nie eine saubere L\u00f6sung, die Verh\u00e4ltnisse bleiben letztlich unver\u00e4ndert, wir erleben das Bild einer tristen, zwielichtigen Gesellschaft in Form von modernen, sadistischen M\u00e4rchen: im \u201eMaltese Falcon\u201c von 1930 liefert Sam Spade (auf der Leinwand durch Humphrey Bogart unsterblich gemacht) am Ende selbst seine Geliebte der Polizei aus, da sie die M\u00f6rderin ist. Etwas leichter geht es beim \u201eThin Man\u201c 1934 zur Sache, von Hollywood ebenso erfolgreich verfilmt, und mit dem \u201eSecret Agent X-9\u201c liefert Hammett sogar das Skript f\u00fcr einen Comicstrip, was eine willkommene Geldquelle f\u00fcr ihn bietet. Sein Stern sinkt, als man ihn w\u00e4hrend der Kommunistenhatz auf die Liste der unerw\u00fcnschten Personen, der ber\u00fchmten Hollywood Ten, setzt\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ketten des Puritanismus sprengen, das ist hingegen die Zielsetzung von Henry Miller (nicht zu verwechseln mit Arthur, das ist der mit dem \u201eTod eines Handlungsreisenden\u201c): als Anarchist, Pazifist und \u201eLibert\u00e4r\u201c gef\u00e4llt er sich als Bohemi\u00e8n und arbeitet eher widerwillig in der Schneiderei des Vaters und sp\u00e4ter f\u00fcr Western Union. Obwohl er mit der jungen June verheiratet ist, beginnt er 1930 in Paris eine Affaire mit der ebenfalls gebundenen Anais Nin, der Ehefrau des wohlhabenden Hugo Guyler, mit der er alsbald ausladende erotische Abenteuer erlebt, die er im tief autobiographischen \u201eTropic of Cancer\u201c schildert \u2013 ein Roman, der ihm einen Ruf f\u00fcr Obsz\u00f6nit\u00e4t einbringt und in den USA prompt verboten wird.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"209\" height=\"350\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Es-war-einmal-Amerika-2_Panel-0_WEB.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14401\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Es-war-einmal-Amerika-2_Panel-0_WEB.jpg 209w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Es-war-einmal-Amerika-2_Panel-0_WEB-179x300.jpg 179w\" sizes=\"auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>1939 folgen mit \u201eTropic of Capricorn\u201c&nbsp; weitere Provokationen, w\u00e4hrend Miller den Zerfall seines Landes wahrnimmt, den er als den \u201eklimatisierten Alptraum\u201c beschreibt. Ein skandaltr\u00e4chtiger Prozess um seine B\u00fccher f\u00f6rdert 1946 seine Popularit\u00e4t, Miller avanciert zum Star, der 1946 mit \u201eSexus\u201c, in der es unverhohlen um June geht, flei\u00dfig nachlegt \u2013 was in den USA nat\u00fcrlich auch verboten wird. 1961 schlie\u00dflich darf der \u201eWendekreis des Krebses\u201c endlich auch den USA erscheinen, Miller ist zu der Zeit l\u00e4ngst ein literarischer Popstar, <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=9839\" data-type=\"post\" data-id=\"9839\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">der in Hollywood lebt<\/a> und von der Hippie-Bewegung vereinnahmt wird, was ihm so gar nicht schmeckt\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kaum eine andere \u00f6ffentliche Person verk\u00f6rpert F. Scott Fitzgerald den Rausch der wilden Zwanziger und den folgenden j\u00e4hen Sturz: aufgewachsen in betuchten Verh\u00e4ltnissen, inszeniert Fitzgerald sich fr\u00fch <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=13248\" data-type=\"post\" data-id=\"13248\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">als Dandy<\/a>, schreibt an der Elite-Universit\u00e4t Princeton Musicals, verliebt sich in Zelda, die ihn zun\u00e4chst zur\u00fcckweist, worauf er anf\u00e4ngt zu trinken, was auch die Prohibition nicht beenden kann. Sein Debut \u201eThis Side of Paradise\u201c beschreibt mehr oder weniger genau diese Konstellation: eine desillusionierte, zynische, rein materialistische Gesellschaft sucht ihr Vergn\u00fcgen, was der auf Kredit aufgebaute Wirtschaftsboom der 20er auch zu erlauben scheint. Mit Rosalind schafft Fitzgerald die Figur des \u201eflappers\u201c, der selbstbestimmten jungen Frau, die kurze R\u00f6cke tr\u00e4gt, sich die Haare zu einem Bob schneidet, raucht und s\u00e4uft \u2013 von Louise Brooks auf der Leinwand, von Dorothy Parker in der Realit\u00e4t ikonisch verk\u00f6rpert.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Roman wird zum Schlager, Zelda willigt in die Heirat ein. Das Paar avanciert zum Presseliebling und Symbol der 20er, rauschende Parties, Alkoholexzesse und vor allem ein \u00fcber alle finanzielle Verh\u00e4ltnisse gehendes Leben kennzeichnen ihren Weg. 1924 an der Cote d\u2019Azur liefert Fitzgerald seinen Geniestreich: mit der tragischen Pseudoliebesgeschichte um den geheimnisvollen Gatsby entsteht der Roman der roaring twenties, in dem Nick Carraway auf Long Island von seinem Nachbarn stets \u201eold sport\u201c genannt wird und die Trag\u00f6die um Gatsbys Werben um seine verflossene Daisy miterlebt, den gelben <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=2502\" data-type=\"post\" data-id=\"2502\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Rolls Royce<\/a> und die symbolischen Augen des Dr. Eckleburg inklusive: der amerikanische Traum ist nur noch Fassade. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Fitzgeralds taumeln zwischen Erfolg und Verschwendung, man lebt in Hollywood und Paris, bis der gro\u00dfe B\u00f6rsencrash 1929 das Kartenhaus zum Einsturz bringt. Zela rutscht in die Schizophrenie, Fitzgerald verarbeitet die Erlebnisse 1934 in \u201eTender is the Night\u201c, nicht selten als sein Meisterwerk anerkannt, der Erfolg bleibt jedoch aus: in der gro\u00dfen Depression will niemand mehr etwas vom Dandy der 20er h\u00f6ren, der 1940 mit nur 44 Jahren an den Folgen seines jahrelangen Alkoholismus stirbt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso trinkfreudig, aber durchaus weniger glamour\u00f6s geht William Faulkner ans Werk: anf\u00e4nglich noch ein Dandy wie sein Vorbild Swinburne, lernt er schnell die Schattenseiten des Lebens kennen, die er 1924 auf einer Europa-Reise im Erstling \u201eSoldatenlohn\u201c schildert. Dann aber ersinnt er die Welt, die sein weiteres Schaffen bestimmen wird: den fiktiven Bezirk Yoknapatawpha County in Mississippi, in dem alle seine Werke spielen werden, in dem Faulkner in einer Art modernem Horror-Roman Motive wie Rassismus, Inzest, Wahnsinn und Selbstmord thematisieren wird.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"336\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Es-war-einmal-Amerika-2_Panel-1_WEB-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14405\" style=\"width:428px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Es-war-einmal-Amerika-2_Panel-1_WEB-1.jpg 400w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Es-war-einmal-Amerika-2_Panel-1_WEB-1-300x252.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Fr\u00fche Kulmination dieser d\u00fcsteren Welt ist 1929 \u201eThe Sound and the Fury\u201c (der Titel geht auf Macbeth zur\u00fcck, der entsetzt feststellt, das Leben sei eine Geschichte, die von einem Irren erz\u00e4hlt wird, voller Schall und Wahn und v\u00f6llig ohne Bedeutung), der Chronik eines Familienniedergangs, die teilweise als stream of consciousness aus der Sicht des geistig zur\u00fcckgebliebenen Benjy erz\u00e4hlt wird und mit einer durchg\u00e4ngig d\u00fcsteren Rhetorik verst\u00f6rt. 1930 folgt Faulkner dem Ruf von Howard Hawks nach Hollywood, sein Alkoholismus eskaliert zunehmend, w\u00e4hrend er 1936 in \u201eAbsalom Absalom\u201c nach alttestamentarischem Vorbild wieder Abseitigkeiten wie Brudermord und kollektive Schuld schildert. Nach Ende des zweiten Weltkriegs steigt Faulkners Erfolg auch beim Publikum, eine Popularit\u00e4t, die 1950 in der Verleihung des Literaturnobelpreises gipfelt, bevor Faulkner 1962 stirbt.<\/p>\n\n\n\n<p>Supermacho, Aufschneider, Freiheitsk\u00e4mpfer, literarisches Genie: auf Ernest Hemingway trifft jede dieser Beschreibungen zu. Seine Verwundung im Krieg 1918 stilisiert er gekonnt zur Heldentat, tr\u00e4gt aber klammheimlich ein lebenslanges Trauma davon, das in den gebrochenen Helden seiner Romane durchscheinen wird. Als Europa-Zeitungskorrespondent lernt er Paris kennen und trifft dort auf Gertrude Stein, die ihn und seine Altersgenossen Ezra Pound, John Dos Passos und andere stilpr\u00e4gend als \u201eLost Generation\u201c bezeichnet, der Generation, die aus dem Krieg zur\u00fcckkam, aber nie mehr Lebensmut und Zuversicht empfinden konnte. Niemand anders als F. Scott Fitzgerald empfiehlt seinem Verlag Scribners den jungen Kollegen, so dass 1926 Hemingways Erstling \u201eThe Sun Also Rises\u201c erscheinen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Erfolg bringt Reichtum, Hemingway zieht mit seiner zweiten Frau nach Key West und schreibt dort 1929 \u201eA Farewell to Arms\u201c, eine autobiographische, kritische Darstellung des Krieges und seiner Folgen. Hemingway gef\u00e4llt sich zunehmend als Abenteurer und Gegenentwurf zum Dandy der 20er: Stierkampf, Gro\u00dfwildjagd, Hochseefischerei, alles praktiziert er publikumswirksam, die Grenze zwischen seinen Figuren und ihm selbst verschwimmt (wie etwa in der Erz\u00e4hlung <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14199\" data-type=\"post\" data-id=\"14199\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eSnows of Kilimanjaro\u201c<\/a> von 1936). Im <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=10217\" data-type=\"post\" data-id=\"10217\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">spanischen B\u00fcrgerkrieg<\/a> der 30er Jahre greift er ein (und \u00fcbertreibt seine Rolle ma\u00dflos), was er auch literarisch verarbeitet: \u201eFor Whom the Bell Tolls\u201c (nein, der Titel stammt nicht von <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=9879\" data-type=\"post\" data-id=\"9879\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Metallica<\/a>, sondern aus einem Gedicht von John Donne: frage nicht, wem die Stunde schl\u00e4gt: sie schl\u00e4gt Dir!) ger\u00e4t 1940 mit einer nihilistischen Erz\u00e4hlung um einen zum Scheitern verurteilten Anschlag gegen die Faschisten erneut zum Triumph.<\/p>\n\n\n\n<p>Hemingways Stil ist mittlerweile ausgepr\u00e4gt: kurz, lakonisch, scheinbar emotionslos, lapidar immer die Au\u00dfensicht einnehmend und wahr. So sprichw\u00f6rtlich wird diese Form des modernen Klassizismus, der von Hemingway selbst so benannten \u201eEisberg Theorie\u201c, dass sie sogar im ber\u00fchmten Spa\u00dfspiel \u201eWhy did the Chicken cross the road?\u201c erscheint, der Frage, die jeweils f\u00fcr eine ber\u00fchmte Person oder Denkweise m\u00f6glichst charakteristisch beantwortet wird: \u201eHemingway: To die. In the rain.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Taten im <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=6481\" data-type=\"post\" data-id=\"6481\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">zweiten Weltkrieg<\/a> schildert Hemingway wieder in den schillerndsten Farben, er zieht sich nach Kuba zur\u00fcck und ersinnt schlie\u00dflich 1952 sein bekanntestes Werk: \u201eThe Old Man and the Sea\u201c, der Kampf des Fischers Santiago gegen den riesigen Marlin, ist eine Sensation. Nicht zuletzt dank der (eigentlich eher misslungenen) Verfilmung von 1958 mit Spencer Tracy in der Hauptrolle geh\u00f6rt die Erz\u00e4hlung zur kollektiven Erinnerung, deuten kann man sie sowohl wie eine griechische Trag\u00f6die als ultimatives Scheitern und Strafe f\u00fcr Hybris oder auch als Hohelied auf den Ehrgeiz, das Unm\u00f6gliche zu erreichen, auch wenn der Triumph nur von kurzer Dauer ist. Dies gelingt auch Hemingway selbst, er gewinnt 1953 den Pulitzer-Preis und 1954 den Literaturnobelpreis, aber auch bei ihm ist die Freude nicht von Dauer: depressiv und vom Alkohol zerr\u00fcttet, setzt er seinem Leben 1961 selbst ein Ende \u2013 wie schon sein Vater 1928.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"429\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Es-war-einmal-Amerika-2_Panel-2_WEB.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14407\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Es-war-einmal-Amerika-2_Panel-2_WEB.jpg 500w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Es-war-einmal-Amerika-2_Panel-2_WEB-300x257.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Der 24. Oktober 1929 geht in die amerikanische Geschichte ein, beendet auf einen Schlag den Tanz der goldenen Zwanziger und st\u00fcrzt abertausende ins Elend: an diesem \u201eschwarzen Donnerstag\u201c platzt die auf Kredit gebaute Spekulationsblase an der Wall Street, Banken gehen reihenweise pleite, die auf \u00dcberproduktion und Konsum basierende US-Wirtschaft bricht weitgehend zusammen (daher merke: nie auf Kredit Wertpapiere kaufen!!). W\u00e4hrend die Notenbank genau das Falsche macht und die Zinsen erh\u00f6ht, wandert ein Heer von hungernden Arbeitslosen durch die St\u00e4dte, das Land wird von den Hobos durchstreift, man findet Zuflucht in den zynisch \u201eHoovervilles\u201c benannten Barackensiedlungen.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Zeit versucht John Steinbeck, mittellos und vom Vater abh\u00e4ngig, als Schriftsteller Fu\u00df zu fassen. Erst 1935 gelingt ihm mit dem modernen Schelmenroman \u201eTortilla Flat\u201c ein Achtungserfolg, die Parodie der Geschichten um die Ritter der Tafelrunde macht durchaus Eindruck. Tiefer Pessimismus und die Schatten der gro\u00dfen Depression durchziehen \u201eOf Mice and Men\u201c von 1936: der geistig zur\u00fcckgebliebene Lenny durchstreift das Land auf Suche nach Arbeit, t\u00f6tet unabsichtlich eine Frau und wird von seinem Freund George erschossen, um ihn so vor der Lynchjustiz zu bewahren \u2013 der amerikanische Traum ist tot, geschildert im behavioristischen Stil, den schon Hammett und Hemingway pflegten.<\/p>\n\n\n\n<p>Den H\u00f6hepunkt des Schaffens erreicht Steinbeck dann in der pechschwarzen Vision \u201eThe Grapes of Wrath\u201c: auf der Flucht der vor der <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=11646\" data-type=\"post\" data-id=\"11646\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Naturkatastrophe der Dust Bowl<\/a> (der Great Planes, die in den 30er Jahren durch \u00dcberbewirtschaftung und D\u00fcrren versandeten, was tausenden Farmern die Existenz raubten) macht sich die Familie Joad auf in den vermeintlich reichen Westen, wo in Kalifornien angeblich Arbeit und Lohn winken. Der lange Weg ger\u00e4t zu einem Alptraum, Tod und Verderben s\u00e4umen den Weg, und auch das gelobte Land erweist sich als H\u00f6lle, wo man die Landstreicher verjagt. Der Sohn der Familie Tom kommt in Konflikt mit dem Gesetz und muss tatenlos zusehen, wie seine Familie zunehmend verwahrlost und der Vater dem Hungertod nahe ist. Diese zutiefst d\u00fcstere Vision entstammte Steinbecks eigener T\u00e4tigkeit als Zeitungsreporter, der den Exodus aus der Dustbowl in einer Artikelserie mit mittlerweile ikonischen Fotos dokumentierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn die John Ford Verfilmung des Romans, der h\u00f6chst umstritten 1940 den Pulitzer-Preis gewann, die \u00fcbelsten Elemente glattb\u00fcgelte, machte der Erfolg Steinbeck reich, f\u00fchrte jedoch ebenfalls zu Anfeindungen der nicht selten als Netzbeschmutzung empfundenen Realismus. 1953 lieferte er mit dem finsteren Familiendrama \u201eEast of Eden\u201c die Vorlage f\u00fcr eine weitere Verfilmung, die die Karriere von James Dean begr\u00fcndete, bevor 1962 schlie\u00dflich der Nobelpreis das Werk kr\u00f6nte. Steinbecks Geist lebt einstweilen weiter, er beeinflusste Heerscharen von K\u00fcnstlern \u2013 Bruce Springsteen etwa eignete sich die Persona in seinem dunklen Akustik-Album \u201eThe Ghost of Tom Joad\u201c an, und sogar im so oft als Partyhymne missverstandenen \u201eVerdamp lang her\u201c sinniert Wolfgang Niedecken \u00fcber seine Jugend in einem eher konservativen Elternhaus: \u201eIch wollt John Steinbeck, do stund nur <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=6665\" data-type=\"post\" data-id=\"6665\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Joseph Conrad<\/a>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Theater des Wahnsinns, dies umschreibt das B\u00fchnenwerk recht zutreffend, das Thomas Lanier \u201eTennessee\u201c Williams, der sich selbst nach seiner Heimat umbenannte, im Laufe seines Lebens schuf. Mord, Wahnsinn, Kannibalismus, Inzest, alles ist vertreten, was nicht zuletzt auf diverse traumatische Erlebnisse zur\u00fcckzuf\u00fchren sein d\u00fcrfte: der gewaltt\u00e4tige Vater maltr\u00e4tiert die puritanische Mutter, seine Schwester Rose wird schizophren und landet in einer Anstalt, wo man sie als eine der ersten Patientinnen \u00fcberhaupt einer Lobotomie unterzieht, wor\u00fcber Williams nie hinwegkommt. Nach Wanderjahren geht Williams <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=11855\" data-type=\"post\" data-id=\"11855\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">nach New Orleans<\/a>, wo er seine Homosexualit\u00e4t entdeckt und den literarischen Stil des \u201eSouthern Gothic\u201c entwickelt, in der wie bei Faulkner der S\u00fcden als Ort der Dekadenz und des Stillstandes erscheint.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"396\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Es-war-einmal-Amerika-2_Panel-3_WEB.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14409\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Es-war-einmal-Amerika-2_Panel-3_WEB.jpg 500w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Es-war-einmal-Amerika-2_Panel-3_WEB-300x238.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>1943 verarbeitet Williams in der \u201eGlass Menagerie\u201c in der Figur der psychisch kranken Laura seine Schuldgef\u00fchle gegen\u00fcber Rose, bevor er 1947 in \u201eA Streetcar Named Desire\u201c durchzogen mit freudianischen Motiven die ganze Abseitigkeit des Lebens zeigt, in der die angeblich so harmlose verblichene Southern Belle Blanche DuBois ins Leben ihrer Schwester Stella und ihres r\u00fcpelhaft-vitalen Mannes Stanley Kowalski eindringt. F\u00fcr die B\u00fchnenfassung empfiehlt Elia Kazan einen jungen Schauspieler namens Marlon Brando, der Williams durch seine Tatkraft sofort \u00fcberzeugt und als Method Actor auch in der Filmversion brillieren wird. Auch \u201eCat on a Hot Tin Roof\u201c wird auf der B\u00fchne 1955 und auf der Leinwand 1958 ein strahlender Erfolg \u2013 doch Williams wird mit keinem der zahlreichen Filmfassungen einverstanden sein: er f\u00fchlt sich zensiert und weichgesp\u00fclt, zu oft b\u00fcgelt Hollywood die scharfen Kanten seiner St\u00fccke glatt und entfernt konsequent alle Verweise auf Homosexualit\u00e4t. Williams versinkt immer mehr in einem Sumpf aus Drogen, Alkohol und Sex, ver\u00f6ffentlicht 1970 noch skandaltr\u00e4chtig seine Memoiren und stirbt 1983 in New York.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Stimme f\u00fcr die entt\u00e4uschte Generation, das war die Mission der Beat-Poeten, allen voran Jack Kerouac, der mit \u201eOn the Road\u201c eigenh\u00e4ndig einen neuen Stil schuf, der rhythmisch-improvisierend den Bebop-Jazz nachahmt. Die als Beatniks beschimpften aufm\u00fcpfigen jungen Wilden um Alan Ginsberg und William Burroughs sind den Drogen zugeneigt, \u201eHowl\u201c von Ginsberg avanciert zur Hymne einer Generation, Burroughs liefert mit \u201eNaked Lunch\u201c das Paradebeispiel des Drogenrauschromans \u2013 alt werden sie alle nicht. <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=1598\" data-type=\"post\" data-id=\"1598\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Truman Capote<\/a> hingegen ist in den 60ern und 70ern ein gefeierter Society-Star, seine Romane \u201eBreakfast at Tiffany\u2019s\u201c und das in zweifelhaften Umst\u00e4nden entstandene \u201eIn Cold Blood\u201c machen Furore (wobei Capotes gr\u00f6\u00dfte Stunde nat\u00fcrlich die Verk\u00f6rperung des Lionel Twain in \u201eMurder By Death\u201c 1976 sein sollte).<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht weniger als epochal und enzyklop\u00e4disch ist damit auch der <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=13843\" data-type=\"post\" data-id=\"13843\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">zweite Band des ambitionierten Projektes<\/a>, in dem Catherine Mory, Oliver Gallmeister, Francois Gu\u00e9rif und Jean-Baptiste Hostache damit nun die Geschichte der US-Literatur komplettieren. In gewohnter Manier werden Inhalte der Werke mit biographischen Z\u00fcgen vermischt, im Funny-Stil dargeboten, mit Kommentaren der Literaturwissenschaft angereichert und damit in einen gesamtk\u00fcnstlerischen Kontext gestellt. In einem Epilog am Ende schlagen zwei Pilgerv\u00e4ter den Bogen zur\u00fcck zum Anfang: die Literatur spiegele ihren Versuch, eine neue, bessere Welt zu erschaffen, und zeige gleichzeitig Unzul\u00e4nglichkeit und Scheitern.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn man die eine oder andere Auswahl sicher hinterfragen kann \u2013 so etwa vermisst man durchaus gro\u00dfe Namen wir Arthur Miller (Death of a Salesman), Norman Mailer (The Naked and the Dead, Armies of the Night) oder Eugene O\u2019Neill (Mourning becomes <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=3430\" data-type=\"post\" data-id=\"3430\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Electra<\/a>) -, bieten die insgesamt zwei B\u00e4nde einen parforce-Ritt durch die amerikanische Literatur, Geschichte und Gesellschaft, die dazu animiert, so manches Werk nochmal in die Hand zu nehmen. Wenn man dazu mal Zeit hat. Bei Jacoby &amp; Stuart erscheint auch dieser Band hochwertig als Hardcover. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.jacobystuart.de\/buecher-von-jacoby-stuart\/neuerscheinungen\/es-war-einmal-amerika-2\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.jacobystuart.de\/buecher-von-jacoby-stuart\/neuerscheinungen\/es-war-einmal-amerika-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Es war einmal Amerika, Band 2: Das 20. Jahrhundert<\/a><br>Text &amp; Story: Catherine Mory, Oliver Gallmeister, Fran\u00e7ois Gu\u00e9rif<br>Bilder: Jean-Baptiste Hostache<br>256 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Verlag Jacoby &amp; Stuart<br>35 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-96428-280-4<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D14395\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14395\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Es war einmal Amerika, Band 2 (Jacoby &amp; Stuart) &raquo; Comicleser #Amerika #Catherine Mory #D [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Folge 2 der monumentalen amerikanischen Literaturgeschichte des Kreativgespanns Catherine Mory, Oliver Gallmeister, Francois Gu\u00e9rif und Jean-Baptiste Hostache: der Blick f\u00e4llt nun auf die erste H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts, in der die rauschhaften Twenties abgel\u00f6st werden von Krieg, gro\u00dfer Depression und wieder Krieg, wodurch der amerikanische Traum endg\u00fcltig ins Gegenteil kippt. 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