{"id":14357,"date":"2026-01-22T12:35:57","date_gmt":"2026-01-22T10:35:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14357"},"modified":"2026-01-22T12:42:19","modified_gmt":"2026-01-22T10:42:19","slug":"das-phantom-der-oper-splitter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14357","title":{"rendered":"Das Phantom der Oper (Splitter)"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"288\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Phantom-der-Oper_WEB.jpg\" alt=\"Das Phantom der Oper (Splitter Verlag)\" class=\"wp-image-14358\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Phantom-der-Oper_WEB.jpg 288w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Phantom-der-Oper_WEB-216x300.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Aufregung in der Oper: ausgerechnet zur Premiere von Gounots Faust zeigt sich die Diva Carlotta unp\u00e4sslich. Der persische M\u00e4zen Daroga dr\u00e4ngt darauf, der Choristin Christine Daa\u00e9 eine Chance zu geben, und siehe da: der Abend ger\u00e4t zum Triumph, was auch Christines Verehrer Vicomte Raoul de Chagny erfreut. Das neue Direktorium hat jedoch ganz andere Sorgen: seit 6 Monaten erpresst ein Unbekannter <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=12788\" data-type=\"post\" data-id=\"12788\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">die Oper,<\/a> fordert Zugang zu Loge 5 sowie regelm\u00e4\u00dfige Zuwendungen von 20.000 Francs. Nachdruck verschafft sich der mysteri\u00f6se, in der Belegschaft das \u201ePhantom\u201c genannte Fiesling durch allerlei Untaten \u2013 er sendet Drohbriefe, ermordet eine Katze, verabreicht dem Ensemble ein Schlafmittel und erh\u00e4ngt den B\u00fchnenmeister, was schlie\u00dflich auch die Polizei auf den Plan ruft.<\/p>\n\n\n\n<p>Als man der gesundeten Carlotta ihre Hauptrolle zur\u00fcckgibt, stellt das Phantom ein Ultimatum: entweder Christine darf wieder singen, oder ein Fluch trifft die Oper. Man schl\u00e4gt die Warnungen in den Wind und erntet die Konsequenzen: auf offener B\u00fchne versagt der offenkundig vergifteten Carlotta die Stimme, und der gewaltige Kronleuchter st\u00fcrzt von der Decke und begr\u00e4bt diverse Zuschauer unter sich. Im Tumult ergreift eine maskierte Gestalt Christine und entf\u00fchrt sie in die Katakomben der Oper, wo sich ein ganz eigenes Reich inklusive Orgel, unterirdischem See und Wohns\u00e4len befindet. Der mysteri\u00f6se Fremde stellt sich als Erik vor, macht Christine reichlich Geschenke und bittet sie, bei ihm zu bleiben.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Phantom-der-Oper_Seite-1_WEB.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14360\" style=\"width:271px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Phantom-der-Oper_Seite-1_WEB.jpg 290w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Phantom-der-Oper_Seite-1_WEB-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Als Christine versehentlich Eriks Maske&nbsp; herunterzieht, schaut sie in eine f\u00fcrchterlich entstellte Fratze und will voller Panik fliehen. Nach Christines Versprechen, stets zu ihm zur\u00fcckzukehren, l\u00e4sst Erik die junge Dame frei. Als Christine gegen die Abmachung verst\u00f6\u00dft und mit Raoul fliehen will, kommt es zur Katastrophe: Erik, der die beiden belauscht hat, entf\u00fchrt Christine abermals in die Katakomben und zwingt sie, sich zu entscheiden: entweder sie bleibt bei ihm, oder er sprengt das Geb\u00e4ude. Raoul und Daroga, der sich mittlerweile als alter Weggef\u00e4hrte Eriks zu erkennen gegeben hat, nehmen die Verfolgung auf, werden aber vom Phantom in einem Foltersaal gefangen, der sich dank steigendem Wasserpegel zur Todesfalle zu entwickeln droht\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Mitte der 80er nahm das unangenehme Ph\u00e4nomen der Musicals deutlich an Fahrt auf, die halbe Welt pilgerte zu den Ansetzungen, hierzulande insbesondere in Hamburg. Fast schon inflation\u00e4r nahm man schwarze T-Shirts mit einer kleinen aufgedruckten Maske war, die Insidern zuraunten: ja, ich war beim Phantom der Oper, da f\u00e4llt der Kronleucher herunter,&nbsp; da ist ein See auf der B\u00fchne, und ein Maskierter haucht pathetisch \u201eMusic of the Night\u201c! (Kleines Bonmot: 1999 gab sogar einmal in Toronto ein gewisser Stanley Eisen, besser bekannt als Paul Stanley, die Titelfigur &#8211; dem Vernehmen nach durchaus eindrucksvoll). Dass hinter diesem Welthit aus der Feder des Musical-Herrschers Andrew Lloyd Webber (der sich sp\u00e4ter ja auch Billy Wilders \u201eSunset Boulevard\u201c vornahm) eine literarische Vorlage stand, das wussten wir \u00fcber Umwege \u2013 n\u00e4mlich \u00fcber die zahlreichen Verfilmungen, die das Werk des Krimi-Vielschreibers Gaston Leroux, erschienen erstmals als Fortsetzungsroman in der Zeitung Le Gaulois vom 23.09.1909-08.01.1910, einem breiten Publikum bekannt machten.<\/p>\n\n\n\n<p>Allen voran ging hier die Stummfimversion von 1925, in der Lon Chaney sich einmal mehr als Mann der 1000 Gesichter erwies, den entstellten Erik gar furchterregend verk\u00f6rperte und in einer spektakul\u00e4ren kolorierten Ballsequenz als roter Tod die Freitreppe herunterschritt. Die Farbversion von 1943 verwendete die gleichen Kulissen gleich nochmal, wich aber von der Grundstory in einigen Aspekten ab, w\u00e4hrend Claude Rains wie stets brillierte. Der Roman selbst (der mir in jungen Jahren einmal als Buchclub-Ausgabe im elterlichen Schrank auffiel, dessen Lekt\u00fcre ich aber aufgab, zu gruselig) gilt gemeinhin als Klassiker der Kriminal- und Schauerliteratur. Basierend auf durchaus realen Ereignissen in der Op\u00e9ra Garnier, wie etwa einer Art Labyrinth nebst Stausee in den Katakomben sowie einem herabst\u00fcrzenden Kronleuchter, baute Leroux eine fulminante Mischung aus Grusel, Kriminalistik, Exotik (in Gestalt des Persers Daroga und der Fernreise von Erik) und einem Liebesmotiv im Geiste des Gl\u00f6ckners von Notre Dame.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"374\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Phantom-der-Oper_Seite-2_WEB.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14363\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Phantom-der-Oper_Seite-2_WEB.jpg 400w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Phantom-der-Oper_Seite-2_WEB-300x281.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>In den mechanischen Folterwerkzeugen, wie etwa einem eisernen Galgenbaum, oder der Flutung der Zellen steht Leroux durchaus auch in der N\u00e4he <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=13065\" data-type=\"post\" data-id=\"13065\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">von Poes sinkendem Pendel<\/a> aus der gleichnamigen Erz\u00e4hlung. Auch in Gestalt der Bildgeschichten trat uns Erik schon mehrfach entgegen, so etwa aus der Feder von Christophe Gaultier (deutsch zu haben bei Knesebeck) oder sogar in einer dem Webber-Musical folgenden Fassung von Cavan Scott und Jose Maria Beroy (bei Panini). In der vorliegenden Adaption halten sich die Literatur-Spezialisten Paul und Ga\u00ebtain Brizzi, die schon mehrfach Werke meisterlich umsetzten, darunter <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=3841\" data-type=\"post\" data-id=\"3841\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Cervantes<\/a> <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=12946\" data-type=\"post\" data-id=\"12946\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Don Quichotte<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=12069\" data-type=\"post\" data-id=\"12069\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dantes Inferno<\/a>, eng an die Vorlage, arrangieren allerdings diverse Elemente um (so etwa fehlt die Figur von Raouls Bruder) und verzichten komplett auf die vor allem im Chaney-Film zentrale Maskenball-Szene.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0Optisch markiert der Band allerdings einen neuen H\u00f6hepunkt: wie schon in den <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=11699\" data-type=\"post\" data-id=\"11699\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">bisherigen Adaptionen<\/a> dominieren Bleistift-Zeichnungen, die g\u00e4nzlich monochrom daherkommen und die D\u00fcsterkeit der Katakomben ebenso vermitteln wie die Monumentalit\u00e4t des Opernbaus. Szenen wie die Demaskierung Eriks und der stimmliche Zusammenbruch Carlottas sind durchaus expressiv \u00fcberh\u00f6ht, w\u00e4hrend an anderer Stelle eine realistische Darstellung dominiert. Im standesgem\u00e4\u00dfen Hardcover legt Splitter diese Fassung mit einer Skizzengalerie und einem kleinen Infoblock zu Gaston Leroux auf, was sich nahtlos in die durchweg beeindruckenden Klassiker-Versionen der Br\u00fcder Brizzi f\u00fcgt. Und ach ja, wer sich dem Musical in sicherer Distanz n\u00e4hern will, dem sei die Coverversion des Titelsongs empfohlen, den die <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=1993\" data-type=\"post\" data-id=\"1993\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">finnischen<\/a> Symphoniemetaller Nightwish 2002 vorlegten, Operngesang der Diva Tarja Turunen inklusive. Das bollert wenigstens. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/phantom-der-oper-graphic-novel.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/phantom-der-oper-graphic-novel.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Das Phantom der Oper<\/a><br>Text &amp; Story: Ga\u00ebtan Brizzi, Paul Brizzi, nach Gaston Leroux<br>Bilder: Ga\u00ebtan Brizzi, Paul Brizzi<br>160 Seiten in Schwarz-Wei\u00df, Hardcover<br>Splitter Verlag<br>35 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-68950-096-2<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D14357\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14357\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Das Phantom der Oper (Splitter) &raquo; Comicleser #Das Phantom der Oper #Einzelband #Ga\u00ebtan Briz [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufregung in der Oper: ausgerechnet zur Premiere von Gounots Faust zeigt sich die Diva Carlotta unp\u00e4sslich. 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