{"id":13065,"date":"2024-11-14T13:11:24","date_gmt":"2024-11-14T11:11:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=13065"},"modified":"2024-11-14T13:12:19","modified_gmt":"2024-11-14T11:12:19","slug":"der-rabe-splitter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=13065","title":{"rendered":"Der Rabe \/ The Raven (Splitter)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"288\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Der-Rabe_WEB.jpg\" alt=\"Der Rabe \/ The Raven (Splitter Verlag)\" class=\"wp-image-13066\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Der-Rabe_WEB.jpg 288w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Der-Rabe_WEB-216x300.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Schwarz ist sie, die Stimmung des lyrischen Ichs \u2013 in tiefer Trauer um seine verschiedene Angebetete Lenore hat er sich vor dem Kamin zur\u00fcckgezogen und in alten, metaphysischen B\u00fcchern Trost gesucht. Da klopft es, herein flattert ein ebenso <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=12989\" data-type=\"post\" data-id=\"12989\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">pechschwarzer Rabe<\/a>, der sich auf die Pallas-B\u00fcste auf dem Kaminsims niederl\u00e4sst. Der Sprecher tritt in einen erst am\u00fcsierten, dann immer dramatischeren Dialog, dessen Fragen der Besucher stets mit einem gekr\u00e4chzten \u201eNimmermehr\u201c beantwortet \u2013 bis der Leidende davon \u00fcberzeugt ist, dass der Rabe, wie der Schatten seiner Melancholie in nie mehr verlassen wird \u2013 eben auch \u201enimmermehr\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Was sich rein rational als ein kleines St\u00fcck absurde Melodramatik liest, ist nat\u00fcrlich eines der genialsten Gedichte der Weltliteratur. Mit \u201eThe Raven\u201c lieferte der noch weitgehend unbekannte <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=12551\" data-type=\"post\" data-id=\"12551\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Edgar Allan Poe<\/a> 1845 sein lyrisches Meisterwerk, das ihn nicht zuletzt durch eindrucksvolle Darbietungen durch den Autor selbst, vorgetragen in hypnotisch-suggestivem Singsang, auf einen Schlag bekannt machte. Das Gedicht brilliert durch eine magische Sprachmelodie und liefert ein Paradebeispiel f\u00fcr das, was Poe in seinen Kurzgeschichten gerne als das Makabre und \u201eArabeske\u201c bezeichnete \u2013 ein schauerhafter, atmosph\u00e4rischer Gesamteindruck, der weit \u00fcber dem Inhalt steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich ging es Poe nach eigenen Worten darum, dass die Poesie die \u201eUnbestimmtheit des von einer s\u00fc\u00dfen Melodie erweckten Hochgef\u00fchls\u201c erzeuge, ohne dies weiter zu ergr\u00fcnden &#8211; eben getreu dem Motto \u201eart for art\u2019s sake\u201c. Dies gelingt im Raven formidabel, mit geh\u00f6rigen Anspielungen auf die Alkohol- und Drogenproblem des Dichters, der sein kurzes Leben mit Schnaps und dem seinerzeit frei verf\u00fcgbaren Laudanum vergeblich zu versch\u00f6nern versuchte: nur vier Jahre nach seinem Erfolg mit dem Raben verstarb Poe unter mysteri\u00f6sen Umst\u00e4nden. An einer nahezu unm\u00f6glichen \u00dcbersetzung des Gedichtes versuchten sich viele Federn, am n\u00e4chsten kam dem Original wohl noch die Variante des Deutsch-Amerikaners Carl Theodor Eben von 1869, die auch die Basis f\u00fcr die hier vorliegende optische Untermalung des Textes bietet.<\/p>\n\n\n\n<p>Treffend als \u201eIllustriertes Gedicht\u201c betitelt, legen Gaby von Borstel und Peter Eickmeyer (u.a. <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=8107\" data-type=\"post\" data-id=\"8107\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eDer zweite Mann\u201c<\/a>, \u201eHeinrich Heine\u201c) eine kongeniale Untermalung des Textes vor, der zun\u00e4chst in der deutschen \u00dcbersetzung und dann nochmals im englischen Original in voller L\u00e4nge enthalten ist. Auf jeder Seite findet sich jeweils eine Strophe, umrahmt von einer eindrucksvollen optischen Kombination des in aquarellhaftem Blau-Schwarz gehaltenen Besuchers und dem in rot erscheinenden Protagonisten, der sich als sprichw\u00f6rtlicher \u201eroter Faden\u201c durch Geschehen zieht. Ebenfalls in Rot gehalten sind die leitmotivischen Schl\u00fcsselw\u00f6rter: \u201eLenore\u201c, \u201eNevermore\u201c, all das erscheint im Bilde ebenso wie die symboltr\u00e4chtige Pallas-B\u00fcste.<\/p>\n\n\n\n<p>Im englischen Teil dominiert dann vollends eine pechschwarze Gestaltung, die die Atmosph\u00e4re nochmals erdr\u00fcckender macht. Damit die Sache allerdings nicht g\u00e4nzlich ins Melancholische abdriftet, f\u00fcgen die beiden Macher noch ein kleines Essay zu Poes Leben und Werk hinzu, wozu sich noch eine kleine Rehabilitation des oft geschm\u00e4hten titelgebenden Raben gesellt, der in so mancher Kultur durchaus positiv als G\u00f6tterbote und Weisheitsstifter besetzt ist \u2013 und dessen reales Vorbild f\u00fcr die Zeichnungen wohl im Heimattierpark Bielefeld wohnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Somit eine mehr als gelungene Umsetzung des Stoffes, den wir ja stets sehr gerne als Inspiration f\u00fcr diverse Grusel-Klassiker erkannten, vom alten Karloff\/Lugosi-Schlachtross von 1935 bis hin zur spa\u00dfig-pl\u00fcschigen Interpretation von Roger Corman, der 1963 unter der gleichen Flagge ein ganzes Zaubererduell ausrief \u2013 was nat\u00fcrlich allesamt au\u00dfer dem Titel nichts mit dem Gedicht gemein hat (und was wir in den einschl\u00e4gigen Videotheken Ende der 80er monatelang vergeblich suchten). Und dass die gute <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=6118\" data-type=\"post\" data-id=\"6118\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gundel Gaukeley<\/a> einen Raben namens Nimmermehr mit dabei hat, das berichten wir auch noch gerne. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/rabe-raven-eickmeyer.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/rabe-raven-eickmeyer.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Der Rabe \/ The Raven<\/a><br>Text &amp; Story: Edgar Allan Poe, Gaby von Borstel<br>Bilder: Peter Eickmeyer<br>64 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Splitter Verlag<br>18 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-98721-452-3<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D13065\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=13065\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Der Rabe \/ The Raven (Splitter) &raquo; Comicleser #Der Rabe #Edgar Allan Poe #Einzelband #Gedicht [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwarz ist sie, die Stimmung des lyrischen Ichs \u2013 in tiefer Trauer um seine verschiedene Angebetete Lenore hat er sich vor dem Kamin zur\u00fcckgezogen und in alten, metaphysischen B\u00fcchern Trost gesucht. 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