{"id":12285,"date":"2024-02-09T13:03:23","date_gmt":"2024-02-09T11:03:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=12285"},"modified":"2024-02-09T13:03:23","modified_gmt":"2024-02-09T11:03:23","slug":"mord-im-orient-express-carlsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=12285","title":{"rendered":"Mord im Orient-Express (Carlsen)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Mord-im-Orient-Express_WEB.jpg\" alt=\"Agatha Christie Classics: Mord im Orient-Express (Carlsen Verlag)\" class=\"wp-image-12286\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Mord-im-Orient-Express_WEB.jpg 290w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Mord-im-Orient-Express_WEB-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Zugreisen waren schon immer abenteuerlich, wenngleich nicht aus den gleichen Gr\u00fcnden wie heute. Das erf\u00e4hrt auch der belgische Meister der \u201ekleinen grauen Zellen\u201c Hercule Poirot, als er 1937 in Istanbul den Orient-Express nach Calais besteigen will, nachdem ihm sein alter Bekannter Monsieur Bouc, Chef der Eisenbahnlinie, vollmundig eine Luxuspassage angeboten hat. Das gestaltet sich schwierig, der Zug ist wider Erwarten voll belegt, aber Poirot erhascht noch ein Pl\u00e4tzchen, indem er sich ein Schlafabteil teilt. Als sich der Zug in Bewegung setzt, studiert Poirot interessiert die h\u00f6chst internationale Mischung aus Fahrg\u00e4sten, die ihn alsbald mit seiner Eigenschaft als Sp\u00fcrnase konfrontiert: der durchaus unangenehme amerikanische Million\u00e4r Mr. Ratchett erh\u00e4lt in letzter Zeit vermehrt Drohbriefe und will Poirot zur Aufkl\u00e4rung engagieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der lehnt dankend ab, aber die Bedenken ob seiner Sicherheit erweisen sich als \u00e4u\u00dferst begr\u00fcndet: als der Orient-Express nachts irgendwo hinter Belgrad in einer Schneewehe stecken bleibt, rumort es in den Abteilen. Poirot h\u00f6rt verd\u00e4chtige Ger\u00e4usche, kurze franz\u00f6sische Ausrufe aus Ratchetts Abteil und sieht eine nicht erkennbare Dame in einem roten Kimono mit schwarzem Drachen \u00fcber den Gang eilen. Kurz darauf stellt sich der Grund der Aufregung heraus \u2013 Ratchett wurde ermordet, auf eine durchaus rabiate und krude Art mit 12 Messerstichen. Bouc zeigt sich verzweifelt wegen des zu bef\u00fcrchtenden Skandals f\u00fcr seine Bahnlinie und bittet Poirot um Hilfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem keine Polizei vordringen kann und der M\u00f6rder noch im Zug sein muss, willigt Poirot ein. Nach und nach vernimmt der belgische Sp\u00fcrhund Fahrg\u00e4ste und Schaffner und st\u00f6\u00dft dabei schnell auf einen erstaunlichen Hinweis: der angebliche amerikanische M\u00fc\u00dfigg\u00e4nger Ratchett war in Wahrheit niemand anders als ein italienischer&nbsp; Schwerverbrecher namens Cassetti, der im Jahr 1932 auf Long Island die kleine Daisy Armstrong entf\u00fchrte und ermordete, worauf die Mutter Daisys starb und der Vater sich aus Kummer umbrachte. Cassetti wurde \u2013 vermutlich von einem bestochenen Richter \u2013 freigesprochen, und nach und nach festigt sich bei Poirot die Erkenntnis, dass mehr oder weniger alle Passagiere im Zug auf die eine oder andere Art mit dieser Trag\u00f6die in Verbindung stehen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eMurder on the Orient Express\u201d, erschienen am 01. Januar 1934 (in deutscher Ausgabe mit dem vielsagenden Titel \u201eDie Frau im Kimono\u201c), legte die Queen of Crime Agatha Christie den in der Nachwelt wohl bekanntesten Roman um den belgischen Gourmet-Ermittler Hercule Poirot (neben Strickliesel Miss Marple die \u201eandere\u201c gro\u00dfe Ermittler-Figur aus ihrer Feder) vor, was weniger mit dem literarischen Erfolg zusammenh\u00e4ngt, als vielmehr mit der Verfilmung von Sidney Lumet, der das Werk 1974 mit Albert Finney in der Hauptrolle und einem Who is Who der Kinowelt auf die Leinwand zauberte. Auch die Neuauflage unter der \u00c4gide von Shakespeare-Veteran Kenneth Branagh schlug 2017 durchaus ein und f\u00fchrte zu einer kleinen Poirot-Reihe, die aktuell den \u201eTod auf dem Nil\u201c und das \u201eHaunting in Venice\u201c umfasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Roman selbst griff seinerzeit auf reale Ereignisse zur\u00fcck, die der Leserschaft noch in bester oder schauriger Erinnerung waren: die Geschichte der Entf\u00fchrung und Ermordung der kleinen Daisy Armstrong, die Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist, war eine kaum kaschierte Referenz auf die Entf\u00fchrung des Lindbergh-Babys, die erst zwei Jahre vor Ver\u00f6ffentlichung des Romans 1932 die Welt ersch\u00fcttert hatte. Um diesen Grundkomplex herum webt Christie ihr \u00fcbliches Netz von echten und falschen Hinweisen, den so genannten Red Herrings, die nicht nur die Autorin, sondern auch die Misset\u00e4ter in der Geschichte selbst absichtlich einsetzen, um Poirot zu verwirren (was im Kom\u00f6dien-Klassiker \u201eEine Leiche zum Dessert\u201c trefflich parodiert wird) Film. Das moralisch durchaus ambivalente Ende wirft die Frage auf, ob eine offenkundige Ungerechtigkeit durch Selbstjustiz behoben werden darf \u2013 ein durchaus zeitloses Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>In der hier vorliegenden Umsetzung konzentriert Benjamin von Eckartsberg (bestens bekannt durch <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?tag=gung-ho\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?tag=gung-ho\" target=\"_blank\">die \u201eGung-Ho\u201c Reihe<\/a> mit <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3775\" data-type=\"post\" data-id=\"3775\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Thomas von Kummant<\/a>) den Roman auf seine zentralen Szenen, wobei vor allem die sukzessiven Verh\u00f6re der Passagiere den geb\u00fchrenden Raum einnehmen. Poirot, der sich stets in der dritten Person bezeichnet, erscheint als leicht zynischer Menschenkenner, der am Ende feststellt, der Fall werde alle, mich eingeschlossen, noch lange belasten. <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4083\" data-type=\"post\" data-id=\"4083\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zeichner Chaiko<\/a> (dahinter verbirgt sich Cai Feng aus Shanghai), mit dem Eckartsberg bereits Band 3-6 der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2371\" data-type=\"post\" data-id=\"2371\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eChronik der Unsterblichen\u201c<\/a> adaptierte, inszeniert das Geschehen im wunderbar traditionellen, franko-belgisch angehauchten Stil, der Poirot mitsamt seiner Leibesf\u00fclle und dem charakteristischen Schnauzer treffend ins Bild bringt und auch in den Szenen des eingeschneiten Zugs atmosph\u00e4risch zu \u00fcberzeugen wei\u00df. Somit eine gelungene Umsetzung, dem gerne noch weitere Stories folgen d\u00fcrfen. Der Fundus ist ja wahrlich ausreichend. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.carlsen.de\/hardcover\/agatha-christie-classics-mord-im-orient-express\/978-3-551-72890-6\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.carlsen.de\/hardcover\/agatha-christie-classics-mord-im-orient-express\/978-3-551-72890-6\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Agatha Christie Classics: Mord im Orient-Express<\/a><br>Text &amp; Story: Benjamin von Eckartsberg, nach Agatha Christie<br>Bilder: Chaiko<br>64 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Carlsen Verlag<br>20 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-551-72890-6<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D12285\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=12285\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Mord im Orient-Express (Carlsen) &raquo; Comicleser #Agatha Christie #Benjamin von Eckartsberg #Ca [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zugreisen waren schon immer abenteuerlich, wenngleich nicht aus den gleichen Gr\u00fcnden wie heute. 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