{"id":10873,"date":"2022-11-14T13:04:11","date_gmt":"2022-11-14T11:04:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=10873"},"modified":"2022-11-14T13:08:40","modified_gmt":"2022-11-14T11:08:40","slug":"frankenstein-splitter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=10873","title":{"rendered":"Frankenstein (Splitter)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"288\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Frankenstein_Splitter_WEB.jpg\" alt=\"Frankenstein (von George Bess) Splitter Verlag\" class=\"wp-image-10874\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Frankenstein_Splitter_WEB.jpg 288w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Frankenstein_Splitter_WEB-216x300.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Arktis, fr\u00fches 19. Jahrhundert: der Forscher Walton ist von der Idee besessen, eine <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2628\" data-type=\"post\" data-id=\"2628\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Passage durch das Packeis<\/a> zu finden, und riskiert dabei Leib und Leben seiner Crew. Er staunt nicht schlecht, als ihm in der Ein\u00f6de erst ein schemenhafter H\u00fcne und dann ein ausgemergelter Mann \u00fcber den Weg laufen, der den Unhold offenbar verfolgt. Zwischen Fieberanf\u00e4llen und Bewusstlosigkeit enth\u00fcllt der schwer angeschlagene Victor Frankenstein seine Geschichte: aufgewachsen in Genf, interessiert er sich fr\u00fch f\u00fcr das Geheimnis des Lebens und studiert \u2013 nach einem ersten Abstecher zu den Alchemisten vom Schlage eines Paracelsus \u2013 die wissenschaftlichen Versuche, die Naturgewalten in Form der Elektrizit\u00e4t zu b\u00e4ndigen. Beim Studium in Ingolstadt trifft Frankenstein seinen Mentor Professor Waldmann, der ihn zu Experimenten ermutigt, in denen per Elektroschocks toten Gliedern zumindest der Anschein von Leben eingehaucht werden kann, wie das Galvani vorf\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald reichen die legal verf\u00fcgbaren Leichen nicht mehr aus, und so tummelt sich Frankenstein mit seinem buckligen Faktotum Sven auf diversen Friedh\u00f6fen, um sich \u00fcber finstere Kan\u00e4le Nachschub zu verschaffen. Als ein Zirkus in Ingolstadt Station macht und der mitreisende Riese bei einem Unfall stirbt, wittert Frankenstein seine Chance: endlich hat er einen K\u00f6rper, dessen Ausma\u00dfe in seine Vorhaben passen. In einer wilden Sturmnacht gelingt es tats\u00e4chlich, per Blitzableiter tausende Volt durch den zusammengeflickten Leib zu jagen \u2013 mit dem Ergebnis, dass sich der Sch\u00f6pfer mit Grausen von seiner Kreatur abwendet.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Frankenstein im Fieber zur\u00fcckbleibt, wo ihn sein angereister Freund Henry Clerval pflegt, flieht das Gesch\u00f6pf und macht bald mit streunenden Hunden und einem wilden Mob Bekanntschaft, vor denen es in den Wald entkommt. Dort l\u00f6st es weiter Entsetzen aus, bis es im Stall einer H\u00fctte Zuflucht findet, wo eine bitterarme Familie ihr karges Dasein fristet. \u00dcber Monate hinweg hilft der \u201egute Geist des Waldes\u201c im Verborgenen bei der Schwerstarbeit und lernt durch Zuh\u00f6ren und Nachahmen langsam aber sicher Sprache und sogar Lesen. Als das Gesch\u00f6pf in der Tasche des Mantels, den es sich bei seiner Flucht umwarf, das Tagebuch Frankensteins findet, erschlie\u00dft sich ihm die ganze Wahrheit: sein Vater hat sich abgewendet, die Menschheit verachtet ihn. Als er sich endlich durchringt, sich seiner \u201eGastfamilie\u201c zu offenbaren und ihn sogar diese mit Grauen betrachtet, schw\u00f6rt er Rache an seinem verantwortungslosen Sch\u00f6pfer\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Schon mit seinem <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9358\" data-type=\"post\" data-id=\"9358\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eDracula\u201c legte Georges Bess<\/a> eine kongeniale Adaption eines epochemachenden Schauerromans vor, die in viktorianisch anmutender Aufmachung in Gro\u00dfformat mit Goldpr\u00e4gung edlen Charme verspr\u00fchte. Durchaus folgerichtig kredenzt uns Bess nun in \u00e4hnlicher Manier seine Version von <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=8949\" data-type=\"post\" data-id=\"8949\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mary Shelleys Roman<\/a> von 1816, der mit Fug und Recht als Mutter (sic) aller Gruselgeschichten um Kreaturen, <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=8652\" data-type=\"post\" data-id=\"8652\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mad Scientists<\/a> und Fraglichkeit des ungez\u00fcgelten Forscherdrangs gelten darf. Bess setzt die Geschichte wieder in kraftvollen Tuschezeichnungen um, die sich verbal weidlich aus der Romanvorlage bedienen, alle zentralen Elemente pr\u00e4sentiert und sich dabei aber auch immer wieder einige Freiheiten g\u00f6nnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zentralen Problemstellungen des Romans \u2013 Ethik einer Forschung ohne Grenzen, Egoismus, Verarbeitung der zeitgen\u00f6ssischen Faszination der aufkommende Naturwissenschaften \u2013 erscheinen dabei ebenso wie die eher psychologischen Aspekte der Identit\u00e4tsstiftung sowie des <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1836\" data-type=\"post\" data-id=\"1836\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Doppelg\u00e4ngers<\/a> (der stets abweisende und abwesende Vater gibt seinem Kind keinen Namen und geht dann unweigerlich gemeinsam mit ihm unter) und der im literarisch-geistesgeschichtlichen Sinne romantischen Idee des Erhabenen in der Natur (gleichzeitig grausig und faszinierend &#8211; nicht umsonst l\u00f6sten Marys Ehegatte Percy Shelley und Kollege Lord Byron mit ihren Gedichten <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1608\" data-type=\"post\" data-id=\"1608\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00fcber die Alpen<\/a> den ersten Tourismus-Schub dorthin aus).<\/p>\n\n\n\n<p>All das setzt Bess auch optisch in atmosph\u00e4rischen, gro\u00dfformatigen monochromen Zeichnungen des ewigen Eises, des Waldes und der Landschaften wunderbar um. Gleichzeitig flechtet Bess durchaus elegant auch Elemente des Mythos ein, die im urspr\u00fcnglichen Roman gar nicht enthalten sind: die Sch\u00f6pfungsszene, bei Shelley eher am Rande ausgeblendet und durch \u201efinstere K\u00fcnste\u201c erkl\u00e4rt, erscheint bei Bess in voller Universal-Horror-Elektro-Gewitter-Szenerie \u2013 die Verfilmung von 1931 stand hier ebenso Pate wie in der Figur des buckligen Assistenten, der in diversen Filmversionen stets seine Dienste verrichtet, bei Shelley allerdings nicht vorkommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders gro\u00dfen Raum g\u00f6nnt Bess im Gegensatz zu vielen Adaptionen der Erz\u00e4hlung des Gesch\u00f6pfes, das in seiner Entwicklung vom sprichw\u00f6rtlich unbeschriebenen Blatt hin zum bitter entt\u00e4uschten Racheengel (das auf diesem Wege Schl\u00fcsselwerke wie John Miltons \u201eParadise Lost\u201c und Goethes \u201eLeiden des jungen Werther\u201c liest, die f\u00fcr sein eigenes Schicksal symbolisch stehen) die philosophische Denkrichtung der tabula rasa repr\u00e4sentiert, bei der John Locke im Gegensatz zu allem Determinismus argumentiert, dass der Mensch stets das Ergebnis der Pr\u00e4gungen seiner Umwelt ist. Hierbei schlie\u00dft Bess auch durchaus wacklige Konstruktionen der jungen Autorin mit ein, wie etwa die Figur der t\u00fcrkischen Kaufmannstochter Safie, die ihren Geliebten in der Waldesh\u00fctte aufsucht. In der Kombination aus durchaus ungew\u00f6hnlichem inhaltlichen Blickwinkel und fulminanter graphischer Umsetzung ein weiterer Triumphzug f\u00fcr Georges Bess, der sich nun doch bitte weiteren \u00e4hnlichen Projekten widmen sollte. Da w\u00e4re z.B. noch der seltsame Fall eines gewissen Dr. Jekyll\u2026 (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/frankenstein-mary-shelley.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/frankenstein-mary-shelley.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Frankenstein<\/a><br>Text &amp; Bilder: George Bess, nach Mary Shelley<br>208 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Splitter Verlag<br>39,80 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-96792-362-9<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D10873\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=10873\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Frankenstein (Splitter) &raquo; Comicleser #Einzelband #Frankenstein #George Bess #Graphic Novel # [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arktis, fr\u00fches 19. 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