{"id":10682,"date":"2022-09-05T12:05:54","date_gmt":"2022-09-05T10:05:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=10682"},"modified":"2022-09-05T12:05:54","modified_gmt":"2022-09-05T10:05:54","slug":"alfred-hitchcock-band-2-splitter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=10682","title":{"rendered":"Alfred Hitchcock, Band 2 (Splitter)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"283\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Alfred-Hitchcock-2_WEB.jpg\" alt=\"Alfred Hitchcock, Band 2: Der Meister des Suspense (Splitter Verlag)\" class=\"wp-image-10683\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Alfred-Hitchcock-2_WEB.jpg 283w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Alfred-Hitchcock-2_WEB-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Filmfestival von Cannes, 1963: <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9253\" data-type=\"post\" data-id=\"9253\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Alfred Hitchcock<\/a> pr\u00e4sentiert sein neuestes Werk \u201eDie V\u00f6gel\u201c \u2013 au\u00dfer Konkurrenz, denn, so lehrt ihn die Erfahrung, gewinnen wird er hier sowieso nichts. Umso popul\u00e4rer ist er bei den jungen Wilden der franz\u00f6sischen Nouvelle Vague, denen er in diversen Interviews Rede und Antwort steht und auf sein Werk zur\u00fcckblickt. In Amerika k\u00e4mpft Hitchcock lange Zeit mit den Zw\u00e4ngen des Studio-Systems: Selznick, der ihn unter Vertrag nimmt, redet ihm in Inszenierung und Besetzung von \u201eRebecca\u201c hinein. Als Selznick f\u00fcr \u201eRebecca\u201c den Oscar als bester Film einheimst, der dem Produzenten zusteht, sieht sich Hitchcock umso mehr entt\u00e4uscht. Seiner Karriere allerdings ist der Erfolg des Films zutr\u00e4glich: \u201eForeign Correspondent\u201c dreht Hitchcock ausgeliehen an Walter Wanger, der ihm gestattet, den Film so kunstvoll wie seine englischen Werke zu gestalten. Erst neutral gehalten, bekommt der Film als Antwort auf den Kriegsausbruch in Europa am Ende ein flammendes Pl\u00e4doyer in Richtung USA.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Hitchcock vergeblich versucht, seine Mutter zu bewegen, aus London zu fliehen und in die USA zu kommen, unterst\u00fctzt er seine Heimat durch diverse Propaganda-Filme, die er insgeheim inszeniert. \u201eSuspicion\u201c mit Cary Grant zementiert seinen Ruhm weiter, auch wenn der Film auf Wunsch der Produzenten so umgeschnitten wird, dass der Star Grant nicht als M\u00f6rder erscheint. Sp\u00e4testens nach \u201eLifeboat\u201c und \u201eSpellbound\u201c f\u00fchlt sich Hitchcock zu eingeengt (so etwa geizt Selznick beim Etat f\u00fcr die Umsetzung der von Salvador Dali entworfenen, bizarren Traumsequenzen) und tr\u00e4umt von seiner eigenen Produktionsfirma. Dann allerdings bleibt der Erfolg aus: \u201eThe Paradine Case\u201c und \u201eStagefright\u201c floppen, aber mit \u201eStrangers On A Train\u201c findet Hitchcock auf die Erfolgsspur zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Begleitet von Familiengl\u00fcck (Alma und er werden mehrfach Gro\u00dfeltern) und finanzieller Unabh\u00e4ngigkeit (ab 1955 produziert er die eintr\u00e4gliche Fernsehserie \u201eAlfred Hitchcock presents\u201c), schafft Hitchcock nun seine bekanntesten Werke: \u201eFenster zum Hof\u201c, \u201e\u00dcber den D\u00e4chern von Nizza\u201c und \u201eBein Anruf Mord\u201c zeugen von seiner k\u00fcnstlerischen Finesse, aber auch von seiner Faszination f\u00fcr Grace Kelly. Als diese sich nach ihrer Heirat mit dem F\u00fcrst von Monaco aus dem Gesch\u00e4ft zur\u00fcckzieht, experimentiert Hitchcock mit immer neuen Fassungen seiner katholischen \u201ek\u00fchlen Blonden\u201c: Tippi Hedren, Kim Novak, Eva-Marie Saint, Doris Day \u2013 alle diese Darstellerinnen bekommen die etwas zu innige Faszination des Meisters zu sp\u00fcren, der dann 1960 mit der \u201emakabren Kom\u00f6die\u201c \u201ePsycho\u201c unter eigener Flagge einen <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=10608\" data-type=\"post\" data-id=\"10608\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">low budget Film<\/a> dreht, der ein ganz neues Genre schafft: den <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3351\" data-type=\"post\" data-id=\"3351\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Slasher<\/a> Film\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Niemals eine Goldene Palme, niemals ein Oscar: Hitchcock fand sich mit diesem Schicksal zurecht. Er mache Filme wie Shakespeare seine St\u00fccke geschrieben habe, so legt er sich das zurecht: nicht f\u00fcr die Kritiker, sondern f\u00fcrs Publikum. Eine Fixierung auf einen bestimmten Frauentyp, durchg\u00e4ngig negative Mutter-Figuren, die sich erst in den sp\u00e4teren Filmen etwas positiver gestalten, manische Perfektion, aber nat\u00fcrlich auch Brillanz: im zweiten Teil dieser Biographie pr\u00e4sentiert der Filmhistoriker Noel Simsolo die amerikanische Phase Hitchcocks, die schon Teil 1 gestaltet in Flashbacks, die sich aus den Interviews und Gespr\u00e4chen mit franz\u00f6sischen Fans wie Claude Chabrol, Francois Truffaut und anderen Nouvelle Vague-Vertretern ergeben. Dabei werden alle Momente des \u201eMythos Hitchcock\u201c gestreift: die US-Produzenten sind es gewohnt, den Film im Schneideraum quasi selbst zu erschaffen, w\u00e4hrend Hitchcock als \u201eAutorenfilmer\u201c die volle Kontrolle will und genau wei\u00df, was er zu drehen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die durchaus ruppige Art, mit Schauspielern umzugehen, kommt deutlich zum Tragen: Hitchcock ohrfeigt, drangsaliert oder ignoriert seine Darstellerinnen, um den gew\u00fcnschten Effekt zu erzielen, bis am Set schlie\u00dflich sogar einige K\u00fche anstelle der Schauspieler auftauchen \u2013 eine scherzhafte Replik auf Hitchcocks ber\u00fchmte Aussage, man m\u00fcsse Darsteller behandeln wie Vieh. Hitchcock erz\u00e4hlt s\u00fcffisant, wie er erotischen Anspielungen so verpackte, dass die Zensur zufrieden war (etwa in der Schluss-Szene von \u201eDer unsichtbare Dritte\u201c, als der Zug mit Cary Grant und Eva-Marie Saint suggestiv in einen Tunnel f\u00e4hrt), und wie er die Homosexualit\u00e4t oder Bisexualit\u00e4t seiner Darsteller wie z.B. Farley Granger oder Cary Grant geschickt einsetzte, ohne dass dies offenkundig wurde. Fast alle namhaften Produktionen ziehen in kurzen Episoden vor\u00fcber, die Hitchcocks Kniffe am Set zeigen: die riesige Kulisse f\u00fcr \u201eFenster zum Hof\u201c, das Rettungsboot in \u201eLifeboat\u201c, die Kameratricks und on location-Elemente in \u201eVertigo\u201c, die Kamerafahrten in \u201eNotorious\u201c und die von Hitchcock sp\u00e4ter als \u201ed\u00e4mlich\u201c bezeichnete Umsetzung des Theaterst\u00fccks \u201eCocktail f\u00fcr eine Leiche\u201c ohne Schnitt.<\/p>\n\n\n\n<p>Anr\u00fchrend wird dabei auch seine dauerhafte Liebe zu seiner Frau und Drehbuchschreiberin Alma beschrieben, die durch Hitchs Faszination f\u00fcr seine Darstellerinnen bisweilen arg strapaziert wurde. Wenn man der schwungvollen Umsetzung etwas ankreiden m\u00f6chte, dann bestenfalls die Geschwindigkeit, mit der einige Episoden vor\u00fcberjagen: fast schon atemlos werden nahezu alle Produktionen abgehandelt. Aber das sind Petitessen im Vergleich zum Gesamtwurf, den Dominique H\u00e9 (u.a. \u201eEin Abenteuer des Marc Marell\u201c) erneut atmosph\u00e4risch in Schwarz-Wei\u00df inszeniert und vor allem in den Szenen von den Dreharbeiten faszinierende Einblicke erzeugt. Somit ein rundum gelungenes Biopic, das dazu anregt, den Hitchcock-Katalog wieder einmal zu studieren. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/alfred-hitchcock-2-herr-von-hollywood.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/alfred-hitchcock-2-herr-von-hollywood.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Alfred Hitchcock, Band 2: Der Meister des Suspense<\/a><br>Text: No\u00ebl Simsolo<br>Bilder: Dominique H\u00e9<br>160 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Splitter Verlag<br>24 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-96219-586-1<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D10682\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=10682\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Alfred Hitchcock, Band 2 (Splitter) &raquo; Comicleser #Alfred Hitchcock #Biographie #Der Meister  [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Filmfestival von Cannes, 1963: Alfred Hitchcock pr\u00e4sentiert sein neuestes Werk \u201eDie V\u00f6gel\u201c \u2013 au\u00dfer Konkurrenz, denn, so lehrt ihn die Erfahrung, gewinnen wird er hier sowieso nichts. 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