{"id":10131,"date":"2022-01-24T13:03:29","date_gmt":"2022-01-24T11:03:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=10131"},"modified":"2022-01-24T13:13:08","modified_gmt":"2022-01-24T11:13:08","slug":"mademoiselle-baudelaire-splitter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=10131","title":{"rendered":"Mademoiselle Baudelaire (Splitter)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"287\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Mademoiselle-Baudelaire_WEB.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10132\" srcset=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Mademoiselle-Baudelaire_WEB.jpg 287w, https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Mademoiselle-Baudelaire_WEB-215x300.jpg 215w\" sizes=\"auto, (max-width: 287px) 100vw, 287px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Paris, 31. August 1867. Die Beerdigung von Charles Baudelaire. Zu Lebzeiten ein halbwegs bekannter Dichter und Schriftsteller. Abseits der \u00fcberschaubaren Trauergemeinde steht eine Frau, \u00e4rmlich und krank aussehend, sich auf einem Stock st\u00fctzend. Niemand der Trauerg\u00e4ste beachtet sie, doch ist sie den meisten, darunter der Mutter Baudelaires, die ihren Sohn um vier Jahre \u00fcberleben sollte, nur allzu gut bekannt. Denn bei der bedauernswerten Gestalt handelt es sich um Jeanne Duval, zwei Jahrzehnte lang Muse und Geliebte Baudelaires. Sie schreibt danach einen Brief an die Mutter, mit einer speziellen Bitte, und schildert ihr darin &#8211; und damit auch uns &#8211; die Geschichte ihrer turbulenten, romantischen und letztlich auch selbstzerst\u00f6rerischen Beziehung.<\/p>\n\n\n\n<p>Charles Baudelaire wurde 1821 in Paris geboren. Sein Vater starb fr\u00fch. Dem neuen Mann seiner Mutter gegen\u00fcber, einem Offizier, empfand er stets gr\u00f6\u00dfte Abneigung. 1842 begegnet er erstmals Jeanne, die kleine Rollen im Theater spielt. Sofort vernarrt er sich in die Dame \u2013 und in deren Exotik. Denn Jeanne stammt aus Haiti &#8211; bis heute ist unklar, wann genau sie geboren wurde, ob Duval ihr richtiger Name war und auch das Datum ihres Todes ist nicht gesichert. Sie wird mit ihrer dunklen Haut als \u201eMulattin\u201c bezeichnet. Die Freunde Baudelaires aus der Kunstszene und der Boh\u00e8me treten ihr, der \u201eschwarzen Venus\u201c, offen rassistisch gegen\u00fcber. Man betrachtet die beiden nicht ernsthaft als Paar, eher als Hure und Zuh\u00e4lter. F\u00fcr sie ist Jeanne ist Kuriosum, dass sich Baudelaire gegen alle Konventionen \u201eh\u00e4lt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=455\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=455\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Belgier Yslaire (d.i. Bernard Hislaire)<\/a>, Autor und Zeichner, bekannt durch seinen Dauerbrenner \u201eSambre\u201c, den er seit 1986 zeichnet und sp\u00e4ter auch schreibt (samt diverser Ableger) stellt in seinem monumentalen Band die Beziehung Baudelaires und Jeannes in den Mittelpunkt. Nat\u00fcrlich werden die wichtigsten Eckdaten des Lebens des Autors von \u201eDie Blumen des B\u00f6sen\u201c mit eingebunden, ebenso wie die historischen Ereignisse, die wie die Februarrevolution von 1848. Baudelaire tritt als Lebemann auf, l\u00e4sst sich von gesellschaftlichen Str\u00f6mungen wie der Boh\u00e8me beeinflussen und leiten, so gibt er sp\u00e4ter den Dandy und w\u00e4hrend der Revolution den einfachen Arbeiter. Immer unstet, immer unzufrieden. Und immer lebt er \u00fcber seine Verh\u00e4ltnisse, verschuldet sich, ver\u00f6ffentlicht kaum Gedichte, die er im Kreise seiner K\u00fcnstler-Freunde gerne rezitiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beziehung zu Jeanne ist wahlweise hei\u00dfbl\u00fctig &#8211; mit ihrer offenen Sexualit\u00e4t pfeift sie auf gesellschaftliche Normen und \u201egute Sitten\u201c und pflegt damit auch ihr exotisches Image. Er widmet ihr erste Gedichte, l\u00e4sst sich inspirieren. Dann, wenn die beiden unter einem Dach wohnen, was in Abst\u00e4nden des \u00d6fteren geschieht, gibt es immer wieder Streitereien, die in offener Feindseligkeit und schroffen Beleidigungen m\u00fcnden. Sp\u00e4ter werden beide ruhiger. Und kr\u00e4nker. Die Syphillis hielt l\u00e4ngst Einzug in ihre <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2444\" data-type=\"post\" data-id=\"2444\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">On\/Off-Beziehung<\/a>, in der beide letztlich nicht voneinander lassen k\u00f6nnen. Charles ver\u00f6ffentlicht endlich seine Gedichtsammlung \u201eDie Blumen des B\u00f6sen\u201c und muss gleich darauf miterleben, dass sechs Gedichte daraus verboten werden (\u00fcbrigens bis 1949).<\/p>\n\n\n\n<p>Yslaire gestaltet sein Werk in seinem typischen Stil, der auch \u201eSambre\u201c auszeichnet: Weiche Zeichnungen in monochromen Farbt\u00f6nen, kein einfaches Schwarz-Wei\u00df, dazwischen immer wieder Farbakzente. Erotische Episoden, immer wieder ganzseitige geradezu d\u00e4monische Collagen, Sinnbilder, in denen Baudelaire in Jeanne mehr weit sieht als seine Geliebte oder seine Muse. Seine k\u00fcnstlerisches Schaffen tritt in den Hintergrund, nur <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2668\" data-type=\"post\" data-id=\"2668\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Edgar Allan Poe<\/a>, dessen Werke er ins Franz\u00f6sische \u00fcbertragen hat, wird in einer fr\u00fchen Episode von Yslaire antizipiert, als er den jungen Baudelaire das Kr\u00e4chzen eines Raben als \u201eNimmermehr\/Nevermore\u201c interpretieren l\u00e4sst. Sp\u00e4ter zitiert er \u2013 durchaus passend und angemessen \u2013 Spitzwegs Gem\u00e4lde des armen Poeten, das einmal mehr eine verzweifelte Lage Baudelaires veranschaulicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Charles Baudelaire ist einer jener tragischen Dichter und Schriftsteller, die ihren Ruhm nicht zu Lebzeiten erfuhren. Sein selbstzerst\u00f6rerisches Dasein wurde in weiten Teilen begleitet und bestimmt von Jeanne, von diffuser Herkunft und einem weitestgehend unbekanntem Ende. Wie eine Muse, die einen k\u00fcsst. Nur dauerte dieser Kuss 20 Jahre und wurde immer wieder zu einem Biss. Am Ende des kunstvollen Bandes, der den einen oder anderen Gelegenheits-Comicleser \u00fcberfordern mag und der Interesse am K\u00fcnstler und an seiner Zeit voraussetzt, wird es ruhiger. Charles und Jeanne sind sichtlich gealtert, gezeichnet von ihrem Leben und ihrer Beziehung. Vielleicht auch etwas weiser. Und am Schluss wartet eine leise, schon beinahe wieder vers\u00f6hnliche Pointe. (bw)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/mademoiselle-baudelaire.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/mademoiselle-baudelaire.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mademoiselle Baudelaire<\/a><br>Text &amp; Bilder: Yslaire<br>160 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Splitter Verlag<br>39,80 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-96792-198-4<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=https%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D10131\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=10131\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Mademoiselle Baudelaire (Splitter) &raquo; Comicleser #Charles Baudelaire #Einzelband #Graphic Nov [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paris, 31. August 1867. Die Beerdigung von Charles Baudelaire. 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