Batman – Damned (Panini) | Comicleser

Batman – Damned (Panini)

April 13, 2021
Batman - Damned (Panini Comics)

Höllenfeuer und Verdammnis! Der dunkle Ritter scheint geradewegs in Richtung Jenseits unterwegs, springt dem Tod aber (scheinbar?) nochmal von der Schippe: Vom Joker schwer verletzt stürzt Batman von einer Brücke, schafft es gerade noch davon zu kommen und bricht auf Straße zusammen. Dort liest man ihn auf und schafft ihn in einen Krankenwagen, wo er eigentlich schon als „flatline“ gilt, als er sich doch noch handgreiflich erwehrt und mit letzten Kräften flieht. Alleine hätte er es wohl kaum geschafft, zu schwer die Verletzungen, die das Batmobil diagnostiziert – aber da tritt ihm in Form des launischen Hellblazers John Constantine offenbar Magie entgegen, die ihn wieder heilt. Mit Constantine sitzt er in einer abgeranzten Bude, als im Fernsehen das ganze Ausmaß seines Wütens offenkundig wird: der Joker wurde tot aufgefunden, offenbar umgebracht von seinem Erzfeind, der sich allerdings partout an nichts erinnern kann.

Im Nachtclub „Cavern“, in den ihn Constantine schleppt, findet er zwar einen wortreich rappenden Etrigan, aber keine großen Erkenntnisse – und irgendwie nervt ihn ein Obdachloser, der ständig von einer Verschwörung schwafelt. Gleichzeitig plagen Batman Erinnerungsfetzen an seine Kindheit, die alles andere als behütet ist: Vater Wayne bandelt mit anderen Frauen an, was die Mutter gar nicht spaßig findet und den Hallodri aus Wayne Manor wirft, während Bruce von einer flüsternden Enchantress verfolgt wird, die ihm einen Deal Seele gegen Schmerz vorschlägt. Auch in Gotham bricht weiter die sprichwörtliche Hölle los, als eine Kirche überfallen wird und am Himmel dann das Zerrbild des Batsignals erscheint, über dem die grinsende Fratze des Clownprinzen prangt. Auf dem Dach des Polizeihauptquartiers kommt es dann zum Showdown, als sich herausstellt, dass niemand anders als Harley Quinn in die Fußstapfen ihres „Mr. J“ treten will. Halbtot lässt sie Batman zurück und will in einer Seance mit Zatanna endgültig wissen, was Sache ist…

Weniger eine lineare Story als einen fiebrigen Alptraum liefert diese Achterbahnfahrt durch eine durch und durch finstere Version des Bat-Universums, mit der Autor Brian Azzarello (u.a. 100 Bullets, Batman: Kaputte Stadt) gemeinsam mit Zeichner Lee Bermejo (u.a. Batman: Noel, Before Watchmen) 2018/2019 mit drei Einzelheften die Sonderreihe „DC Black Label“ furios eröffneten. Absoluter Star des Geschehens ist dabei die zeichnerische Umsetzung von Bermejo, der großformatig, malerisch, äußerst realistisch, mit beunruhigen Blickwinkeln, gerne auch Totalen arbeitet, die uns fast schon gewalttätig durch den Reigen der Episoden katapultieren. Meilenweit weg vom üblichen Kanon, gibt es dabei Blut, Schweiß und Tränen en masse, bis hin zu fast schon verstörenden Gewaltinszenierungen, die durch die traumhafte Qualität der Ereignisse aber durchaus folgerichtig erscheinen.

„Scheinen“ ist auch das genau passende Wort für die Story, die uns Azzarello hier quasi als Fortsetzung zu seiner graphic novel „Joker“ kredenzt: Batman durchlebt seine persönliche Hölle in einer revue-haften Abfolge von Einzelszenen, in denen ein ganzer Fundus von mutig umgedeuteten Bat-Figuren sich ein Stelldichein geben. Vom reimenden Rapper Etrigan über den Spectre im Penner-Look bis hin zum wirklich leichenhaften Deadman, von der feschen Zauberin Zatanna als Hütchenspielerin auf der Straße bis hin zu einem philosophischen Swamp Thing und zur abgründigen Enchantress bleibt kein Charakter das, als was wir ihn kennen – vielleicht mit Ausnahme von Hellblazer John Constantine, dessen Zynismus und finsterer Humor natürlich nie fehlen dürfen (und der Batman in einem Coup den Kampfgürtel klaut).

Wie jedes ordentliche Kunstwerk lässt auch dieser Mythos viele Deutungen zu: am Ende scheint sich alles ins Gegenteil zu verkehren, Batman hat sein Fegefeuer durchlitten, wünscht sich, er hätte den Joker nicht umgebracht, was der allmächtige Spectre sofort als Wunsch gewährt, und schon liegt nicht der Joker, sondern Batman im Leichenschauhaus, während der Joker den Sturz von der Brücke überlebt. Careful what you wish for, möchte man sagen, alles auf Anfang, dumm gelaufen. Oder man liest die ganze Sause tiefschürfender als moderne Fassung der literarischsten aller Höllenfahrten, der „Göttlichen Komödie“ von Dante, in der ein Dichter die Titelfigur vom Inferno durchs Purgatorio hin zum Paradiso führt.

Was bei Dante Vergil ist, wäre hier also der wortreiche Constantine, der in der Tat als Erzähler auftritt, während unser geplagter Held sein persönliches Fegefeuer anhand allerlei symbolischer Zusammentreffen mit Personen und Situationen seiner Geschichte durchschreitet, was dann den sprunghaften, traumhaften Wechsel von Szenerie und Figuren ebenso erklärt wie das Ende: getreu nach dem „Sixth Sense“-Motto „I see dead people“ wäre es dann Batman, der von Anfang an tot ist. Wie auch immer man dieses Grande Furioso deuten mag: selten war der dunkle Ritter so pechschwarz, so abseitig wie hier. Was dann auch erklärt, warum Robin nicht mit einem Wort erwähnt wird. Der vorliegende Sammelband bringt erstmals alle drei Ausgaben von Batman: Damned (im Original erschienen vom 19. September 2018 bis 26. Juni 2019) in einer standesgemäß großformatigen Edition, die uns das Fürchten lehrt. Gut so. (hb)

Batman – Damned
Text: Brian Azzarello
Bilder: Lee Bermejo
180 Seiten in Farbe, Softcover
Panini Comics
25 Euro

ISBN: 978-3-7416-2229-8

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