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Modded (Dantes Verlag)

März 2, 2021
Cinema Purgatorio: Modded (Dantes Verlag)

Total doof und voll gemein: im 38. Jahr nach der ätherischen Invasion (auch bekannt als Start des Videospiels Space Invaders) wandert die kleine Fringe, ihres Zeichens jugendliche Dämonatrix, durch die durchaus verwüstete Welt der westatlantischen Wüste. Als ihr der Rabauke Tommy Zero über den Weg läuft, lässt sich Fringe leichtsinnigerweise auf ein Duell ein, aus dem der Herausforderer siegreich hervorgeht und ihr den kleinen, süßen Dämon Fluffbumble als Preis abluchst. Fringe schaut ganz schön doof aus der Wäsche, bis Bloody Susan mit ihrem eigenen Dämon Mister Boom auftaucht und ihr tatkräftige Hilfe anbietet.

Gemeinsam macht man sich auf den Weg in Richtung Tiefsee, wo man mit einem neuen Modded (also einem „modifizierten“ Kampfdämon) am Tourniquitter Tournament teilnimmt, wo Fringe war erst mal gegen Tommy verliert, aber ihren Dämon eigenhändig aus der Unterwelt wieder zurückholt. Das beeindruckt Tommy, der die kleine Dame erst nach einiger Zeit erkennt und sie dann nach einer ordentlich mit Bergtau durchzechten Nacht mit auf Einkaufstour für neue Moddeds nimmt. Beim großen Kettensägen Reggae schafft es Fringe tatsächlich, siegreich hervorzugehen, auch wenn sie sich vorher mit Susan ordentlich verkracht. Auf der Obenwelt schließlich knöpft sie sich dann den Obermeister Rattengott persönlich vor…

Wow! Was Kieron Gillen (u.a. „Angela“, „Über“) hier im Rahmen der „Cinema Purgatorio“-Reihe unter der Ägide von Alan Moore abfährt, ist eine wilde, spaßige Jagd für alle, die jemals Anfang der 80er auf flimmernde (Anfangs wahlweise grün oder bernsteinfarbene) Bildschirme starrten und auf wunderlichen Maschinen wie Amiga, Atari und Co. versuchten, mit Klempnern irgendwelchen wildgewordenen Affen beizukommen oder eben außerirdischen Invasoren abzuwehren. Gillen, seines Zeichens ehemaliger PC-Game-Journalist, zieht hier alle Register aus seiner reichhaltigen Gamer-Erfahrung, mit einer wahren Lawine von Anspielungen auf Klassiker wie „Donkey Kong“, „Space Invaders“ oder auch neure Konsolen-Klassiker wie „Sonic The Hedgehog“, „Final Fantasy“ und „Half Life“. Jede Episode enthält eine kurze Zusammenfassung was bislang geschah, endet auf einem Cliffhanger und fragt suggestiv: „Weiter? Ja!“

So geht’s jeweils auf ins nächste Level, das immer wieder neue Jump and Run-Freuden bereithält. Die bunte Sause hat dabei auch einen gewissen kulturhistorischen Kontext: Kieron Gillen propagierte schon als Game-Kritiker eine Variante des „New Journalism“, quasi einen Ableger der Journalismus-Spielart, die Tom Wolfe und Truman Capote Anfang der 80er entwickelten und die weg von sachlicher Bewertung hin zu höchst subjektiv-assoziativer Beschreibung ging. So kommt auch Modded daher: eine wunderbar willkürliche, individuell gefärbte Hommage an zahllose Stunden vor flimmernden Bildschirmen, gefüllt mit zahllosen Referenzen, die auch der versierteste Spiele-Afficionado ohne die jedem Kapitel angefügten ausführlichen Erklärungen kaum lückenlos blicken dürfte. Inszeniert wird das Ganze von Ignacio Calero und Nahuel Lopez standesgemäß low key in Schwarz Weiß, was an die monochrome Gestaltung früher Games gemahnt. Dann schalten wir mal die neuen Levels frei. Weiter? Na klar! (hb)

Cinema Purgatorio: Modded
Text: Kieron Gillen
Bilder: Ignacio Calero und Nahuel Lopez
192 Seiten in Schwarz-Weiß, Hardcover
Dantes Verlag
25 Euro

ISBN: 978-3-946952-57-2

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