{"id":9588,"date":"2021-07-13T12:00:57","date_gmt":"2021-07-13T10:00:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9588"},"modified":"2021-07-13T12:13:09","modified_gmt":"2021-07-13T10:13:09","slug":"jhen-integral-2-kult-comics","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9588","title":{"rendered":"Jhen, Integral 2 (Kult Comics)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Jhen-Integral-2_WEB.jpg\" alt=\"Jhen Integral, Band 2 (Kult Comics)\" class=\"wp-image-9589\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Jhen-Integral-2_WEB.jpg 290w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Jhen-Integral-2_WEB-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Bauarbeiten k\u00f6nnen ein wenig dauern, das erf\u00e4hrt auch der gute Jhen Roque, den sein Mentor Gilles de Rais erneut engagiert, um im heimischen Schloss Tiffauges eine pr\u00e4chtige Kapelle einzurichten. Der ewig prassende Gilles, Marshall und Konnetabel von Frankreich, ist sich zur Geldbeschaffung auch f\u00fcr Raubz\u00fcge nicht zu schade, was ihm Jhen mehr als einmal explizit vorwirft. Als Gilles nach Machecoul abreist, besucht Jhen eine nahegelenge Siedlung von Bauern, denen er bei der Befestigung ihres Dorfs gegen die dauernden Angriffe von <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4881\" data-type=\"post\" data-id=\"4881\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wegelagerern und Raubrittern<\/a> hilft. Bald stellt sich allerdings heraus, dass Gilles auch seinen anderen abseitigen Neigungen unverhohlen weiter fr\u00f6nt: permanent verschwinden Kinder, so auch aus einem kleinen Trupp von vagabundierenden Waisen, die Schutz im Dorf suchen. Gemeinsam mit der burschikosen Martha macht sich Jhen auf, den omin\u00f6sen Fremden zu treffen, der unter dem Namen \u201eBlaubart\u201c in den D\u00f6rfern regelm\u00e4\u00dfig Geld f\u00fcr Knaben bietet, die angeblich in den Pagendienst treten, aber nie mehr gesehen werden. Als die Reisegruppe in einem Gasthaus gerade noch eine weitere Entf\u00fchrung verhindern kann, ist f\u00fcr Jhen klar, dass er Gilles zur Rede stellen muss. Da kommt ihm ein Trupp fahrender Gaukler gerade recht: mit einer Theaterauff\u00fchrung am Hofe von Tiffauges h\u00e4lt Jhen dem \u201eschwarzen Wolf\u201c Gilles den Spiegel vors Gesicht, der ihn prompt einkerkern l\u00e4sst. Martha und dem tatkr\u00e4ftigen Bengel Hugo gelingt Jhens Befreiung, aber Gilles verfolgt seinen Freund bis zur\u00fcck ins befestige Dorf und fordert ihn dort zum entscheidenden Duell heraus\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Entfremdet von Gilles de Rais, macht sich der Baumeister Jhen mit seinem Freund Parfait L\u00e9toile auf nach Stra\u00dfburg, um dort die Turmspitze des gewaltigen M\u00fcnsters zu vollenden. Unterwegs macht man Halt bei der Burg des Grafen Rathsamhausen, mit dem die beiden Besucher aneinandergeraten, als der Falke des Burgherrn zu Tode kommt. Parfait will durch seine Dienste Abbitte leisten, worauf Jhen alleine nach Stra\u00dfburg weiterreist. Dort scheint das Unheil \u00fcber dem Bauprojekt des Bischofs Wilhelm von Stra\u00dfburg zu h\u00e4ngen: ein mysteri\u00f6ser Fremder, der sich das \u201eSchwarze Gespenst\u201c nennt, sabotiert die Arbeiten, wo er kann. W\u00e4hrend Jhen versucht, der Sache auf den Grund zu gehen, sieht sich Parfait in die Feindschaft der Familien Rathsamhausen und L\u00fctzelburger hineingezogen, die die Liebe der beiden Spr\u00f6\u00dflinge Markus und Klara nicht duldet. In abenteuerlichen Jagden durch unterirdische G\u00e4nge und Geheimt\u00fcren l\u00f6st Jhen schlie\u00dflich das Geheimnis des \u201eSchwarzen Gespensts\u201c: Hieronimus, so der b\u00fcrgerliche Name, stammt ebenfalls aus der Familie L\u00fctzelburger und will verhindern, dass der Bischof das Lehen seiner Familie an den deutschen Kaiser verschachert, um seine eigene Machtposition zu sichern. Die einzige Chance, dies zu verhindern, besteht in einem Pakt der beiden H\u00e4user, und es f\u00e4llt Jhen und Parfait zu, dieses Ding der Unm\u00f6glichkeit einzuf\u00e4deln\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>In Stra\u00dfburg sammelt Eustache Blanchet, Kompagnon und Alchemist von Gilles de Rais, Jhen wieder ein und \u00fcberzeugt ihn davon, dass Gilles ihn dringend braucht. Der Konnetabel will n\u00e4mlich in Orl\u00e9ans ein spektakul\u00e4res Mysterienspiel \u00fcber Leben und Tod der Johanna inszenieren, deren Wirken er selbst entscheidend mit pr\u00e4gte. Jhen willigt ein, sowohl die Konstruktion der B\u00fchne als auch der Dekors zu \u00fcbernehmen, h\u00e4lt aber weiterhin nicht mit seiner Kritik an Gilles\u2018 finsterem Lebenswandel zur\u00fcck. Was Jhen nicht wei\u00df: der Konnetabel hat sich l\u00e4ngst auch au\u00dferhalb der Stadtmauern ein H\u00e4uschen gesichert, wo er des Nachts seinen widerw\u00e4rtigen Mordexzessen fr\u00f6nt. Um die enormen Geldmittel f\u00fcr das Schauspiel zu organisieren, zieht Gilles gegen stattliche Bezahlung mit seinem verhassten Cousin f\u00fcr K\u00f6nig Karl in den Krieg \u2013 und beginnt damit, seine L\u00e4ndereien zu Spottpreisen verschleudern zu lassen, w\u00e4hrend er auch beim Feldzug nicht von seinen Kindermorden lassen kann. Das l\u00e4sst sich die Bev\u00f6lkerung allerdings nicht ohne Widerstand bieten und r\u00fcckt dem finsteren Gast per Feuer zu Leibe, dem Gilles nur um Haaresbreite entgeht. Bei der Auff\u00fchrung des Mysterienspiels, dem auch K\u00f6nig Karl und der Dauphin (der designierte Thronfolger, von dem Karl nicht viel wissen will), kommt es schlie\u00dflich zur Katastrophe, als der Dauphin ein \u00fcbles R\u00e4nkespiel gegen Gilles entspinnt\u2026<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Jhen-Integral-2_VZA_WEB.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9591\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Jhen-Integral-2_VZA_WEB.jpg 290w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Jhen-Integral-2_VZA_WEB-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><figcaption>Das Cover der Vorzugsausgabe<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>In den drei hier versammelten Episoden um den Baumeister Jhen Roque, die im Original 1984, 1985 und 1986 bei Casterman und anschlie\u00dfend im Reiner Feest Verlag auch hierzulande erschienen, richten Jacques Martin und sein Zeichner Jean Pleyers den Fokus wieder auf die Zeit des 100-j\u00e4hrigen Krieges, in der sich historische Hintergr\u00fcnde (die Feldz\u00fcge K\u00f6nig Karls, der Lehenskonflikt einzelner Adelsfamilien, vor allem aber auch der Bau des Stra\u00dfburger M\u00fcnsters) und fiktive Handlungselemente filigran vermischen. <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9179\" data-type=\"post\" data-id=\"9179\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Stand in den ersten Episoden<\/a> noch die Figur der Jeanne d\u2019Arc und ihre Nachwirkung im Mittelpunkt, r\u00fcckt nun zumindest in den Folgen \u201eBlaubart\u201c und \u201eDie Lilie und der Unhold\u201c die mehr als zwielichtige Gestalt des historisch verb\u00fcrgten Gilles de Rais noch mehr in den Vordergrund. Dessen perverse Neigungen, die in den ersten Geschichten eher im Hintergrund blieben, r\u00fccken hier deutlich ins Zentrum, wobei Jhen als sein schlechtes Gewissen fungiert, der ihn immer wieder mit der d\u00fcsteren Wahrheit konfrontiert. Gilles erscheint dabei als astreiner <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=8652\" data-type=\"post\" data-id=\"8652\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Psychopath<\/a>, der nach seinen eigenen Worten \u201enicht anders kann\u201c, als seine pechschwarzen Gel\u00fcste zu befriedigen, wobei durchaus offen bleibt, ob dies nicht einfach eine bequeme Erkl\u00e4rung ist (und was durch manch grausame Szene konterkariert wird, etwa in den mit Kinderskeletten vollen Burgfrieden oder dem Aufbewahren eines besonders h\u00fcbschen Knabenkopfes).<\/p>\n\n\n\n<p>Als erz\u00e4hltechnischen Kniff greift Martin dabei wiederholt auf einen der Besten des dramatischen Fachs zur\u00fcck: Jhens Idee, dem Misset\u00e4ter seine Verbrechen als B\u00fchnenst\u00fcck vorzuf\u00fchren und ihn so zu entlarven, entwickelte schon ein gewisser Prinz von D\u00e4nemark: \u201eThe play\u2019s the thing, wherein I\u2019ll catch the conscience of the king!\u201c, so formuliert Shakespeares Hamlet seinen Plan, den m\u00f6rderischen Onkel zu \u00fcberf\u00fchren (was auch im Weltraum bestens funktioniert, immerhin legte <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=917\" data-type=\"post\" data-id=\"917\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Captain Kirk<\/a> 1966 in der Episode \u201eConscience of the King\u201c einem Massenm\u00f6rder in gleicher Manier das Handwerk). Aus der verbotenen Liebe der beiden Kinder der verfeindeten Familien Rathsamhausen und L\u00fctzelburger gr\u00fc\u00dft nat\u00fcrlich \u201eRomeo und Julia\u201c her\u00fcber, aber auch die modernere Literatur kommt zu Ehren: die stimmungsvollen Szenen, in den das \u201eSchwarze Gespenst\u201c per Floss \u00fcber den unterirdischen See unter dem Stra\u00dfburger M\u00fcnster gleitet, scheinen direkt aus dem \u201ePhantom der Oper\u201c von Gaston Leroux entlehnt, wobei die Figur des Artisten Hieronimus selbst als eine Art mittelalterlicher <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=8270\" data-type=\"post\" data-id=\"8270\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Robin<\/a> angelegt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem die Episode um das Stra\u00dfburger M\u00fcnster wirkt dramaturgisch wie ein Serial, mit atemlosen Cliffhangern, neuen Figuren auf fast jeder Seite und jeder Menge Action, die Hansrudi W\u00e4schers Sigurd zur Ehre gereichen w\u00fcrde. Inszenatorisch punkten auch diese Abenteuer wieder durch einen unglaubliche Detailreichtum, der sich in Figuren, Bauten (\u00fcber die akribische Darstellung des im Bau befindlichen M\u00fcnsters kann man nur staunen) sowie Ausr\u00fcstung, Flaggen und Waffen niederschl\u00e4gt und bis in Referenzen wie den weithin bekannten Kran im Hafen von Stra\u00dfburg m\u00fcndet. Diese Hintergr\u00fcnde entfaltet Martin dann im auch hier beigef\u00fcgten Band \u201eStra\u00dfburg\u201c, der 2007 als Ausgabe 6 der Reihe \u201eLes voyages de Jhen\u201c herauskam, unter tatkr\u00e4ftiger Mithilfe des Stadtchronisten Georges Foessel, in einem bunt illustrierten geschichtlichen Reigen. <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?cat=2091\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?cat=2091\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bei Kult erscheint<\/a> auch dieser Integral wieder in m\u00e4chtiger Hardcover-Form, auf insgesamt 212 Seiten mit einem ausf\u00fchrlichen Editorial sowie gro\u00dfformatigen Illustrationen, Skizzen, Coverentw\u00fcrfen, Fotos und \u2013 nicht zu vergessen \u2013 schmuckem Leseb\u00e4ndchen. Wem das alles noch nicht genug ist, der greift zur auf 99 Exemplare limitierten Vorzugsausgabe mit einem Exlibris. Integral 3 soll noch im Juli folgen. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/kultcomics.net\/jhen\/250-jhen-2.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/kultcomics.net\/jhen\/250-jhen-2.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Jhen, Integral Band 2<\/a><br>Text: Jacques Martin<br>Bilder: Jean Pleyers<br>216 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Kult Comics<br>35 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-96430-103-1<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D9588\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9588\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Jhen, Integral 2 (Kult Comics) &raquo; Comicleser #Gesamtausgabe #Integral #Jacques Martin #Jean P [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bauarbeiten k\u00f6nnen ein wenig dauern, das erf\u00e4hrt auch der gute Jhen Roque, den sein Mentor Gilles de Rais erneut engagiert, um im heimischen Schloss Tiffauges eine pr\u00e4chtige Kapelle einzurichten. 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