{"id":9485,"date":"2021-06-08T12:11:35","date_gmt":"2021-06-08T10:11:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9485"},"modified":"2021-06-08T12:11:35","modified_gmt":"2021-06-08T10:11:35","slug":"sex-pistols-panini","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9485","title":{"rendered":"Sex Pistols (Panini)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"316\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Sex-Pistols_WEB.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9486\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Sex-Pistols_WEB.jpg 316w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Sex-Pistols_WEB-237x300.jpg 237w\" sizes=\"auto, (max-width: 316px) 100vw, 316px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>London Mitte der 70er Jahre: die Musikszene stagniert, der ehemals rebellierende Rock\u2019n\u2019Roll ergeht sich entweder in Plattheit oder in verk\u00fcnsteltem Avantgardismus, der bestenfalls bekiffte Studenten mitrei\u00dft. In diesem Umfeld muss etwas geschehen \u2013 und so klauen sich die College-Kumpels Steve Jones, Paul Cook und Warwick Nightingale einfach Instrumente und Anlage zusammen, um ihr eigenes Ding zu machen, zu dem alsbald auch Glen Matlock als Bassist tritt. 1975 rekrutiert man dann mit einem gewissen John Lydon &#8211; dem man aufgrund seines horrenden dentalen Zustandes den klingenden K\u00fcnstlernamen Rotten verpasst &#8211; einen ebenso r\u00e4udigen wie r\u00fchrigen Frontmann, der eigentlich nur zum Spa\u00df vorsingt, aber den Zuschlag bekommt. Aufgefallen war der wilde Bursche dank einem verunstalteten Pink Floyd-T-Shirt, auf dem Lydon selbst \u201eI hate\u201c gekritzelt hatte, dem umtriebigen Malcom McLaren, der mit seiner Partnerin Vivienne Westwood den S&amp;M-Klamottenladen \u201eSex\u201c betreibt, aus dem sich die Band dann f\u00fcr ihre Outfits voller zerrissener Shirts, Ketten und Sicherheitsnadeln bedient.<\/p>\n\n\n\n<p>McLaren schwingt sich zum Manager der Band auf und souffliert Lydon die Philosophie der Anarchie, die in Lydons ironisch-zynischen Texten fortan dominiert. Nach ersten Auftritten, unter anderem im \u201e100 Club\u201c, machen die Jungs mit aggressivem Auftreten und musikalischer Attacke derartig Furore, dass man sogar einen Plattenvertrag ergattert. Mit \u201eAnarchy in the UK\u201c erscheint 1976 die erste Single, und die folgende PR-Tour avanciert vollends zum Showcase der Pistols-Provokationen. In der \u201eToday\u201c-Show mit Bill Grundy (zu der die Pistols nur eingeladen waren, weil die eigentlich vorgesehenen Queen aufgrund eines Zahnarzt-Termins von Freddie Mercury absagten) foppt der Gastgeber Gitarrist Steve Jones so lange, bis der eine ganze Serie von Kraftausdr\u00fccken von sich gibt, die im englischen Fernsehen am Nachmittag aber so gar nicht angehen. Die Plattenfirma wendet sich mit Grausen, aber der Ruhm der Pistols ist sp\u00e4testens mit der Daily Mirror-Schlagzeile \u201eThe filth and the fury!\u201c gefestigt \u2013 <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6672\" data-type=\"post\" data-id=\"6672\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">die Punk-Bewegung rollt<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>1977 \u00fcbernimmt ein gewisser John Simon Ritchie, besser bekannt als Sid Vicious, vollkommen ohne instrumentalische Kompetenz den Bass vom in Ungnade gefallenen Glen Matlock. Rechtzeitig zum Golden Jubilee lancieren die Pistols im Mai 1977 dann ihren Geniestreich: mit \u201eGod Save the Queen\u201c feuern sie eine bitterb\u00f6se Abrechnung mit jeglicher Form der Obrigkeitsh\u00f6rigkeit ab und geben diese auf einem Schiff in der Themse live zum Besten. Die Single wird zur meistverbotenen Scheibe Englands, was nichts daran \u00e4ndert, dass sie an die Spitze der Charts st\u00fcrmt (was man in der offiziellen Z\u00e4hlung allerdings ignoriert). Immer heftiger werden die Anfeindungen gegen die Meute und ihre Gefolgschaft, immer wilder werden die Exzesse vor allem von Sid, den seine neue Freundin Nancy Spungen mit dem Heroin bekannt macht, was zu seinem baldigen Untergang f\u00fchren wird. Aber erst unternehmen die Pistols noch eine chaotische Tour durch die <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9079\" data-type=\"post\" data-id=\"9079\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">S\u00fcdstaaten<\/a> der USA, bevor dann im Oktober 1977 ihr erstes und einziges Album erscheint. Da ist die Kombo aber schon l\u00e4ngst mitten im Zusammenbruch\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNever mind the bollocks \u2013 here\u2019s the Sex Pistols!\u201c Kaum eine Band hat es mit nur einem einzigen Album geschafft, der Musikwelt ihren bleibenden Stempel aufzudr\u00fccken. Nat\u00fcrlich musste Punk kurzlebig sein, zu simplistisch, zu selbstzerst\u00f6rerisch und zu nihilistisch war der Ansatz, in dem nach dem Motto \u201eJeder kann was\u201c k\u00fcnstlerische Versiertheit nichts und Anarchismus alles war. Als Gegenbewegung gegen die in selbstverliebter Attit\u00fcde erstarrten Prog Rock-Institutionen wie Pink Floyd, Yes und auch <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3400\" data-type=\"post\" data-id=\"3400\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Genesis<\/a> (die noch weit weg von den sp\u00e4teren breitentauglichen Pop-Ausfl\u00fcgen in den 70ern mit Peter Gabriel in lustigen Tiermasken auftraten) war Punk ein gewaltiger Tritt ans Schienbein, der n\u00f6tig, aber nicht in sich selbst tragend war. Die Motivation, die Hintergr\u00fcnde, die Abseitigkeiten, eben den ganzen Filth und Fury bringt Jim McCarthy (der in <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1588\" data-type=\"post\" data-id=\"1588\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Musiker-Biographien<\/a> durchaus bewandert ist, wie z.B. \u201eGodspeed: The Kurt Cobain Graphic\u201c oder \u201eEminem: In My Skin\u201c) in dieser dichten Graphic Novel schlaglichthaft zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n<p>Zentrale Momente des Aufstiegs und Falls dieser so chaotischen wie einflussreichen Kombo kommen zu Ehren, vom ersten Vorsingen (bei dem Lydon den Alice Cooper-Hit \u201eI\u2019m Eighteen\u201c zu Geh\u00f6r bringt, weil sonst nichts in der Jukebox l\u00e4uft) \u00fcber die skandaltr\u00e4chtigen Auftritte, bei denen es gerne auch mal zu Handgemengen und w\u00fcsten Beschimpfungen des Publikums kommt (Jahre sp\u00e4ter lehnt Iron Maiden-Chef Steve Harris immer noch jede Tendenz, seine Band k\u00f6nne vom Punk-Sound beeinflusst worden sein, br\u00fcsk ab, mit der Begr\u00fcndung, das sei alles nur r\u00fcpelhafte Spuckerei gewesen) bis hin zum legend\u00e4ren Auftritt in der \u201eToday\u201c-Show und nat\u00fcrlich dem Hype um die Bootsfahrt auf der Themse. Die Aufl\u00f6sungserscheinungen zeigen sich ebenso alsbald, und vor allem Sid Vicious erscheint unaufhaltsam auf seiner H\u00f6llenfahrt, die letztlich auch Lydon von seinem alten Kumpel entfremdet. Malcom McLaren gibt sich als Mentor und Mastermind, witterte letzten Endes aber wohl nur eine gute Gesch\u00e4ftschance, weshalb er sich mehr und mehr mit Lydon verkrachte, aus dessen Sicht die ganze Chose erz\u00e4hlt wird. Ganz am Ende durchwandet ein desillusionierter Lydon das moderne <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=8832\" data-type=\"post\" data-id=\"8832\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">London<\/a> und wirft dem Leser gewohnt pissig an den Kopf: es ist noch viel schlimmer gekommen, als wir Euch das gesagt haben \u2013 und Ihr Deppen lasst das auch noch mit Euch machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Steve Parkhouse, der auch schon an <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=8792\" data-type=\"post\" data-id=\"8792\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Neil Gaimans<\/a> \u201eSandman\u201c beteiligt war, \u00a0inszeniert das Ganze passend ruppig, in expressiver Farbgebung, gerne mit Totalen vor allem des kreischenden Rotten. In den Szenen der Verzweiflung um den immer weiter abrutschenden Vicious dominieren dann schwarze Schattenrisse, die die Einsamkeit und Getriebenheit der Figur transportieren. Nach der Lekt\u00fcre wundert man sich in der Tat, dass au\u00dfer Vicious alle Mitstreiter \u00fcberlebt haben und es im neuen Jahrtausend sogar zu diversen Reunions kam, die durchaus vielbeachtet waren \u2013 die Legende lebt also jenseits von Hommagen und Coverversionen (unter anderem kredenzen uns auch Megadeth und M\u00f6tley Cr\u00fce jeweils Fassungen von \u201eAnarchy in the UK\u201c) weiter. Bei Panini erscheint das B\u00e4ndchen, das im Original schon 2011 erschien, h\u00fcbsch aufgemacht als Hardcover. Und ach ja, der ber\u00fchmte Plattentitel hei\u00dft nichts anderes als \u201ePfeif auf den ganzen Quatsch\u201c \u2013 Nebenbedeutungen durchaus ebenfalls erw\u00fcnscht. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/paninishop.de\/sex-pistols-stars-comics\/sex-pistols-die-graphic-novel-ydspgn001\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/paninishop.de\/sex-pistols-stars-comics\/sex-pistols-die-graphic-novel-ydspgn001\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Sex Pistols &#8211; Die Graphic Novel<\/a><br>Text: Jim McCarthy<br>Bilder: Steve Parkhouse<br>100 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Panini Comics<br>19 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-7416-2172-7<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D9485\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9485\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Sex Pistols (Panini) &raquo; Comicleser #Biographie #Einzelband #Graphic Novel #Jim McCarthy #Pani [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>London Mitte der 70er Jahre: die Musikszene stagniert, der ehemals rebellierende Rock\u2019n\u2019Roll ergeht sich entweder in Plattheit oder in verk\u00fcnsteltem Avantgardismus, der bestenfalls bekiffte Studenten mitrei\u00dft. 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